Willi Klett

Willi Klett

Willi Klett gehört zu jenen Künstlern des Kölner Karnevals, deren Namen heute nicht mehr überall bekannt sind, die zu ihrer Zeit jedoch fest zum närrischen Leben der Stadt gehörten. In historischen Quellen findet sich sein Vorname teilweise auch in der Schreibweise „Willy“. Berühmt wurde er vor allem als Büttenredner mit seiner Bühnenfigur „Hä Selvs“.

Ein Star der Karnevalsbütt

Bereits in den 1930er-Jahren stand Klett auf den Bühnen der Kölner Karnevalsgesellschaften. Eine historische Rückschau bezeichnet ihn ausdrücklich als einen damaligen „Star in der Karnevalsbütt“. Der Name seiner Figur „Hä Selvs“ lässt sich sinngemäß mit „Er selbst“ wiedergeben. Er verweist auf eine Form des kölschen Humors, bei der der Redner scheinbar ganz persönlich aus seinem Leben erzählt und dabei menschliche Schwächen, alltägliche Missgeschicke und gesellschaftliche Eigenheiten aufs Korn nimmt.

Die Büttenrede lebte damals noch stärker als heute von der Persönlichkeit des Vortragenden. Mikrofone, Rundfunkaufzeichnungen und Tonträger waren keineswegs selbstverständlich. Viele Auftritte sind deshalb nur durch Programmhefte, Zeitungsberichte und die Erinnerungen des Publikums überliefert. Auch über Willi Kletts Privat Privatleben und seine genauen Lebensdaten ist bislang nur wenig bekannt. Sein Erfolg als „Hä Selvs“ zeigt jedoch, dass er zu den prägenden Rednern des Kölner Karnevals vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte.

„Ming einzig Kölle“ – ein Lied für die verwundete Stadt

Willi Klett war nicht allein als Redner tätig. Mit seinem Namen ist auch das 1943 entstandene kölsche Lied „Ming einzig Kölle“, in Quellen teilweise „Min einzig Kölle“ geschrieben, verbunden. Das Stück entstand unter dem Eindruck der schweren Luftangriffe auf Köln, insbesondere der Bombennacht vom 30. auf den 31. Mai 1942.

Das Lied war kein gewöhnlicher Karnevalsschlager. Während des Krieges war der organisierte Karneval ohnehin zum Erliegen gekommen. Klett gab vielmehr der Trauer über die zerstörte Heimatstadt eine kölsche Stimme. Zugleich vermittelte das Stück Zuversicht: Köln war schwer getroffen, doch die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Stadt blieb bestehen. Eine kulturhistorische Untersuchung beschreibt das Lied entsprechend als Ausdruck von Trauer und unbedingtem Vertrauen in die Zukunft.

Auch in wissenschaftlichen Darstellungen über die Zerstörung und den Wiederaufbau Kölns wird „Ming einzig Kölle“ als Beispiel dafür genannt, wie Heimatgefühl, Verlust und Hoffnung in der kölschen Liedkultur miteinander verbunden wurden.

Damit reicht Kletts Bedeutung über die reine Unterhaltung hinaus. Als Liedschöpfer hielt er fest, was viele Kölnerinnen und Kölner während der Kriegsjahre empfanden: Schmerz über das verlorene alte Stadtbild, aber auch die Hoffnung, dass Köln wiederaufgebaut werden könne.

Rückkehr in den Nachkriegskarneval

Nach Kriegsende musste sich auch der Kölner Karneval neu organisieren. Gesellschaften wurden wiedergegründet, Sitzungen zunächst unter einfachen Bedingungen veranstaltet und neue Programme zusammengestellt. Willi Klett gehörte zu den Künstlern, die in dieser Zeit erneut auf den Bühnen erschienen.

Die Chronik der KG Alt-Severin nennt ihn unter den Mitwirkenden ihrer frühen Veranstaltungen in der Session 1951/1952. Dort trat er neben bekannten Namen wie Ludwig Sebus, Fritz Weber, Fibbes Kneip und den Geschwistern Zimmermann auf.

Willi Klett bildete damit eine Verbindung zwischen dem Karneval der Vorkriegszeit und dem wiedererwachenden Fastelovend der jungen Bundesrepublik. Künstler wie er brachten vertraute Formen der Büttenrede und des kölschen Liedes zurück auf die Bühne und halfen, nach den Jahren von Krieg und Zerstörung wieder Gemeinschaft und Lebensfreude entstehen zu lassen.

Ein beinahe vergessener Vertreter kölscher Kultur

Heute ist Willi Klett deutlich weniger präsent als andere Künstler seiner Epoche. Das liegt auch daran, dass von vielen historischen Büttenrednern nur wenige Ton- oder Filmaufnahmen erhalten geblieben sind. Ihre Kunst war unmittelbar, für den Augenblick geschaffen und eng mit dem Saalpublikum verbunden.

Dennoch bleibt Kletts Platz in der Geschichte des Kölner Karnevals bemerkenswert. Als „Hä Selvs“ unterhielt er in den 1930er-Jahren das närrische Publikum. Mit „Ming einzig Kölle“ schuf er zugleich ein ernstes Zeugnis kölscher Heimatverbundenheit in einer der dunkelsten Zeiten der Stadtgeschichte. Willi Klett steht somit für beide Seiten des kölschen Wesens: für den befreienden Humor der Bütt und für die tiefe, auch in schweren Zeiten ungebrochene Liebe zu Köln.

Art: Redner

Status: Historisch

Weitere Künstler im Verzeichnis

Ganzes Verzeichnis
2 Schlawiner
Duo Aktiv

2 Schlawiner

Die 2 Schlawiner waren ein beliebtes Blödel- und Gesangsduo des Kölner Sitzungskarnevals. Seine Anfänge reichen bis …

3 Söck
Künstler Aktiv

3 Söck

Entstehung und Name Die 3 Söck sind eine Kölner Mundart-, Karnevals- und Unterhaltungsgruppe. Ihre Vorgeschichte begann …

Die Band Aach un Kraach, Bandfoto 2025
Band Aktiv

Aach un Kraach

Aach un Kraach bezeichnen sich selbst als „lokalpatriotischen Mundarterguss". Das Quintett aus Bonn und Köln macht …