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Willi Ostermann – 5 Anekdoten zum 150. Geburtstag

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Willi Ostermann – 5 Anekdoten zum 150. Geburtstag

Am 1. Oktober 2026 jährt sich der Geburtstag von Willi Ostermann zum 150. Mal. Seine Lieder gehören längst zum musikalischen Gedächtnis Kölns. Doch Ostermann war nicht nur Liedermacher, Komponist und Sänger. Zeitgenossen schilderten ihn auch als schlagfertigen Spaßmacher und begnadeten Geschichtenerzähler.

Viele Anekdoten über ihn wurden über Jahrzehnte weitererzählt. Nicht jede Einzelheit lässt sich heute noch zweifelsfrei überprüfen – und manche Pointe dürfte beim Weitererzählen noch ein wenig kölscher geworden sein. Gerade diese Verzällcher zeigen aber eine besonders unterhaltsame Seite des Menschen hinter den berühmten Liedern.

Hier sind fünf der schönsten:

1. Mit einer Flasche Wein zu den Löwen

Ein damals bekannter Raubtierdompteur hatte Ostermann eingeladen, sich mit ihm zwischen die Löwen zu setzen und dort eine Flasche Wein zu trinken. Die ungewöhnliche Mutprobe soll zugleich Gegenstand einer Wette gewesen sein. Die Sache sprach sich herum, und schließlich war der Kristall-Palast, wo dass Geschehen stattfinden sollte, der Überlieferung zufolge bis auf den letzten Platz gefüllt.

Ostermann hielt Wort. Er betrat den Käfig und setzte sich zum Dompteur zwischen die Raubkatzen.

Im Publikum herrschte gespannte Stille – bis ein Kölner hineinrief: „Dat eß die einzigste Stell, wo dir dinge Schnieder nit nohkumme kann!“

Also sinngemäß: Das ist der einzige Ort, an den dir dein Schneider nicht nachkommen kann.

Der heute zunächst etwas rätselhafte Witz dürfte auf den Schneider als hartnäckigen Gläubiger anspielen: Selbst wenn dieser Ostermann wegen einer offenen Rechnung überallhin verfolgen sollte – in einen Löwenkäfig würde er ihm wohl kaum nachsteigen.

Ein anderer Zuschauer setzte noch einen drauf. Jetzt wisse er endlich, weshalb Ostermann in den vergangenen Tagen so häufig durch die Kölner Löwengasse gelaufen sei: „Dä wor am trainiere!“

Ostermann überstand das Abenteuer und gewann der Überlieferung zufolge auch die Wette. Später fragte man ihn, ob er denn keine Angst vor den Löwen gehabt habe.

Seine trockene Antwort: Er habe schließlich gewusst, dass Löwen nur Fleisch fräßen.

Eine schöne Anspielung auf Ostermanns ausgesprochen schlanke Gestalt.

2. Willi Ostermann ist tot – und kommt zum Stammtisch

Einmal war Ostermann ernsthaft erkrankt. Er hatte sich bereits wieder erholt, doch an seinem Stammtisch wusste man davon offenbar noch nichts.

Eines Abends erschien dort ein Freund mit einer erschütternden Nachricht: Willi sei gestorben.

Die Stammtischrunde war tief betroffen. Man schwieg und trank einen stillen Schluck auf den vermeintlich Verstorbenen.

Dann öffnete sich die Tür. Willi Ostermann kam herein.

Nach seiner längeren Abwesenheit wollte er einfach wieder seinen gewohnten Platz am Stammtisch einnehmen.

Die Männer blickten einigermaßen fassungslos auf den Mann, dessen Tod sie gerade betrauert hatten. Niemand wusste recht, was er sagen sollte.

Bis einer die Situation rettete:

„Psst! Nix sagen, hä weiß et selvs noch nit!“

Also: Nichts sagen – er weiß es selbst noch nicht.

Schwärzer und zugleich kölscher kann Humor kaum sein.

3. Wie Ostermann einen Hellseher hereinlegte

Im November 1920 besuchte Ostermann mit Freunden einen Kölner Benefiz- und Ehrenabend. Im Programm trat auch ein sogenannter „Hellseher“ auf, der sein Publikum mit Telepathie und Hypnose beeindruckte.

Später traf man sich in privater Runde wieder. Ostermann wettete zehn Mark, dass es dem Künstler nicht gelingen werde, seinen Freund Toni zu hypnotisieren. Toni habe viel zu starke Nerven.

Der Hellseher nahm die Herausforderung an.

Und tatsächlich: Toni schien in Trance zu fallen. Mit geschlossenen Augen führte er die Anweisungen des Hypnotiseurs aus und begann auf Kommando schließlich sogar zu weinen. Die Zuschauer waren beeindruckt – und auch Ostermann schien seinen Augen kaum zu trauen.

Zum großen Finale sollte Toni die Hände falten und ein Gebet nachsprechen.

