Von außen ein Grantler, von innen ein Poet: Warum J.P. Weber manchmal Unfreundlichkeit mit kölscher Ehrlichkeit verwechselt – und genau deshalb so echt ist.
Ein kölsches Original mit vielen Saiten
Wer J.P. Weber sagt, meint eigentlich Jörg Paul Weber – Musiker, Texter, Redner, Buchautor, Gitarrist und bekennender Freund des ehrlichen Tons. Er ist einer dieser seltenen Vögel, die noch sagen, was sie denken – und das auf der Bühne genauso wie im Alltag.
Über 5.000 Auftritte, mehr als 600 Lieder, und Beteiligung an rund 300 Tonträgern: Zahlen, die belegen, dass Weber nicht nur redet, sondern arbeitet. Und zwar mit Leidenschaft. Seine Musik? Ein Mix aus kölschem Krätzjer, Blues, Rock’n’Roll und einem Schuss Selbstironie. Alles handgemacht, alles echt.
Der Ton macht die Musik – und manchmal Missverständnisse
Weber hat eine Art, die polarisiert. Da, wo andere noch überlegen, ob man etwas „so sagen darf“, hat er’s längst gesagt – und dabei oft ins Schwarze getroffen.
Manche nennen das unfreundlich, andere nennen es kölsch. Denn was in Köln als „raue Ehrlichkeit“ gilt, wird außerhalb der Domstadt gern als Grobheit missverstanden. Dabei steckt in seinen Worten selten Bosheit – meist nur das, was man in Köln „Hätz op de Zong“ nennt: Herz auf der Zunge.
Er sagt selbst: „Ich will kein nettes Programm. Ich will ein ehrliches.“ Und das ist ihm gelungen – auf Platten, auf Bühnen, in jeder Pointe.
Eklat? Oder einfach Konsequenz mit Charakter?
So wie in Bad Godesberg, wo Weber kurzerhand seinen Auftritt beendete, weil ihm das Verhalten des Publikums missfiel. Keine Zugabe, keine falsche Freundlichkeit – dafür klare Kante. Die Folge: Auftritt abgesagt, Medienwirbel inklusive.
Aber wer ihn kennt, weiß: Weber ist keiner, der nachgibt, um zu gefallen. Wenn Respekt fehlt, geht er lieber. Und genau das macht ihn für viele Fans so glaubwürdig. Für ihn zählt Haltung mehr als Applaus.
„Elf“ – sein letztes Studioalbum, aber sicher nicht das letzte Wort
Mit „Elf“ hat J.P. Weber jüngst ein Album vorgelegt, das so klingt, wie er ist: direkt, musikalisch vielseitig, voller Herz und Humor. Kein weichgespülter Karnevals-Pop, sondern ehrliche kölsche Musik, die kratzt und gleichzeitig wärmt.
Bei der Vorstellung sagte er: „Kölsch för Kölsche. Echte Musik, ganz ohne Schminke.“ – und wer ihn je live erlebt hat, weiß: Das ist keine Marketingfloskel, sondern gelebte Philosophie.
Ein Mann, der mehr fühlt, als er zeigt
Hinter der rauen Schale steckt ein Künstler, der tief empfindet. Seine Texte erzählen vom Verlust, vom Feiern, vom Alltag – aber immer mit einem Augenzwinkern.
Sein Humor ist trocken, seine Liebe zu Köln ehrlich, sein Blick auf die Welt unbestechlich. Und ja, manchmal kommt das ungebügelt daher. Aber genau das ist es, was ihn von den glattproduzierten Bühnenfiguren unterscheidet, die freundlich grinsen, auch wenn sie nichts zu sagen haben.
Ein kölscher Charakterkopf mit Rückgrat
J.P. Weber ist kein einfacher Typ – aber einer, der bleibt. Einer, der das sagt, was andere nur denken. Einer, der seine Kunst lebt, nicht spielt.
Er ist der Beweis, dass man auch im Karneval Tiefgang haben kann, dass Humor und Haltung sich nicht ausschließen müssen. Und dass ein bisschen Unfreundlichkeit manchmal einfach nur Ehrlichkeit mit rauer Stimme ist.
Menschlich, musikalisch, mittendrin – so bleibt J.P. Weber: Ein knorriger Freund im bunten Zirkus Köln.
Trotz nicht gerade kaiserlichen Wetters war der kölsche Straßenkarneval dank der vielen bunten Fußgruppen, der spielfreudigen Kapellen, der aufwendig dekorierten Wagen und nicht zuletzt der überragend gut gelaunten Gäste entlang des Zugweges kaum mehr zu toppen.
Leider spiegelte sich diese fröhliche Ausgelassenheit nicht in der zusammen geschnittenen TV-Sitzung wieder. Als Brings-Fan der ersten Stunde hätte ich der Band eine kulturelle Pause von einem Jahr verordnet. Für mich ganz traurig, die Bläck Fööss, die Veedel-Stimmung von einst ist irgendwie verloren gegangen. Und dann noch J.P. Weber…, ich würde mir sofort jeden Solo-Auftritt von ihm wieder anschauen, aber bitte nicht als Totengräber einer Sitzung.