Das Funkenmariechen – eine der bekanntesten Figuren des Kölner Karnevals

Das Funkenmariechen – eine der bekanntesten Figuren des Kölner Karnevals

Kaum eine Figur ist so eng mit dem traditionellen Sitzungskarneval verbunden wie das Funkenmariechen. In Uniform, mit Dreispitz und hohen Stiefeln gehört es zum vertrauten Bild vieler Tanz- und Traditionskorps. Was auf der Bühne leicht und spielerisch aussieht, verlangt allerdings jahrelanges Training, Kondition und eine beachtliche Körperbeherrschung.

Heute stehen Funkenmariechen für Gardetanz, akrobatische Elemente und präzise Choreografien. Hinter der Figur steckt jedoch eine Geschichte, die eng mit der Entwicklung des organisierten Karnevals und der Persiflage auf das Militär verbunden ist.

Woher kommt das Funkenmariechen?

Wer die Geschichte des Funkenmariechens verstehen möchte, muss zunächst einen Blick auf die „Funken“ werfen.

Die historischen Kölner Stadtsoldaten waren wegen ihrer roten Uniformen als Rote Funken bekannt. Im organisierten Kölner Karneval des 19. Jahrhunderts wurden militärisches Auftreten, Uniformen, Kommandos und Exerzieren parodiert. Aus dieser Tradition entwickelten sich Figuren und Korps, die bis heute zum Erscheinungsbild des Kölner Karnevals gehören.

Auch das Tanzmariechen wurde Bestandteil dieser karnevalistischen Militärparodie.

Dabei darf man sich das Funkenmariechen vergangener Zeiten nicht einfach als heutige Gardetänzerin in historischem Kostüm vorstellen. Die Figur und insbesondere ihre tänzerische Darstellung haben sich im Laufe der Jahrzehnte erheblich verändert.

Anfangs tanzten Männer die Mariechen-Rollen

Eine Besonderheit aus heutiger Sicht: In der frühen Zeit des organisierten Karnevals wurden Frauenrollen vielfach von Männern dargestellt.

Das galt auch für Mariechen-Figuren. Männer verkleideten sich als Frauen und übernahmen entsprechende Rollen im karnevalistischen Spiel. Das entsprach sowohl älteren Bühnentraditionen als auch dem Charakter der damaligen Karnevalsgesellschaften, die lange Zeit stark männlich geprägt waren.

Erst später übernahmen Frauen zunehmend selbst diese Rollen.

Damit veränderte sich auch das Funkenmariechen. Aus einer stärker komödiantischen karnevalistischen Figur entwickelte sich zunehmend eine anspruchsvolle tänzerische Rolle.

Warum heißt es Funkenmariechen?

Der Name setzt sich aus den „Funken“ und der weiblichen Figur des „Mariechens“ zusammen.

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Bezeichnungen Funkenmariechen und Tanzmariechen heute gelegentlich gleichgesetzt. Historisch und karnevalistisch sollte man jedoch genauer unterscheiden.

Das Funkenmariechen ist besonders mit den Funken- und Traditionskorps verbunden. „Tanzmariechen“ hat sich dagegen zu einer allgemeineren Bezeichnung für Solotänzerinnen im karnevalistischen Tanzsport entwickelt.

Nicht jedes Tanzmariechen ist deshalb automatisch ein Funkenmariechen.

Vom Mariechentanz zum Leistungssport

Der größte Wandel zeigt sich beim Tanz selbst.

Moderne Mariechen präsentieren weit mehr als einfache Tanzschritte. Sprünge, Drehungen, Spagat, Beinführungen und verschiedene akrobatische Elemente verlangen Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Ausdauer.

Was während einer Karnevalssitzung nur wenige Minuten dauert, wird über Monate vorbereitet. Choreografien müssen einstudiert und immer wieder trainiert werden. Gleichzeitig soll der Auftritt leicht und selbstverständlich wirken.

Gerade diese Verbindung aus karnevalistischer Tradition und sportlicher Leistung macht den Mariechentanz heute aus.

Das Tanzpaar

Neben dem Solomariechen gehört bei vielen Korps das Tanzpaar zum festen Bestandteil des Auftritts.

Tänzerin und Tänzer zeigen gemeinsam eine Choreografie, bei der zusätzlich Hebungen und Partnerfiguren möglich werden. Voraussetzung dafür sind nicht nur Kraft und Technik, sondern auch großes gegenseitiges Vertrauen.

Bei einem gelungenen Auftritt sieht das Publikum von dieser Anstrengung möglichst wenig. Das Tanzpaar soll trotz anspruchsvoller Figuren sicher, elegant und karnevalistisch wirken.

Uniform mit karnevalistischer Geschichte

Auch das Kostüm des Funkenmariechens ist kein zufälliges Bühnenoutfit. Es orientiert sich an den Uniformen der jeweiligen Korps und greift damit die militärische Persiflage auf, aus der viele Traditionsgesellschaften hervorgegangen sind.

Typische Bestandteile können Jacke, Rock, Stiefel und Kopfbedeckung sein. Farben und Details unterscheiden sich je nach Gesellschaft.

Die Uniform erfüllt dabei eine doppelte Funktion: Sie zeigt die Zugehörigkeit zum Korps und bewahrt gleichzeitig einen Teil der historischen Bildsprache des Kölner Karnevals.

Funkenmariechen im Kölner Karneval

Im Kölner Sitzungskarneval gehören Mariechen und Tanzpaare bis heute zu vielen Auftritten der Traditionskorps. Sie stehen dabei nicht isoliert auf der Bühne, sondern sind Teil eines Gesamtbildes aus Musik, Regimentsspiel, Tanz und karnevalistischer Militärparodie.

Gerade bei den traditionsreichen Korps ist dieser historische Zusammenhang wichtig. Wer nur die akrobatische Leistung betrachtet, sieht lediglich einen Teil des Auftritts.

Das Funkenmariechen verbindet den modernen Tanz mit einer wesentlich älteren karnevalistischen Tradition.

Funkenmariechen und Tanzmariechen – nicht ganz dasselbe

Außerhalb des Kölner Karnevals hat sich der Gardetanz längst zu einer eigenen Disziplin entwickelt. Tanzmariechen treten bei Turnieren an und werden nach festgelegten Kriterien bewertet. Technik, Choreografie und Ausführung spielen dabei eine zentrale Rolle.

Dadurch begegnet einem das Tanzmariechen heute weit über Köln und das Rheinland hinaus.

Das klassische Funkenmariechen hat dagegen einen konkreteren historischen Bezug zu den Funken beziehungsweise den karnevalistischen Traditionskorps.

Die Begriffe haben sich im allgemeinen Sprachgebrauch angenähert, ihre Herkunft ist jedoch nicht identisch.

Zwischen Tradition und Moderne

Das Funkenmariechen zeigt besonders anschaulich, wie sich Karnevalstraditionen verändern können, ohne vollständig zu verschwinden.

Aus einer Figur der karnevalistischen Persiflage entwickelte sich über Generationen eine tänzerisch anspruchsvolle Aufgabe. Aus vergleichsweise einfachen Darbietungen wurden teilweise hochsportliche Choreografien.

Geblieben sind die Uniform, die Verbindung zum Korps und die besondere Stellung innerhalb des Karnevals.

Wer heute ein Funkenmariechen auf der Bühne sieht, erlebt deshalb beides: ein Stück Geschichte des Kölner Karnevals und eine moderne tänzerische Leistung, hinter der weit mehr Arbeit steckt, als die wenigen Minuten eines Auftritts vermuten lassen.