Hanak
Mit rockigen Gitarren, eingängigen Refrains und unverkennbar kölschen Texten gehörte HANAK über viele Jahre zu den bekannten Bands im Kölner Karneval. Zwischen 2008 und 2020 stand die Formation um Sänger und Songwriter Micha Hirsch regelmäßig auf den Bühnen des Fastelovends. Lieder wie „Haifischzahn“, „Dat muss Kölle sin“, „Durch de Naach“, „Naach d’r Nächte“ und „Veedel“ machten die Gruppe einem breiten karnevalistischen Publikum bekannt.
Dabei beschränkte sich HANAK musikalisch nicht auf klassische Stimmungslieder. Neben ausgelassenen Karnevalstiteln veröffentlichte die Band auch nachdenkliche Stücke über Zusammenhalt, Heimat, Freundschaft und persönliche Rückschläge. Diese Mischung aus Party, Kölschrock und emotionalen Texten prägte das Profil der Formation.
Heute tritt die Gruppe nicht mehr unter dem Namen HANAK auf. Ihre Musik ist jedoch weiterhin präsent – im Karneval, auf kölschen Mitsingveranstaltungen und ganz besonders bei den Heimspielen der Kölner Haie.
Was bedeutet der Name HANAK?
Der Bandname stammt aus dem Kölschen. Als „Hanak“ wird ein durchtriebener, schelmischer oder spitzbübischer Mensch bezeichnet – jemand, der nicht unbedingt alles so macht, wie es von ihm erwartet wird, dabei aber meist sympathisch bleibt.
Der Name passte zum Auftreten der Band. HANAK wollte nicht wie eine traditionelle Karnevalsgruppe klingen, sondern kölsche Musik mit einer deutlich rockigeren Haltung verbinden. Leder, kräftige Gitarren und ein energiegeladener Frontmann trafen auf Mundart, Heimatgefühl und die bekannten Themen des Kölner Fastelovends.
Die Gründung der Band
HANAK wurde 2008 im Raum Köln gegründet. Zur ursprünglichen Besetzung gehörten Sänger Micha Hirsch, Gitarrist Mirko Salispahic, Bassist Hans Thodam, Keyboarder Torsten „Herbi“ Herbst und Schlagzeuger Heiko Braun. Einige der Musiker hatten zuvor bereits gemeinsam in der Formation Living Planet gespielt.
Zum Mittelpunkt der Band entwickelte sich Micha Hirsch. Er war nicht nur Sänger und Entertainer, sondern wirkte bei einem großen Teil der HANAK-Lieder als Texter, Komponist und Produzent mit.
In der Anfangsphase erhielt die Gruppe Unterstützung von Jens Streifling, der als Musiker der Höhner bereits über große Erfahrung in der kölschen Musikszene verfügte. Streifling produzierte unter anderem die erste HANAK-Single. Der Band gelang dadurch ein bemerkenswert schneller Einstieg in den Kölner Karneval.
„Haifischzahn“ bringt den frühen Durchbruch
Bereits die erste Single „Haifischzahn“ wurde zu einem der größten Erfolge der Band. Das Lied erschien 2008 und verband einen humorvollen Text mit einem rockigen Arrangement und einem Refrain, der sich schnell mitsingen ließ.
Bei der Kneipentour von Loss mer singe erreichte „Haifischzahn“ in der Session 2009 den zweiten Platz. Mehr als 10.000 Teilnehmer hatten in 32 Kölner Kneipen über die vorgestellten Lieder abgestimmt. HANAK musste sich lediglich Brings mit „Heimjonn“ geschlagen geben und platzierte sich noch vor den Bläck Fööss. Das offizielle Ergebnis ist im Archiv von Loss mer singe dokumentiert.
Für eine neu gegründete Band war diese Platzierung ein beachtlicher Erfolg. „Haifischzahn“ machte HANAK innerhalb kurzer Zeit im Kölner Karneval bekannt und öffnete der Formation die Türen zu zahlreichen Sitzungen, Partys und anderen Veranstaltungen.
Zugleich entstand durch den Titel früh eine Verbindung zu den Kölner Haien. Später wurde „Haifischzahn“ sogar in einer besonderen Haie-Version veröffentlicht.
Kölschrock für den Fastelovend
Musikalisch ließ sich HANAK am ehesten dem Kölschrock zuordnen. Die klassische Rockbesetzung mit Gitarren, Bass, Schlagzeug und Keyboard sorgte für einen druckvollen Klang. Dazu kam die markante Stimme von Micha Hirsch.
Die Lieder waren überwiegend in kölscher Mundart geschrieben. Allerdings setzte die Band nicht allein auf traditionelle Karnevalsrhythmen. In den Arrangements waren Einflüsse aus Rock, Pop und teilweise auch moderner Partymusik zu hören.
