Willibert Pauels

Willibert Pauels

Willibert Pauels ist eine der markantesten Doppelbegabungen des rheinischen Kulturlebens. Als Büttenredner, Kabarettist, Sänger und Gitarrist wurde er im Kölner Karneval unter dem Namen „Ne Bergische Jung“ bekannt. Zugleich ist er katholischer Diakon und seelsorgerisch tätig.

Pauels verbindet auf ungewöhnliche Weise rheinischen Humor, bergische Bodenständigkeit und christliche Lebensdeutung. Seine Reden können gesellschaftskritisch, selbstironisch und ausgelassen sein – zugleich aber auch nachdenklich und tröstend.

Wer ist Willibert Pauels?

MerkmalAngabe
Vollständiger NameWillibert Pauels
Geboren19. November 1954 in Wipperfürth
BerufeBüttenredner, Kabarettist, Sänger, Gitarrist und katholischer Diakon
Künstlername„Ne Bergische Jung“
Erster Auftritt im Kölner Karneval1996
FamilienstandVerheiratet, Vater einer Tochter
Kirchlicher StatusSeit 2020 Diakon im Ruhestand, weiterhin seelsorgerisch engagiert

Die biografischen Angaben werden unter anderem durch den Datensatz der Gemeinsamen Normdatei und regionale Porträts bestätigt.

Familie, Kindheit und Herkunft

Willibert Pauels wuchs als drittes von vier Kindern in Wipperfürth im Bergischen Land auf. Seine Familie war katholisch geprägt; sein Vater arbeitete als Volksschullehrer. Schon früh fiel Pauels durch seine humoristische, parodistische und schauspielerische Begabung auf.

Die Bühne faszinierte ihn bereits als Kind. Nach eigenen Erinnerungen entwickelte er früh Freude daran, Rollen zu spielen, Texte vorzutragen und Menschen zum Lachen zu bringen. Seine Herkunft aus dem Bergischen Land blieb dabei stets ein wichtiger Teil seiner Identität. Sie prägte seine Sprache, seinen Blick auf die Menschen und schließlich auch seinen Künstlernamen.

Studium und Weg zum Diakon

Nach dem Abitur im Jahr 1973 am Engelbert-von-Berg-Gymnasium in Wipperfürth studierte Pauels Katholische Theologie in Bonn und Münster. Ursprünglich wollte er Priester werden. Später entschied er sich jedoch für Ehe und Familie.

Zusätzlich zu seinem theologischen Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Freizeitpädagogen. 1993 wurde er zum ständigen Diakon geweiht. Bis 2006 arbeitete er hauptamtlich in verschiedenen Pfarrgemeinden. Damit war der kirchliche Dienst zunächst sein Beruf, während sich der Karneval Schritt für Schritt zu einer zweiten großen Lebensaufgabe entwickelte.

Der Weg in den Karneval

Seinen ersten dokumentierten Auftritt hatte Willibert Pauels 1975 bei einer Sitzung der KAJUJA in seiner Heimatstadt Wipperfürth. Danach trat er regelmäßig im regionalen Karneval auf und wurde über die Jahre in der bergischen Region bekannt.

Der entscheidende Schritt nach Köln erfolgte 1995. Dieter Steudter von „Die 3 Colonias“ wurde auf Pauels aufmerksam, organisierte ein Vorsprechen und öffnete ihm den Weg zu den großen Bühnen der Domstadt. 1996 stand Pauels erstmals im Kölner Karneval in der Bütt. Schon bald gehörte er zu den bekanntesten und beliebtesten Rednern der Szene.

Die Kunstfigur „Ne Bergische Jung“

Die Figur „Ne Bergische Jung“ ist weit mehr als ein Künstlername. Sie bündelt Pauels’ bergische Herkunft und seine Nähe zum Kölner Karneval. Nach eigener Darstellung entstand der Name bereits bei einem Auftritt in Leverkusen im Jahr 1985, weil die lokale Bezeichnung „Baulemann“ außerhalb Wipperfürths kaum verstanden wurde.

Zum unverwechselbaren Erscheinungsbild gehören ein schwarzes Hütchen, eine markante Brille, eine rote Clownsnase beziehungsweise Pappnase und eine auffällige Bühnenkleidung. Diese äußeren Merkmale schaffen einen hohen Wiedererkennungswert.

