Porträt

Karl Küpper – Der unbeugsame Narr

Karl Küpper war ein kölscher Karnevalist und Büttenredner, der durch seinen mutigen Mut im Dritten Reich bekannt wurde. Mit scharfem Spott kritisierte er das NS-Regime,und gilt heute als Symbolfigur für die viel zu seltene Zivilcourage im Kölner Karneval.

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Karl Küpper als unbeugsamer Narr mit Brille und Hut, zeigt eine humorvolle Pose.
Karl Küpper als unbeugsamer Narr mit Brille und Hut, zeigt eine humorvolle Pose.

Ein Schriftsetzer wird zur Stimme Kölns

Karl Küpper, geboren 1905 in Köln, begann seine berufliche Laufbahn als Schriftsetzer. Bereits 1927 betrat er als „d’r Verdötschte“ (hochdeutsch: „der Verbeulte“) die karnevalistische Bühne. Mit scharfem Witz und treffsicherem Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen wurde er schnell zu einem gefeierten Redner im Sitzungskarneval.

Historische Aufnahme eines Bühnenauftritts in einer großen Halle vor zahlreichem Publikum, geschmückt mit Fahnen
Karl Küpper auf dem Bordfest von Kraft durch Freude im Jahre 1935

Doch im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, die sich mit dem NS-Regime arrangierten oder gar gemein machten, wählte Küpper einen anderen Weg: den des unbeugsamen Spötters, der sich auch in Zeiten der Gefahr nicht den Mund verbieten ließ.

Originalaufnahme eines Auftritts von Karl Küpper

Subversive Satire im Angesicht der Diktatur

Karl Küpper als Narr auf einem Karnevalsumzug in Köln, umgeben von Zuschauern und Mitwirkenden.
Seltsames aus Abessinien: 1936 nahm Karl Küpper als „Berichterstatter aus Abessinien“ am Rosenmontagszug teil und ritt auf einem Kamel.

Während der offizielle Karneval gleichgeschaltet wurde, blieb Küpper eine der wenigen kritischen Stimmen. Seine Ablehnung des Nationalsozialismus trug er – mal subtil, mal offen – in seinen Reden zur Schau. Legendär ist seine Parodie des Hitlergrußes: Er betrat die Bühne, hob den rechten Arm und sagte, bevor das Publikum reagieren konnte: „Su huh litt bei uns dr Dreck em Keller!“ – eine Geste, die ihn berühmt machte.

Kolorierte historische Aufnahme von Karl Küpper mit erhobenem Arm bei seiner berühmten parodistischen Geste
Karl Küpper zeigt nach dem Krieg seine berühmte Geste

Auch seine Frage „Es et am rähne?“ („Regnet es?“), begleitet vom prüfenden Blick gen Himmel, war eine ironische Reminiszenz an die absurde Allgegenwart des Deutschen Grußes. Mit Sprüchen wie „Es stand ein Baum am Waldesrand und war organisiert. Er war im NS-Baumverband, damit ihm nichts passiert.“ karikierte er die blinde Anpassung an das Regime – bis ihm klar wurde, dass diese Offenheit gefährlich wurde. In einer späteren Version hieß es deshalb:
„Es stand kein Baum am Wegesrand, er war nicht organisiert. Er war nicht im NS-Baumverband, damit mir nichts passiert.“

Verbot, Gestapo und Fronttheater

Historisches Programmplakat für einen Auftritt von Karl Küpper beim Regimentssportfest der Flakscheinwerfer-Regiment 74, datiert 4. November 1943
Plakat des Fronttheaters

Wegen seiner frechen Auftritte wurde Küpper 1939 auf Grundlage des „Heimtückegesetzes“ ein lebenslanges Redeverbot auferlegt. Der Vorwurf: Verächtlichmachung des Deutschen Grußes und des NS-Staats. Trotz Meldepflicht bei der Gestapo trat er weiterhin heimlich bei privaten Veranstaltungen auf.

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Als 1941 erneut eine Verhaftung drohte, rettete ihn ein befreundeter Gestapo-Beamter mit einem Hinweis. Küpper reagierte sofort – und meldete sich am nächsten Morgen freiwillig zur Wehrmacht. Dort wurde er dem Fronttheater zugeteilt, wo das Redeverbot aufgehoben wurde. Auch dort blieb er ein unbequemer Geist, der sich nicht verbiegen ließ. Doch diese ungewöhnliche Lösung bewahrte ihn vor schlimmeren Konsequenzen – und vor dem Gefängnis.

Wiederaufstieg im Nachkriegskarneval

Nach seiner Rückkehr aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft trat Karl Küpper wieder auf – mit neuer Kraft und altem Witz. In seiner Rede „Der verdötschte Zaldat“ verarbeitete er seine Kriegserfahrungen und verspottete das untergegangene NS-Regime mit den Worten:

„Volksjenosse, