Köln, 27. Juni 2025 – Im Streit um die Nutzung der Uniwiese während der Karnevalszeit bahnt sich ein juristisches Nachspiel an. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) will rechtlich gegen eine mögliche Ausnahmegenehmigung der Stadt Köln vorgehen. Hintergrund ist die geplante erneute Nutzung des Landschaftsschutzgebiets für Karnevalsfeiernde – trotz wachsender Kritik und wiederholter Appelle, alternative Orte zu finden.
Stadt setzt auf bekannte Fläche – BUND kündigt Klage an
Obwohl über 30 mögliche Flächen im Stadtgebiet geprüft wurden, sieht die Stadt weiterhin keine realistische Alternative zur Uniwiese. Diese soll, wie bereits in der vergangenen Session, an zwei zentralen Terminen geöffnet werden: zum Sessionsauftakt am 11. November und an den Haupttagen des Straßenkarnevals 2026. Anders als in den Vorjahren ist jedoch eine reduzierte Nutzung vorgesehen. Die Veranstaltungsfläche wird kleiner, es soll kein Musikprogramm geben, zudem gelten Glas- und Alkoholverbote.
Der BUND kritisiert diese Pläne scharf. Die Fläche sei Teil eines besonders geschützten Grünzugs, der nicht wiederholt für Großveranstaltungen geopfert werden dürfe. Man sei deshalb bereit, im Falle einer Genehmigung durch die zuständigen Behörden eine Klage einzureichen. Die Naturschützer fordern eine langfristige Lösung, die sowohl Feierkultur als auch Naturschutz vereint – etwa durch dezentrale, kreative Konzepte oder alternative Orte wie das Konrad-Adenauer-Ufer.
Geteilte Meinungen bei Jugendlichen
Während Umweltverbände und Stadtverwaltung ihre Standpunkte austauschen, zeigt sich auch bei jungen Kölnerinnen und Kölnern ein differenziertes Bild.
Der 15-jährige Markus P. aus Lindenthal meint dazu: „Ich hab schon Verständnis dafür, dass man die Natur schützen will, echt. Aber Karneval ist halt auch wichtig für uns Jugendliche. Und mal ehrlich – ’ne Wiese ist doch nur ’ne Wiese.“
Anders sieht das Hannah J., 16, aus Sülz: „Ich find, man kann auch zu Hause oder in kleinen Gruppen gut feiern. Man muss sich nicht ins Gedränge stürzen. Eine Grünfläche kaputtzutreten für ein paar Stunden Spaß – das ist es nicht wert.“
Zwischen Pragmatismus und Prinzipien
Die Stadt argumentiert, dass ohne eine zentrale Ausweichfläche die Situation im beliebten Zülpicher Viertel aus dem Ruder laufen könnte. Die Konzentration feiernder Menschen auf engstem Raum hatte in der Vergangenheit immer wieder zu Sicherheitsproblemen geführt.
Der BUND hingegen sieht darin ein strukturelles Problem, das mit kurzfristigen Maßnahmen nicht lösbar sei. Er fordert mehr Kreativität und Verantwortungsbewusstsein in der Stadtplanung – vor allem mit Blick auf die Jugend und den Erhalt öffentlicher Räume.
Wie geht es weiter?
Eine Entscheidung über die beantragte Ausnahmegenehmigung wird in Kürze erwartet. Der Naturschutzbeirat tagt am 7. Juli – möglicherweise wird schon dann deutlich, ob die Uniwiese erneut zur Karnevalsbühne wird oder ob diesmal das Verwaltungsgericht das letzte Wort haben wird.