Inhaltlich steht die Figur für rheinische Mundart, pointierte Satire und eine humorvolle Betrachtung des Alltags. Pauels macht sich über menschliche Schwächen lustig, ohne sein Publikum grundsätzlich abzuwerten. Zugleich kann seine Büttenrede gesellschaftliche Entwicklungen und mächtige Personen kritisch spiegeln.

Erfolg im Kölner Karneval

Während seiner erfolgreichsten Jahre absolvierte Pauels etwa 200 bis 300 Auftritte pro Session. Der enge Terminplan erforderte mehrere Fahrer und eine außergewöhnliche körperliche und mentale Belastbarkeit. Der WDR bezeichnete ihn als eine feste Größe des rheinischen Karnevals; zeitweise stand er mehr als 300-mal pro Session in der Bütt.

Pauels trat bei Fernsehsitzungen, großen Karnevalsveranstaltungen und zahlreichen regionalen Sitzungen auf. Seine Stärke lag nicht nur in der Pointe, sondern auch in Schauspiel, Timing, Stimme und Gestik. Er verstand es, einen Saal schnell zu erreichen und ernste Themen in eine zugängliche humorvolle Form zu bringen.

Damit wurde „Ne Bergische Jung“ zu einer Stimme des rheinischen Humors: bodenständig, kirchlich geprägt, manchmal kritisch, aber stets eng mit dem Publikum verbunden.

Medienarbeit und Kolumnen

Seine Bekanntheit beschränkte sich nicht auf die Karnevalsbühne. Pauels schrieb als Kolumnist für den „Bergischen Boten“ und war zeitweise auch im „Kölner Express“ vertreten. Seit vielen Jahren ist er außerdem mit dem „Wort zum Samstag“ im Kölner Domradio präsent.

Darüber hinaus wurde er in WDR-Radio- und Fernsehformaten porträtiert. Besonders seine Fähigkeit, Glaubensfragen mit Alltagssprache, Humor und persönlichen Geschichten zu verbinden, machte ihn auch außerhalb des Karnevals bekannt.

Die Medienpräsenz half dabei, aus dem Büttenredner eine umfassendere öffentliche Figur zu machen: einen Erzähler, Kommentator und religiösen Impulsgeber, der Menschen auch außerhalb der Session erreichte.

Gesundheit und der offene Umgang mit Depressionen

Ein entscheidender Wendepunkt in Pauels’ Leben war seine Depressionserkrankung. Nach einer schweren Krise und einer klinischen Behandlung machte er 2013 öffentlich, dass er seit Jahren unter Depressionen litt. Der WDR berichtete, dass Pauels bereits 2012 seine Termine abgesagt und professionelle Hilfe gesucht hatte.

Aus gesundheitlichen Gründen reduzierte er seine Auftritte von etwa 300 auf rund 30 pro Session. Gleichzeitig kehrte er in den hauptamtlichen Diakonendienst zurück und konzentrierte sich wieder stärker auf die Seelsorge.

2015 veröffentlichte Pauels das Buch „Wenn dir das Lachen vergeht. Wie ich meine Depression überwunden habe“. Sein offener Umgang mit der Erkrankung trug dazu bei, psychische Belastungen öffentlich anzusprechen und Scham abzubauen. Seine Geschichte steht dabei nicht für eine einfache „Überwindung“ von Krankheit, sondern für die Bedeutung von Behandlung, Unterstützung und einer bewussten Veränderung des eigenen Lebens.

Privatleben und Familie

Willibert Pauels ist verheiratet und Vater einer Tochter. Seine Familie blieb eng mit Wipperfürth und dem Bergischen Land verbunden. Biografische Porträts verorten seinen privaten Lebensmittelpunkt in Wipperfürth-Hamböcken.

Im September 2020 ging Pauels offiziell in den Ruhestand. Als Subsidiar blieb er jedoch weiterhin seelsorgerisch ansprechbar. Zugleich wollte er mehr Zeit für seine Familie, persönliche Interessen und ein Leben mit weniger Termindruck gewinnen.

Trotz seiner öffentlichen Bekanntheit schützt Pauels den privaten Bereich weitgehend. Die Kunstfigur „Ne Bergische Jung“ gehört zur Bühne; dahinter steht ein Familienmensch, Theologe und Seelsorger.