Damit passte HANAK zu einer Entwicklung, die den Kölner Karneval seit vielen Jahren prägt. Neben dem klassischen Sitzungskarneval wurden Partys, Konzerte und Mitsingveranstaltungen immer wichtiger. Bands mussten nicht nur einen kurzen Auftritt in einem Saal absolvieren können, sondern auch bei längeren Konzerten oder vor einem jungen Publikum funktionieren.
HANAK konnte beide Bereiche miteinander verbinden: Die Refrains waren für den Karnevalssaal geeignet, während die Instrumentierung eher an eine Rockband erinnerte.
„Dat muss Kölle sin“
2009 veröffentlichte HANAK das erste Album „Dat muss Kölle sin“. Der gleichnamige Titelsong entwickelte sich zu einer Liebeserklärung an Köln und das besondere Lebensgefühl der Stadt.
Der Titel zeigt, dass HANAK mehr sein wollte als eine reine Partyband. Köln wurde in den Liedern nicht nur als Kulisse für den Karneval dargestellt. Die Stadt, ihre Menschen, ihre Eigenarten und das Gefühl von Heimat bildeten immer wieder den inhaltlichen Mittelpunkt.
Beim Wettbewerb von Loss mer singe erreichte „Dat muss Kölle sin“ in der Session 2010 den zwölften Platz. Ein weiterer HANAK-Titel, „Einmal nur“, belegte in demselben Jahr Platz 14. Damit war die Band innerhalb kurzer Zeit gleich mit mehreren Liedern im kölschen Karneval angekommen.
Drei Studioalben von HANAK
Während ihrer aktiven Zeit veröffentlichte die Band drei Studioalben:
- „Dat muss Kölle sin“ aus dem Jahr 2009
- „Bess zem Morje“ aus dem Jahr 2013
- „Bäääm“ aus dem Jahr 2016
Die Alben dokumentieren die musikalische Entwicklung der Gruppe. Während das Debüt stark vom unmittelbaren Erfolg im Karneval geprägt war, zeigte „Bess zem Morje“ eine größere stilistische Bandbreite. Das Album enthält 16 Titel und erschien 2013. Dazu gehört auch „Durch de Naach“, das vielen Karnevalsbesuchern durch die sogenannte Vampire-Version bekannt wurde.
Mit „Bäääm“ verstärkte HANAK 2016 den rockigen Charakter. Das dritte Studioalbum erschien über Rotwild Records und umfasst 14 Titel. Alle drei Alben sind weiterhin auf der HANAK-Künstlerseite bei Spotify zu finden.
„Mer halde zesamme, KEC!“
Eine besondere Bedeutung in der Geschichte von HANAK besitzt das Lied „Mer halde zesamme, KEC!“. Micha Hirsch schrieb den Titel für die Kölner Haie. 2013 wurde das Stück als Haie-Song auf CD veröffentlicht.
Der Refrain bringt das Gemeinschaftsgefühl des Sports auf eine einfache kölsche Formel: Mannschaft und Fans stehen zusammen. Das Lied wurde zu einem festen Bestandteil der musikalischen Atmosphäre bei Heimspielen in der Lanxess Arena.
Die Kölner Haie veröffentlichten die Hymne gemeinsam mit einer Karaoke-Fassung und einer speziellen Haie-Version von „Haifischzahn“. Darüber berichtete der Verein auf seiner offiziellen Internetseite.
Auch viele Jahre nach dem Ende von HANAK wird „Mer halde zesamme, KEC!“ weiterhin in der Arena gespielt. Noch bei einem Heimspiel im November 2025 beschrieben die Kölner Haie, wie sich das „Haifischbecken“ mit diesem Lied musikalisch auf das Spiel einstimmte.
Damit hat HANAK einen Titel geschaffen, der weit über eine einzelne Karnevalssession hinaus Bestand besitzt.
Zwischen langen Nächten und ernsten Themen
Zu den bekannten Liedern der Band gehört „Naach d’r Nächte“ aus dem Jahr 2014. Der Titel erzählt von besonderen Nächten in Köln und verbindet die Feierfreude der Stadt mit einem modernen Pop-Rock-Sound.
Andere Stücke widmeten sich stärker dem kölschen Lebensgefühl. „Mi Hätz määt Wuum“ war eine Hommage an die kölsche Musik. „Wenn de Sunn opjeit“ setzte auf Aufbruch und Energie, während „Wenn ich jonn“ ruhigere und emotionalere Töne anschlug.
Mit „Durch et Füer“ veröffentlichte HANAK 2018 ein Lied über schwierige Lebensphasen und die Kraft, nach Rückschlägen wieder aufzustehen. Solche Titel unterschieden die Band von Formationen, die sich ausschließlich auf ausgelassene Partymusik konzentrierten.
HANAK konnte im selben Auftritt unterschiedliche Stimmungen bedienen: feiern, schunkeln, springen, aber auch zuhören und nachdenken.