Da sprang der vermeintlich Hypnotisierte plötzlich auf und erklärte auf Kölsch sinngemäß, man möge ihn nun endlich etwas trinken lassen – er habe einen gewaltigen Durst.

Die Gesellschaft brach in Gelächter aus.

Toni hatte die Hypnose von Anfang an nur gespielt.

Ostermann soll sich derart vor Lachen geschüttelt haben, dass er vom Diwan unter den Tisch rutschte. Seine zehn Mark hatte er gewonnen. Der düpierte „Hellseher“ dagegen soll sich ohne großen Abschied davongemacht haben.

4. Die Eier von den schwarzen Hühnern

Auch ein ganz gewöhnlicher Einkauf konnte bei Ostermann zur kleinen Vorstellung werden.

Eines Tages war er in der Kölner Markthalle unterwegs und blieb an einem Eierstand stehen. Dort verlangte er zehn Eier – allerdings unter einer ungewöhnlichen Bedingung: Sie müssten unbedingt von schwarzen Hühnern stammen.

Die Händlerin war verblüfft. Wie, so fragte sie sinngemäß, wolle Ostermann denn einem Ei ansehen, ob es von einem schwarzen oder einem weißen Huhn gelegt worden sei?

Ostermann antwortete selbstbewusst: „Ich kann dat sinn.“ Also: Ich kann das sehen.

Die Marktfrau ließ ihn gewähren.

Ostermann betrachtete den Korb aufmerksam und begann, seine zehn Eier auszuwählen. Dabei nahm er nicht irgendwelche. Er suchte sich ganz gezielt die zehn größten und dicksten Eier heraus. Dann betrachtete er seine Auswahl und erklärte zufrieden:

„Dat sin se!“

Das waren sie also – die angeblichen Eier der schwarzen Hühner. Ob die Hühner tatsächlich schwarz gewesen waren, konnte natürlich niemand feststellen. Das war aber wohl auch gar nicht der Sinn der Sache. Ostermanns angebliche Fähigkeit, einem Ei die Farbe des Huhns anzusehen, war schlicht ein wunderbarer Vorwand gewesen, um sich in aller Ruhe die dicksten Eier aus dem Korb herauszupicken.

Eine kleine Geschichte, aber vielleicht eine der typischsten Ostermann-Anekdoten: ein bisschen frech, ziemlich gewitzt und mit einer Pointe, für die es keiner großen Bühne bedurfte.

5. „Na, un wer bin ick?“

Eine besonders schöne Anekdote verbindet Ostermann mit einem anderen großen Unterhaltungskünstler seiner Zeit: dem Berliner Humoristen Otto Reutter.

Die Geschichte soll sich in Hamburg zugetragen haben. Nach einer Vorstellung gingen Ostermann und Reutter gemeinsam in ein großes Konzertlokal.

Kaum erschien Willi Ostermann, begann die Kapelle seine Melodien zu spielen. Dann erkannte ihn auch das Publikum. „Hurra, Willi Ostermann!“, soll es durch den Saal gerufen haben.

Ostermann blieb schließlich nichts anderes übrig: Er musste auf die Bühne und wenigstens eines seiner Lieder vortragen.

Danach kehrte er an den Tisch zurück.

Nur einer war von der ganzen Aufmerksamkeit weitgehend verschont geblieben: Otto Reutter. Dabei gehörte Reutter selbst zu den bekanntesten deutschen Humoristen und Coupletsängern seiner Zeit. Doch an diesem Abend schienen die Menschen nur Augen für den Kölner zu haben.

Reutter betrachtete das Treiben und fragte trocken: „Na, un wer bin ick?“

Eine kleine Pointe – und gleichzeitig eine Geschichte, die viel über die Popularität erzählt, die Willi Ostermann inzwischen weit über Köln hinaus erreicht hatte.

Ein kölscher Humorist

Wie bei vielen überlieferten Künstleranekdoten lässt sich heute nicht mehr jede Einzelheit zweifelsfrei belegen. Anekdoten leben vom Weitererzählen. Formulierungen verändern sich, Pointen werden zugespitzt, und aus einer tatsächlichen Begebenheit kann über Jahrzehnte ein kleines kölsches Verzällche werden. Doch gerade darin liegt ihr Reiz.

Die Geschichten zeigen einen Willi Ostermann jenseits seiner berühmten Lieder: schlagfertig, selbstironisch, manchmal frech und mit einem ausgeprägten Gespür für die komische Seite des Alltags.

Am 1. Oktober 2026 wäre Willi Ostermann 150 Jahre alt geworden. Seine Lieder haben ihn überlebt. Seine Verzällcher offenbar auch. Denn Ostermann wusste nicht nur, wie die Kölschen singen. Er wusste auch, worüber sie lachen.

Quellen: Thomas Liessem, Willi Ostermann – Ein Leben für den Frohgesang am Rhein, sowie Archiv- und Zeitungsrecherche.

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