Bedeutung für Köln, Kirche und Karneval

Willibert Pauels verkörpert eine ungewöhnliche Verbindung von Kirche und Karneval. Für diese Verbindung steht auch der Begriff „Diaclown“: ein Diakon, der als Clown, Kabarettist und Büttenredner auftritt.

Dabei betrachtet Pauels Humor nicht als Gegensatz zum Glauben. Für ihn können Lachen und Religion ähnliche Aufgaben erfüllen: Sie schaffen Abstand zu Angst, Leid und Überforderung. Seine religiösen Beiträge kreisen deshalb häufig um Trost, Hoffnung und die menschliche Fähigkeit, über sich selbst zu lachen.

Für den Kölner Karneval ist Pauels bedeutsam, weil er die klassische Büttenrede mit theologischer Reflexion, bergischer Mundart und gesellschaftlicher Beobachtung verbindet. Für die Kirche wiederum macht er Glauben auf eine ungewöhnlich direkte und niedrigschwellige Weise zugänglich.

Seine anhaltende Anerkennung zeigt sich auch an späteren Ehrungen. 2025 erhielt Pauels von der KG Alt-Köllen die „Goldene Mütze“ für besondere Verdienste um den Kölner Karneval – genau 50 Jahre nach seinem ersten karnevalistischen Auftritt.

Häufige Fragen zu Willibert Pauels

Wer ist Willibert Pauels?

Willibert Pauels ist ein deutscher Büttenredner, Kabarettist, Sänger, Gitarrist und katholischer Diakon. Im Kölner Karneval ist er vor allem als „Ne Bergische Jung“ bekannt.

Wann wurde Willibert Pauels geboren?

Er wurde am 19. November 1954 in Wipperfürth geboren.

Woher kommt Willibert Pauels?

Pauels stammt aus Wipperfürth im Bergischen Land. Seine regionale Herkunft prägt sowohl seine Sprache als auch seine Bühnenfigur.

Was ist Willibert Pauels von Beruf?

Er ist ausgebildeter Theologe und katholischer Diakon. Bekannt wurde er außerdem als professioneller Büttenredner und Kabarettist. Seit 2020 ist er Diakon im Ruhestand.

Warum heißt Willibert Pauels „Ne Bergische Jung“?

Der Name verweist auf seine Herkunft aus dem Bergischen Land. Nach Pauels’ eigener Darstellung entstand die Bezeichnung bei einem Auftritt in Leverkusen, weil der dortige Begriff „Baulemann“ nicht verstanden wurde.

Welche Rolle spielt er im Kölner Karneval?

Pauels gehört zu den prägenden Rednern des modernen Kölner Sitzungskarnevals. Seit seinem ersten Kölner Auftritt 1996 verbindet er Büttenrede, Schauspiel, Satire und religiöse Themen.

Ist Willibert Pauels Diakon?

Ja. Er wurde 1993 zum ständigen Diakon geweiht und arbeitete später wieder hauptamtlich in der Seelsorge. Heute wird er als Diakon im Ruhestand geführt.

Welche Medienpräsenz hat Willibert Pauels?

Er schrieb unter anderem für den „Bergischen Boten“ und zeitweise für den „Kölner Express“. Außerdem wurde er durch das „Wort zum Samstag“ im Domradio sowie durch Beiträge und Porträts im WDR bekannt.

Welche Bedeutung hat seine Gesundheit für seine Karriere?

Nach seiner öffentlichen Mitteilung über Depressionen im Jahr 2013 reduzierte Pauels seine Auftritte deutlich und kehrte stärker in den Diakonendienst zurück. Dieser Schritt veränderte seine Karriere nachhaltig und machte seinen offenen Umgang mit psychischer Erkrankung zu einem wichtigen Teil seiner öffentlichen Wirkung.

Welche Auszeichnungen und Anerkennung hat Willibert Pauels erhalten?

Zu den bekannten Ehrungen zählen unter anderem die „Morenhovener Lupe“ 2008, der Rheinlandtaler 2009, das „Närrische Steckenpferd“ 2015 und die „Goldene Mütze“ der KG Alt-Köllen im Jahr 2025.

Art: Künstler

Status: Aktiv

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