Die Besetzung veränderte sich
Wie bei vielen Bands wechselte die Besetzung im Laufe der Jahre. Micha Hirsch und Keyboarder Torsten „Herbi“ Herbst blieben wichtige Konstanten.
In der zuletzt dokumentierten Bühnenbesetzung standen neben Micha Hirsch und Torsten Herbst auch Rafael Hupfeld und Tobi Born an den Gitarren, Max Moerke am Bass sowie Johannes Biegl am Schlagzeug. Eine Übersicht über die verschiedenen Veröffentlichungen und die spätere Besetzung bietet das Kölner Musikportal BANDS.koeln.
Durch die zeitweise zwei Gitarren umfassende Besetzung besaß HANAK einen besonders kräftigen Livesound. Gleichzeitig konnten Keyboards und mehrstimmige Gesangspassagen für die melodischen Elemente sorgen, die bei kölscher Musik eine wichtige Rolle spielen.
„Veedel“ und der Top-Jeck-Sieg 2020
In der Session 2019/2020 veröffentlichte HANAK den Titel „Veedel“. Das Lied griff das damalige Kölner Sessionsmotto „Et Hätz schleiht em Veedel“ auf und stellte die Bedeutung der Kölner Stadtviertel in den Mittelpunkt.
Mit „Veedel“ gewann HANAK 2020 den Wettbewerb Top Jeck von Radio Köln. Nach einem Bericht der Kölnischen Rundschau standen 40 Titel aus den Karnevalscharts zur Abstimmung. HANAK erhielt etwa ein Drittel der abgegebenen Stimmen und setzte sich damit gegen Kuhl un de Gäng und Kölschraum durch.
Der Erfolg bildete einen starken Schlusspunkt unter die aktive Bandgeschichte. Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand absehen, dass die anschließende Corona-Pandemie den Karneval und die gesamte Veranstaltungsbranche über einen langen Zeitraum zum Stillstand bringen würde.
Warum HANAK heute nicht mehr auftritt
Nach der Session 2020 nahm HANAK die reguläre Bandarbeit nicht wieder auf. Die Musiker entschieden sich, den Namen ruhen zu lassen. Nach eigener Darstellung spielten dabei geschichtliche, emotionale und insbesondere wirtschaftliche Gründe eine Rolle.
Auf der offiziellen HANAK-Webseite wird ausdrücklich erklärt, dass die Musiker nicht mehr unter dem bisherigen Namen auftreten. Die Band bezeichnet „Veedel“ und den Top-Jeck-Sieg 2020 als gelungenen Abschluss.
HANAK ist daher keine aktuell buchbare Karnevalsband. Die vorhandenen Internetkanäle bleiben jedoch geöffnet, damit Videos und Lieder weiterhin angesehen und gestreamt werden können.
Micha Hirsch führt die Lieder weiter
Frontmann Micha Hirsch kehrte nach einer schöpferischen Pause als Solokünstler auf die Bühne zurück. Er tritt unter dem Namen MICHA beziehungsweise unter seinem vollständigen Namen auf und veröffentlicht sowohl deutsche als auch kölsche Musik.
Zum Programm gehören weiterhin Lieder aus der HANAK-Zeit. Das ist naheliegend, da Hirsch an fast allen Songs maßgeblich als Sänger, Texter, Komponist oder Produzent beteiligt war. Auch die Verbindung zu den Kölner Haien besteht fort.
Radio Köln bezeichnete ihn 2023 als Stimme, Seele und Songwriter der früheren Band. Im Interview erklärte Hirsch seine Neuausrichtung und den Entschluss, das Projekt HANAK ruhen zu lassen.
Die Bedeutung von HANAK für den Kölner Karneval
HANAK gehörte zu jener Generation von Bands, die den rockigen Klang im Kölner Karneval weiter ausbaute. Die Formation zeigte, dass kölsche Musik zugleich karnevalistisch, emotional und musikalisch kraftvoll sein kann.
Mit „Haifischzahn“ gelang der Band ein außergewöhnlich erfolgreicher Einstieg. „Dat muss Kölle sin“ wurde zu einer Liebeserklärung an die Stadt, „Durch et Füer“ zeigte die nachdenkliche Seite der Gruppe und „Veedel“ brachte zum Abschluss noch einmal einen großen Publikumserfolg.
Das dauerhafteste musikalische Erbe dürfte jedoch „Mer halde zesamme, KEC!“ sein. Solange Tausende Fans der Kölner Haie diesen Refrain gemeinsam in der Arena singen, bleibt auch ein Stück HANAK lebendig.
Die Band selbst tritt nicht mehr unter ihrem früheren Namen auf. Ihre Lieder haben aber weiterhin einen festen Platz in der kölschen Musik – und erinnern an zwölf Jahre Kölschrock mit Haifischzahn, Hätz und einer gehörigen Portion Bäääm.