Toni und Heli Steingass

Toni und Heli Steingass

Toni und Heli Steingass waren weit mehr als ein Vater-Sohn-Duo. Gemeinsam standen sie für kölsche Lebensfreude, feinen Humor und eine Form des Karnevals, die ohne laute Effekte auskam. Als „Die Steingässer“ präsentierten sie Lieder und Geschichten aus dem Kölner Alltag. Dabei verbanden sie zwei Generationen und führten die musikalische Tradition der Familie Steingass gemeinsam fort.

Während Toni Steingass als Komponist, Texter und Interpret zahlreiche kölsche Klassiker schuf, entwickelte sich sein Sohn Helmut, genannt Heli, zum Bühnenpartner, Fotografen, Gestalter und Musikverleger. Rund 15 Jahre lang traten beide gemeinsam auf den Bühnen des Rheinlands auf.

Aus einer musikalischen Familie

Toni Steingass wurde am 13. April 1921 in Köln geboren. Da sein Vater ein Klaviergeschäft besaß, kam er bereits als Kind mit Musik in Berührung. Er erhielt Klavierunterricht und brachte sich später zusätzlich das Akkordeonspielen bei.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Toni Steingass zunächst als Alleinunterhalter. Im Jahr 1946 gründete er das Steingass-Terzett, mit dem er über viele Jahre hinweg bei Sitzungen, Konzerten und anderen Veranstaltungen auftrat. Seine besondere Stärke lag im Verfassen lebensnaher Texte. Er beobachtete die Menschen, ihre Gewohnheiten und kleinen Schwächen, ohne sie bloßzustellen.

Im Laufe seines Lebens schrieb Toni Steingass insgesamt 419 kölsche und hochdeutsche Lieder. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Der schönste Platz ist immer an der Theke“, „De Hauptsaach es, et Hätz es joot“, „Et Leed von de Rievkoochebuud“ und „Ich hab den Vater Rhein in seinem Bett gesehn“. Manche seiner Lieder wurden weit über Köln hinaus bekannt. „Der schönste Platz ist immer an der Theke“ wurde sogar in mehrere Sprachen übersetzt. Einen ausführlichen Überblick über sein Werk bietet ein Beitrag der Stadt Mechernich über die Familie Steingass.

Heli Steingass – zunächst hinter der Kamera

Helmut „Heli“ Steingass wurde 1947 geboren. Obwohl er durch seinen Vater früh mit der Bühne und der kölschen Musik in Kontakt kam, entschied er sich zunächst für einen anderen beruflichen Weg. Er absolvierte eine Ausbildung zum Fotografen und arbeitete später als Werbefotograf.

Schon als Lehrling gestaltete Heli Plattencover für seinen Vater und fotografierte Motive für Notenbücher. Damit war er bereits an der Präsentation der Steingass-Lieder beteiligt, bevor er selbst regelmäßig auf der Bühne stand. Sein Beitrag zur gemeinsamen Arbeit beschränkte sich deshalb nicht auf den Gesang: Heli verband Musik, Fotografie, Gestaltung und später auch die verlegerische Arbeit miteinander.

Seine Pfeife wurde mit der Zeit zu einem persönlichen Markenzeichen. Ebenso charakteristisch war sein eher hintergründiger Humor, der gut zu den Liedern und Auftritten seines Vaters passte.

Aus Toni und Heli werden „Die Steingässer“

Der Beginn der festen Zusammenarbeit soll mit dem Marschlied „De Rude Funke us Kölle am Rhing“ zusammengehangen haben. Toni Steingass hatte das Stück für die Roten Funken geschrieben, wollte es aber nicht allein vortragen und holte seinen Sohn mit ins Tonstudio.

Ab 1972 standen Toni und Heli regelmäßig gemeinsam auf der Bühne. Sie traten unter dem Namen „Die Steingässer – die Lebenskünstler aus Köln“ auf. Bis zum Tod von Toni Steingass im Jahr 1987 dauerte diese gemeinsame Zeit rund 15 Jahre.

Die Bezeichnung „Lebenskünstler“ passte zu ihrem Programm. Beide verkörperten eine kölsche Haltung, bei der Humor, Gelassenheit und Menschlichkeit im Mittelpunkt standen. Ihre Lieder handelten von der Stadt, der Sprache, dem Karneval und den vielen kleinen Begebenheiten, die das Leben im Rheinland ausmachen.

Der Reiz ihrer Auftritte lag auch in der familiären Vertrautheit. Toni und Heli wirkten nicht wie zwei zufällig zusammengestellte Interpreten. Sie kannten die Eigenarten des jeweils anderen und konnten dieses Zusammenspiel auf der Bühne nutzen. Der erfahrene Vater und der jüngere Sohn bildeten eine natürliche Einheit, ohne ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten aufzugeben.

Gemeinsame Lieder und Aufnahmen

Bei vielen gemeinsamen Produktionen war Toni Steingass für Text und Musik verantwortlich, während Vater und Sohn die Stücke zusammen interpretierten. Das zeigt die Aufgabenverteilung innerhalb des Duos: Toni lieferte einen großen Teil des kompositorischen Fundaments, Heli half dabei, die Lieder als Mitglied der nächsten Generation weiterzutragen.

Zu den nachweislich von beiden interpretierten Titeln gehört beispielsweise „Tünnes un Schäl“. Das 1975 erschienene Lied beschäftigt sich mit den beiden bekannten Figuren des Kölner Hänneschen-Theaters. In der Kölschen Liedersammlung der Akademie för uns kölsche Sproch werden Toni und Heli Steingass gemeinsam als Interpreten genannt.

