Das Colonia Duett gehört zu den großen Legenden des Kölner Karnevals. Mit Musik, Wortwitz und einem unverwechselbaren Zusammenspiel begeisterten Hans Süper junior und Hans Zimmermann über viele Jahre ein Millionenpublikum. Zwischen 1974 und 1990 prägten sie den Sitzungskarneval wie kaum ein anderes Künstlerduo. Ihre Auftritte sind bis heute lebendig geblieben – nicht nur in der Erinnerung vieler Kölnerinnen und Kölner, sondern auch durch zahlreiche Fernsehaufzeichnungen.
Zwei unterschiedliche Charaktere
Der Erfolg des Colonia Duetts beruhte vor allem auf dem Gegensatz seiner beiden Mitglieder. Hans Zimmermann, geboren 1920, verkörperte den ruhigen, vernünftigen und gelegentlich etwas belehrenden Part. Er spielte Gitarre, führte durch die gemeinsamen Lieder und versuchte scheinbar, Ordnung in den Auftritt zu bringen.
Hans Süper junior, Jahrgang 1936, übernahm dagegen die Rolle des schelmischen Clowns. Mit hoher Stimme, lebhafter Mimik und überraschenden Einfällen brachte er seinen Partner immer wieder aus dem Konzept. Dabei wirkte vieles spontan, obwohl die Auftritte musikalisch und dramaturgisch genau abgestimmt waren.
Zimmermann war der ideale Stichwortgeber für Süper. Je ernster er auftrat, desto wirkungsvoller waren die frechen Bemerkungen seines Partners. Besonders bekannt wurde Süpers Anrede „Du Ei!“, die sich auf Zimmermanns kahler werdenden Kopf bezog. Aus diesem einfachen Ausdruck entwickelte das Duo unzählige Wortwechsel und Pointen.
Die berühmte „Flitsch“
Untrennbar mit Hans Süper verbunden war seine kleine Mandoline, die er auf Kölsch „Flitsch“ nannte. Das Instrument war weit mehr als eine musikalische Begleitung. Süper setzte es ein, um Pointen vorzubereiten, Pausen zu gestalten oder einen Dialog plötzlich in ein Lied übergehen zu lassen.
Seine Musikalität wurde auch außerhalb des Karnevals geschätzt. Deutschlandfunk Kultur hob besonders Süpers präzises Timing und seinen wirkungsvollen Einsatz von Pausen hervor. Gerade die Verbindung von Musik und Komik machte seine Auftritte einzigartig.
Eine neue Form des Sitzungskarnevals
Das Colonia Duett entstand 1974 im Umfeld einer kleinen Gaststätte in Köln-Ehrenfeld. Mit seiner Mischung aus Parodie, Gesang, Tanz und Doppelconférence brachte es neuen Schwung in den traditionellen Sitzungskarneval. Während viele Darbietungen damals nach festen Mustern abliefen, wirkte das Spiel zwischen Süper und Zimmermann lebendig und unberechenbar.
Der WDR beschreibt das Duo als eine Formation, die den Kölner Sitzungskarneval regelrecht revolutionierte. Bald wurden die beiden auch außerhalb Kölns bekannt. Ihre Auftritte in der ARD-Fernsehsitzung Karneval in Köln gehörten regelmäßig zu den Höhepunkten des Programms.
Dabei bestand ihre Kunst nicht aus einer schnellen Folge einzelner Witze. Entscheidend war vielmehr, wie sich ein Gespräch entwickelte. Ein scheinbar harmloser Satz konnte zu einem Missverständnis führen, das von Süper immer weiter ausgeschmückt wurde. Zimmermann reagierte empört oder ratlos, während das Publikum längst ahnte, dass er erneut zum Ziel der nächsten Pointe werden würde.
Humor in kölscher Sprache
Das Kölsche spielte eine zentrale Rolle in den Programmen des Duos. Viele Witze lebten von Doppeldeutigkeiten, besonderen Redewendungen und dem Klang der Mundart. Doch auch Menschen außerhalb Kölns verstanden die Grundidee der Auftritte. Die Komik entstand ebenso durch Blicke, Gesten, Pausen und den deutlichen Gegensatz der beiden Bühnenfiguren.
Hinter den Scherzen steckte häufig eine genaue Beobachtung des Alltags. Das Colonia Duett erzählte von menschlichen Schwächen, Eitelkeiten, Eheproblemen und kleinen Missverständnissen. Niemand wurde grundsätzlich verurteilt. Stattdessen lud der Humor dazu ein, über andere und zugleich über sich selbst zu lachen.
Das Ende des Duos
Nach 16 gemeinsamen Jahren endete die Zusammenarbeit 1990. Für viele Anhänger des Kölner Karnevals kam die Trennung überraschend. Hans Süper trat anschließend mit Werner Keppel als Süper-Duett auf und setzte seine erfolgreiche Bühnenkarriere fort. Hans Zimmermann starb 1994 im Alter von 74 Jahren.
Hans Süper zog sich 2002 weitgehend von der Karnevalsbühne zurück, blieb aber als kölsches Original präsent. Er starb am 3. Dezember 2022 im Alter von 86 Jahren. Zahlreiche Künstler und Vertreter der Stadt Köln würdigten ihn anschließend als außergewöhnlichen Musiker, Komiker und Botschafter der kölschen Lebensart.
Ein Vermächtnis, das weiterlebt
Auch Jahrzehnte nach der Trennung hat das Colonia Duett seinen Kultstatus nicht verloren. Der WDR zeigt bis heute Ausschnitte der legendären Auftritte. Viele Dialoge funktionieren noch immer, weil sie nicht allein von aktuellen Ereignissen abhängig waren. Im Mittelpunkt standen zeitlose menschliche Eigenschaften: Überheblichkeit, Gutgläubigkeit, Eifersucht, Neugier und die Freude daran, den anderen ein wenig auf den Arm zu nehmen.
Das Colonia Duett bewies, dass Karnevalshumor zugleich populär, musikalisch und kunstvoll sein kann. Hans Süper und Hans Zimmermann benötigten keine aufwendige Bühnenshow. Eine Gitarre, eine Flitsch und zwei gegensätzliche Persönlichkeiten genügten, um einen ganzen Saal zum Lachen zu bringen.
Damit wurde das Duo zu einem festen Bestandteil der Kölner Kulturgeschichte. Sein berühmtes „Du Ei!“ ist längst mehr als eine Pointe: Es ist eine liebevolle Erinnerung an eine Form des kölschen Humors, die bis heute unerreicht erscheint.