Kommentar von Martina Schneiderer (47), Nippes, die den Karneval liebt und die Stunksitzung einst auch
Was einmal als anarchischer Gegenentwurf zum geschniegelt-gefüllten Karnevals-Einerlei begann, wirkt in diesem Jahr wie eine müde Pflichtübung auf Autopilot. Die Stunksitzung 2025 hat eindrucksvoll bewiesen, dass selbst Subversion altern kann – und zwar schlecht.
Der einstige Biss, mit dem Politik, Kirche, Stadtverwaltung und kölsche Selbstzufriedenheit filetiert wurden, ist heute kaum mehr als ein zahnloses Grinsen. Statt scharfer Satire gab es vorhersehbare Pointen, die man bereits auf Instagram gesehen hat, bevor sie überhaupt auf der Bühne landeten. Wenn der größte Lacher aus dem Wiedererkennen statt aus der Überraschung entsteht, ist etwas grundlegend schiefgelaufen.
Besonders schmerzhaft: der politische Anspruch. Früher tat die Stunksitzung weh – heute streichelt sie ihr Publikum mit wohltemperierter Empörung. Man regt sich gemeinsam über das auf, worüber man sich ohnehin einig ist, nickt sich solidarisch zu und geht danach zufrieden nach Hause. Risiko? Fehlanzeige. Haltung? Verdünnt. Es wirkte, als habe man Angst, jemanden zu verprellen – ein tödlicher Fehler für eine Veranstaltung, die einst davon lebte, genau das zu tun.
Auch musikalisch blieb vieles erschreckend belanglos. Die Lieder pendelten zwischen bemüht und belanglos, mit Reimen, die so vorhersehbar waren wie der nächste Kölsch-Nachschub. Selbst die sonst so treffsicheren Darsteller wirkten müde, fast so, als spielten sie Karnevalstheater über Karnevalstheater.
Am bittersten ist jedoch die Erkenntnis: Die Stunksitzung ist mittlerweile Teil dessen geworden, was sie früher bekämpft hat. Sie ist etabliert, abgesichert, vorhersehbar – ein Event für Menschen, die sich gerne als kritisch verstehen, ohne es noch sein zu müssen.
Wenn das die Zukunft der Stunksitzung ist, dann braucht sie dringend das, was sie einst groß gemacht hat: Wut, Mut und die Bereitschaft, auch das eigene Publikum zu verärgern. Denn Satire, die niemanden mehr trifft, ist keine Satire – sie ist nur noch Folklore mit Haltungssimulation.
Sehr schade, aber doch vorhersehbar.
Selbst die Macherinnen und Macher der Stunksitzung haben wohl inzwischen Angst,
„Stunk“ zu machen. Menschen des öffentlichen Lebens, egal ob Politiker, Stars oder die, die sich dafür halten, sind inzwischen derart empfindlich oder sensibel, dass sie mit Kritik an ihrer Person, in welcher Form sie auch immer geäußert wird, nicht mehr umgehen können. Und da man eben, weder Besuch von der Polizei noch Post von der Staatsanwaltschaft bekommen will, wird eben der bissigste Stunk inzwischen zahnlos und glatt gebügelt.
Das ist mir leider auch schon aufgefallen. Die Frage ist halt auch inwiefern der WDR sich da in’s Programm einmischt um es sendbar zu halten. Ich habe mich natürlich auch gefragt ob es an mir selber liegt, selber wie die Darsteller älter geworden und mittlerweile durch die neuen Medien vielleicht abgestumpft. Eine Verjüngungskur wäre mal angebracht. Schwer zu sagen wen man da ersetzen sollte. Die Künstler sind ja sicher auch auf die Gagen angewiesen. Die Band macht nach wie vor einen guten Job. Altersbashing zu betreiben liegt mir fern, aber da muss frisches Blut rein. Speziell zwei Personen geht mir schon seit vielen Jahren auf den Keks. Wäre schade wenn sich die Stunksitzung irgendwann selber abschafft.
Valens:
Ich kann es kurz machen, denn alles, was ich auich empfunden habe, ist schon gesagt.IDie Zeiten, wo Jürgen Becker mit Irokesenperücke dem „Kanal Meisner“ ordentlich einen „einschenkte“, kommen wohl nicht wieder. Obwohl alle Mitwirkenden ersichtlich Freude an dem haben, was sie machen, springt der Funke nicht über, „beißt“ die Satire meist nicht.
Einzig die Band mit ihrem scheinbar unverswüstlichen Leiter ist nach wie vor einfach Klasse !!
Ich kann euch nur Recht geben: die Stunksitzung ist stunklangweilig geworden! Ich war in den Anfängen ein Fan von Ihnen,
weil sie bissig, frech, klug, mutig waren, Kante zeigten; bereit waren sich auseinanderzusetzen mit unerwünschten Themen.
Als Kölnerin habe ich besonders die guten Nummern zu Kardinal Meisner gefunden. Was für mich aber nicht heißt gegen die Kirchgänger zu hetzen oder Kirche nur als Opium fürs Volk (viel Wahrheit drin!) zu verstehen. Bei der Stunksitzung 2026 vermisse ich jegliche Tiefe, Ernsthaftigkeit, Radikalität, die wir politisch so bitter nötig haben! Und das heißt für mich nicht, dass Biggi z.b. Alice Weidel als reinen Hass bezeichnet und sich damit des Applauses sicher ist, primitiv, kann jeder Biggi!
Wir leben verdammt noch mal zum Glück in einer Demokratie, wo sich Alle mit Allen auseinandersetzen sollten. Das ist Menschenwürde und Respekt. Auch wenn die einen links sind, die anderen rechts….sind wir in erster Linie Menschen, die sich in Offenheit und Verständnis begegnen könnten und sollten. Da ist für mich Eugen Drewermann ein Vorbild. Der sich übrigens auch klar gegen jeden Krieg ausgesprochen hat, was in keiner Nummer der Stunker vorgekommen ist. Ist auch schwierig, da viele „Aufgeklärten“ wie die Altparteien, hier insbesondere die Grünen, mittlerweile zu Kriegshetzern geworden sind. Ja. Dann kann ich nur noch empfehlen Patrick Baabs Kommentar zum Kriegseinsatz junger Deutscher anzuhören.
Ich hoffe, dass Viele von uns den Stunkern Dampf unterm Hintern machen!