Auch „Gangk ens op de Universität“ wurde von beiden gesungen. Darin nimmt Toni Steingass augenzwinkernd die kölsche Sprache und ihre mitunter ungewöhnlichen Wörter unter die Lupe. Das Stück zeigt, wie die Steingässer Mundartpflege und Unterhaltung miteinander verbanden. Es ist ebenfalls in der Kölschen Liedersammlung dokumentiert.

Weitere gemeinsam interpretierte Titel waren unter anderem „Uns Oma, die flüg Flugzeug“, „Mer dun uns maskeere“ und „Der Prinz vun Krahnebäume“. Das Repertoire machte deutlich, dass die kölsche Sprache für Toni und Heli kein künstliches Bühnenmittel war. Sie war der selbstverständliche Ausdruck ihrer Herkunft und ihres Humors.

Humor ohne verletzende Pointen

Die Lieder der Steingässer waren humorvoll, gelegentlich unsinnig und manchmal auch ironisch. Dennoch vermieden sie derbe oder verletzende Pointen. Toni Steingass wurde wegen dieser Haltung mitunter als „Pastur vun Neppes“ bezeichnet.

Diese Art von Humor prägte auch das gemeinsame Auftreten mit Heli. Das Publikum sollte lachen können, ohne dass andere Menschen auf ihre Kosten vorgeführt wurden. Darin unterschieden sich die Steingässer von manchem schärferen Redner oder Büttenakteur.

Ihre Komik entstand aus Sprache, Beobachtung und Wiedererkennung. Eine Gaststätte, ein kölsches Original, ein Ausflug oder eine familiäre Begebenheit konnten zum Ausgangspunkt eines Liedes werden. Gerade deshalb wirkten viele Stücke vertraut und wurden teilweise zu kölschen Evergreens.

Zwischen Köln und der Eifel

Obwohl Toni und Heli eng mit Köln verbunden waren, spielte auch die Eifel eine bedeutende Rolle in ihrem Leben. Die Familie lebte in Köln-Nippes und bezog 1975 zusätzlich ein Haus in Kommern. Das Anwesen in der Straße „Auf Rodder“ wurde später zum dauerhaften Mittelpunkt der Familie.

Toni Steingass fand bei Spaziergängen rund um das Freilichtmuseum Kommern Anregungen für neue Lieder. Dennoch blieb Köln für ihn immer gegenwärtig. Die Verbindung zwischen beiden Regionen brachte das Vater-Sohn-Duo unter anderem in dem Lied „Komm in die Eifel“ zum Ausdruck.

Toni und Heli moderierten außerdem viele Jahre gemeinsam das Burgfest in Eicks. Als Steingässer waren sie eng mit dem Musikverein St. Martin verbunden und beteiligten sich an der Entwicklung der Veranstaltung. Ihre Auftritte beschränkten sich somit nicht auf die großen Kölner Karnevalssäle. Sie suchten ebenso den direkten Kontakt zu Vereinen und einem regionalen Publikum.

Heli bewahrte das Werk seines Vaters

Toni Steingass starb am 29. Oktober 1987 in Kommern an Herzversagen. Damit endete auch die gemeinsame Bühnenzeit der Steingässer. Heli führte die Arbeit der Familie jedoch fort.

Nach dem Tod seines Vaters machte er Kommern zu seinem Hauptwohnsitz und übernahm die Leitung des Toni-Steingass-Musikverlages. Dadurch sorgte er dafür, dass die Lieder weiterhin veröffentlicht und anderen Künstlern zugänglich gemacht werden konnten. Heli verwaltete also nicht nur ein geschäftliches Unternehmen, sondern einen bedeutenden Teil des kölschen Musikgedächtnisses.

Daneben blieb er selbst kreativ. Gemeinsam mit Bernd Claßen vom Musikverein Eicks schrieb er beispielsweise das „Radl-Lied“. Mit seiner späteren Ehefrau Uschi produzierte er außerdem die CD „Winzer und Winzerin“.

Helmut „Heli“ Steingass starb am 1. Oktober 2016 im Alter von 69 Jahren. Ein Nachruf des Wochenspiegels erinnert sowohl an seine Arbeit als Fotograf und Musikverleger als auch an die 15 gemeinsamen Bühnenjahre mit seinem Vater.

Das Vermächtnis von Toni und Heli Steingass

Toni und Heli Steingass stehen für eine Zeit, in der ein Karnevalsauftritt häufig mit wenigen Mitteln auskam: zwei Stimmen, ein Instrument, eine gute Geschichte und ein genauer Blick auf die Menschen genügten, um einen ganzen Saal zu unterhalten.

Toni war der überaus produktive Komponist, Texter und musikalische Kopf. Heli brachte seine eigene Persönlichkeit ein, unterstützte die Produktion und Gestaltung der Veröffentlichungen, wurde zum festen Bühnenpartner und bewahrte das Werk seines Vaters über Jahrzehnte hinweg.

Gemeinsam machten sie aus dem Namen Steingass ein Familienprojekt. Als „Die Steingässer“ verbanden sie Tradition und Generationenwechsel, Köln und die Eifel sowie Musik und kölsche Lebensart. Ihre Lieder erinnern daran, dass der Kölner Karneval nicht allein aus großen Bühnenshows besteht. Er lebt ebenso von Sprache, leisen Pointen, familiärer Verbundenheit und der Freude an Geschichten aus dem alltäglichen Leben.

Art: Duo

Status: Historisch

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