Zwei Hillije – Eineiige Kusängs
Die „Zwei Hillije“ sind ein kölsches Krätzjer- und Karnevalsduo, bestehend aus den Cousins Bernd und Wolfgang Löhr. Mit ihrem augenzwinkernden Untertitel „Eineiige Kusängs“ machen sie bereits deutlich, welche Art von Humor ihr Programm bestimmt: sprachspielerisch, selbstironisch und mit einer Vorliebe für herrlich unsinnige Behauptungen.
Seit der Zeit um die Jahrtausendwende stehen die beiden gemeinsam auf der Bühne. Bernd Löhr spielt vor allem Ukulele, Wolfgang Löhr begleitet die Auftritte auf der Gitarre. Ihre Darbietungen verbinden selbst geschriebene kölsche Lieder mit einem modernen karnevalistischen Zwiegespräch. Der Stammtisch Kölner Karnevalisten beschreibt ihr Programm passend mit dem Dreiklang „Krätzjer, Kujak und Klamauk“. Dabei wechseln sich hintergründige Beobachtungen, absurde Geschichten und scheinbar harmlose Bemerkungen ab, die häufig erst mit einer kleinen Verzögerung ihre komische Wirkung entfalten.
Die Kunst der leisen Töne
Die Zwei Hillije haben sich bewusst der klassischen Krätzjer-Tradition verschrieben. Ein Krätzje ist ein meist sparsam instrumentiertes Lied in kölscher Mundart, das eine alltägliche Begebenheit, eine komische Figur oder einen menschlichen Missgeschick erzählt. Nicht Lautstärke und große Bühnentechnik stehen im Mittelpunkt, sondern Text, Mimik, Timing und geschickt gesetzte Pausen.
Damit bilden die Zwei Hillije einen Gegenpol zu den großen Partybands des modernen Karnevals. Ihre Auftritte verlangen Aufmerksamkeit, belohnen das Publikum dafür aber mit feinen Pointen und liebevoll beobachteten Geschichten. Der belgische Rundfunk BRF bezeichnete sie deshalb als Vertreter jener „leisen Töne zum Zuhören“, die im ansonsten häufig sehr lauten Fastelovend selten geworden sind.
Der Humor entsteht vor allem aus dem Zusammenspiel der beiden Cousins. Sie widersprechen sich, ergänzen einander und verstricken sich in immer neue Erklärungen über ihre angeblich besonders enge Verwandtschaft. Dass Cousins selbstverständlich nicht „eineiig“ sein können, gehört zum Grundwitz ihrer Bühnenfiguren. Nach eigener Darstellung sind sie sogar „vürre un hinge“, also vorne und hinten, miteinander verwandt.
Kölsche Alltagsgeschichten
In ihren Liedern greifen Bernd und Wolfgang Löhr bevorzugt Situationen auf, die dem Publikum vertraut vorkommen. Ein bekanntes Beispiel ist der „Stehtisch-Fetisch“. Das Lied beschreibt jene besondere Form kölscher Geselligkeit, die sich rund um einen einfachen Stehtisch entwickelt. Aus einem alltäglichen Gegenstand entsteht eine kleine Milieustudie über Kneipen, Gespräche und zwischenmenschliche Eigenarten.
Die 2017 bei einer Dorfsitzung in Köln-Stammheim mitgeschnittene Aufnahme wurde für das Musikprojekt „Kölsche Heimat“ veröffentlicht und galt vielen als heimlicher Hit der Session. Die Kölsche Heimat würdigte das Stück als zeitgemäße Wiederbelebung des musikalischen Zwiegesprächs.
Weitere Titel des Duos sind „Rheinerein“, „All ein Omma“, „Frosch-Leed“, „Kastenwagen“, „Waggelpudding“ und „Wunder vun Müngersdorf“. Im Jahr 2018 erschien das Album „Gretes Hits“ mit insgesamt 16 Titeln. Der Name ist selbstverständlich ebenfalls ein Wortspiel: Aus „Greatest Hits“ werden auf Kölsch ganz einfach „Gretes Hits“.
Für das Familienprojekt „Kölsche Heimat för Pänz“ holten die Cousins Kinder, Nichten, Neffen und weitere Familienmitglieder ins Studio. Gemeinsam nahmen sie das „Mömmes-Leed“ auf – ein Lied, das sich einer aus Kindersicht durchaus wichtigen Frage rund um das Nasenpopeln widmet.
Vom Punkrock zum Krätzje
Dass die Zwei Hillije keine Berührungsängste gegenüber anderen Musikrichtungen haben, zeigte ihre Zusammenarbeit mit Jürgen Zeltinger. Gemeinsam nahmen sie den von Arno Steffen geschriebenen Klassiker „Sommer, Sonne, Herzinfarkt“ neu auf. Aus dem rauen Punk- und Kölschrocktitel wurde in ihrer Bearbeitung ein zurückhaltendes Krätzje.
Gerade solche Projekte zeigen, dass die Zwei Hillije Tradition nicht als starres Museum verstehen. Sie übernehmen die klassische Form des kölschen Liedvortrags, verbinden sie aber mit neueren Themen und ungewöhnlichen musikalischen Ideen. Wolfgang Löhr bringt dabei viel Erfahrung aus der Kölner Musikszene mit. Er ist Musiker, Autor und Leiter des auf kölsche Musik und Literatur spezialisierten Dabbelju-Verlags.
Auszeichnung und öffentliche Aufmerksamkeit
In der Session 2016/2017 erhielten die Zwei Hillije den Kölschen Rednernachwuchspreis. Damit wurde nicht nur ihre musikalische Arbeit ausgezeichnet, sondern vor allem ihr Beitrag zur Erneuerung des karnevalistischen Zwiegesprächs.
Überregionale Aufmerksamkeit bekamen sie 2023 mit dem Lied „Et letzte Schnitzel“. Das Stück, das mit der Vorstellung eines drohenden Fleischverbots spielt, wurde für den Kneipenwettbewerb „Loss mer singe“ ausgewählt. Einzelne Reaktionen von Veganern, Vegetariern und Fleischessern entwickelten sich anschließend zu einer größeren Mediendebatte. Die Zwei Hillije erklärten, sie hätten mit dem Lied bewusst ein wenig „piksen“ und auf charmante Weise polarisieren wollen. Zugleich bezeichnete Wolfgang Löhr die Aufregung als übertrieben. .
Tradition mit eigenem Kopf
Die Zwei Hillije beweisen, dass ein zeitgemäßer Karnevalsauftritt nicht zwingend laut, schnell oder technisch aufwendig sein muss. Zwei Stimmen, eine Gitarre, eine Ukulele und ein gutes Gespür für Sprache reichen aus, um einen Saal zum Zuhören und Lachen zu bringen.
Mit ihren Krätzjern, ihrem familiären Zwiegespräch und ihrer Freude am gepflegten Unsinn führen Bernd und Wolfgang Löhr eine alte kölsche Bühnenform weiter. Gleichzeitig verleihen sie ihr durch moderne Themen und unerwartete musikalische Verbindungen eine eigene Handschrift. So sind die „eineiigen Kusängs“ zugleich traditionsbewusst und erfrischend eigensinnig – zwei echte Hillije eben.