In der langen Geschichte des Kölner Karnevals gab es viele Persönlichkeiten, die bleibende Spuren hinterlassen haben. Einer von ihnen war Hans Molitor, langjähriger Präsident der Ehrengarde der Stadt Köln 1902 e.V. – ein Mann, der mit Tatkraft, Weitblick und Standhaftigkeit eine Traditionsgesellschaft durch die wohl schwierigste Phase ihrer Existenz führte.
Molitor übernahm 1935 das Amt des Präsidenten, in einer Zeit, in der die Welt aus den Fugen zu geraten schien. Der plötzliche Tod seines Vorgängers Richard Wernecke ließ eine Lücke, die Molitor bereitwillig füllte. Mit klarem Blick für das Wesentliche und tief verwurzelt im Kölner Brauchtum stellte er sich den Herausforderungen, die in den kommenden Jahren auf die Ehrengarde zukamen.
Die Gründung des Inaktivenkorps
Schon früh zeigte Molitor seine organisatorischen Fähigkeiten. Er erkannte, dass nicht jedes Mitglied dauerhaft aktiv im Reiterkorps mitwirken konnte, viele aber der Gesellschaft dennoch treu verbunden bleiben wollten. Die Gründung des sogenannten „Inaktivenkorps“ war seine Antwort – eine innovative Idee, die bis heute fester Bestandteil der EhrenGarde ist und vielen Mitgliedern eine lebenslange Bindung an die Gesellschaft ermöglicht hat.
Führung in Kriegs- und Krisenzeiten
Als sich der Zweite Weltkrieg abzeichnete, führte Molitor die Gesellschaft mit ruhiger Hand durch eine Zeit des politischen Drucks und zunehmender Einschränkungen. Auch als er 1938 zunächst den Präsidentenstab an Franz Robens übergab, war er nicht aus der Verantwortung verschwunden. Als Robens aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, übernahm Molitor erneut – ein Zeichen seiner bedingungslosen Loyalität.
Neuanfang nach dem Krieg
Bis 1947 blieb er an der Spitze, auch nach dem Krieg, als Köln in Trümmern lag und der Karneval vielerorts zum Stillstand gekommen war. Molitor jedoch glaubte an den Wiederaufbau – nicht nur der Stadt, sondern auch der karnevalistischen Kultur. Unter seiner Führung nahm die Ehrengarde den Faden der Tradition wieder auf und setzte ein Zeichen für Lebensfreude, Zusammenhalt und kölschen Optimismus.
Ein bleibendes Erbe
Nach seinem Rücktritt wurde Hans Molitor zum Ehrenvorsitzenden der Gesellschaft ernannt – eine Auszeichnung, die nicht leichtfertig vergeben wird. Noch heute erinnern sich viele in der Ehrengarde an ihn als einen Mann, der Verantwortung übernahm, wenn andere zauderten, der Strukturen schuf, wo Chaos drohte, und der mit Herz und Verstand für „seine“ Garde kämpfte.
Nicht zuletzt bleibt auch sein Auge fürs Detail unvergessen: Die Präsidentenmütze mit dem markanten „C“ auf der Brust – ein gestalterisches Element, das Molitor einführte – ist bis heute ein Symbol für die Kontinuität und Würde des Präsidentenamts in der Ehrengarde.
Ein Vorbild über Generationen hinweg
Hans Molitor war kein Mann vieler Worte – aber einer, der handelte. Und gerade deshalb verdient er seinen festen Platz in den Annalen des Kölner Karnevals. Seine Amtszeit war geprägt von Wandel, Verzicht und Wiederaufbruch. Doch nie wich er von seinem Weg ab. Köln und die Ehrengarde haben ihm viel zu verdanken.