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Wechsel bei den Kölner Literaten: Alexander Dick ist der neue „Baas“

Personalwechsel an einer wichtigen Stelle hinter den Kulissen des Kölner Karnevals: Alexander Dick übernimmt den Vorsitz der Literatenvereinigung Köln. Der erfahrene Literat der Müllemer Junge folgt auf Angelika Blatz – und bringt fast drei Jahrzehnte Erfahrung in der Programmgestaltung mit.

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V.l.n.r.: Manes Kröhnert, Hans-Peter Houben, Angelika Blatz, Waltraud Piel und Alexander Dick der Literatenvereinigung Köln von 1987
V.l.n.r.: Manes Kröhnert, Hans-Peter Houben, Angelika Blatz, Waltraud Piel und Alexander Dick — Foto: Literatenvereinigung Köln von 1987

KÖLN – Auf der Bühne stehen andere – doch bei der Frage, wer dort überhaupt steht, haben sie ein gewichtiges Wort mitzureden: die Literaten der Karnevalsgesellschaften. Jetzt gibt es an der Spitze der Literatenvereinigung Köln von 1987 einen Wechsel.

Alexander Dick ist neuer Vorsitzender und damit neuer „Baas“ der Vereinigung. Bei der Jahreshauptversammlung am 7. September im Bootshaus „Alte Liebe“ in Köln-Rodenkirchen wurde Dick einstimmig gewählt.

Er folgt auf Angelika Blatz, die ihren Posten vorzeitig niedergelegt hat. Blatz befand sich im ersten Jahr ihrer zweiten Amtszeit und hatte zuvor angekündigt, aus beruflichen und privaten Gründen aufzuhören.

Neuer Baas ist seit fast 30 Jahren Literat

Mit Alexander Dick übernimmt allerdings kein Unbekannter die Spitze.

Dick ist Literat und Sitzungsleiter der KG Müllemer Junge Alt-Mülheim von 1951. Nach eigenen beruflichen Angaben übt er das Ehrenamt des Literaten dort bereits seit April 1997 aus – damit bringt er inzwischen fast 30 Jahre Erfahrung mit.

Bei den Müllemer Junge arbeitet Dick nicht nur hinter den Kulissen. Als Sitzungsleiter steht er auch selbst auf der Bühne und führt durch Veranstaltungen der Gesellschaft. Für die Programme ist er zugleich für die Auswahl und Buchung der Künstler zuständig.

Im Kölner Karneval ist Dick zudem familiär eng verwurzelt: Er ist der Schwiegersohn von Müllemer-Junge-Präsident Siegfried Schaarschmidt.

Aber was macht ein „Literat“ eigentlich?

Wer mit dem organisierten Karneval wenig zu tun hat, könnte bei dem Begriff zunächst an Schriftsteller und Bücher denken. Im Fastelovend bedeutet „Literat“ allerdings etwas völlig anderes.

Der Literat ist vereinfacht gesagt der Programmchef einer Karnevalsgesellschaft. Er stellt das Bühnenprogramm zusammen, bucht Bands, Redner, Tanzgruppen und Korps und muss dafür sorgen, dass die einzelnen Programmpunkte zusammenpassen.

Und dabei geht es um weit mehr als eine Liste prominenter Namen.

Gefragte Künstler ziehen während der Session von Saal zu Saal. Programme müssen deshalb lange im Voraus geplant und die Auftrittszeiten miteinander abgestimmt werden. Welche Dimensionen das erreichen kann, zeigt der ebenfalls in Köln bestehende Literatenstammtisch: Nach dessen Angaben werden für mehr als 100 Veranstaltungen über 1.000 Auftritte von Bands, Rednern, Korps und Tanzgruppen koordiniert – teilweise fast zwei Jahre im Voraus.

Während der eigentlichen Sitzung sind die Literaten zudem Ansprechpartner für die Künstler und müssen auf Verzögerungen und Änderungen im Ablauf reagieren.

Kurz gesagt: Während das Publikum feiert, gehören die Literaten zu denen, die im Hintergrund dafür sorgen, dass der Abend überhaupt funktioniert.

Und was bedeutet „Baas“?

Auch der Titel des neuen Vorsitzenden dürfte außerhalb des Rheinlands für Fragezeichen sorgen.

„Baas“ bedeutet so viel wie Chef, Meister oder Vorsitzender. Das Wort kommt aus dem Niederländischen beziehungsweise Mittelniederländischen und gehört längst zum kölschen Sprachgebrauch.

Alexander Dick ist also schlicht der neue Chef der Literatenvereinigung – im Fastelovend heißt das eben: der neue Baas.

Dick will jüngere Literaten gewinnen

Die Literatenvereinigung Köln von 1987 zählt derzeit 74 Mitglieder. Sie vereint Programmgestalter aus Kölner Karnevalsgesellschaften und Vereinen aus dem Umland und dient unter anderem dem Austausch und der Unterstützung bei Programmgestaltung und Künstlerbuchung.

Dick kündigte nach seiner Wahl an, das Netzwerk der Literaten weiter auszubauen und den fachlichen Austausch zu stärken. Auch die Zusammenarbeit mit den Kölner Gesellschaften und den Vereinen im Umland soll intensiviert werden.

Ein besonderes Augenmerk will der neue Baas auf den Nachwuchs legen: Die Vereinigung soll auch für jüngere Literatinnen und Literaten attraktiv bleiben.

Passend dazu wurden bei der Versammlung vier neue aktive Literaten aufgenommen: Nina Lublitz von der Flittarder KG, Christoph Duscha vom Blomekörfge, Hans-Peter Hasche von den Stommeler Buure sowie Christian Hess von „UNGER UNS“.

Der übrige Vorstand bleibt unverändert im Amt.

Für Alexander Dick beginnt damit eine neue Aufgabe – allerdings in einem Metier, das er seit fast drei Jahrzehnten kennt. Als Literat hat er jahrelang mitentschieden, wer bei den Müllemer Junge auf der Bühne steht. Als neuer Baas geht es nun zusätzlich um die Interessen und Vernetzung derjenigen, die diese Entscheidungen in zahlreichen Karnevalsgesellschaften treffen.

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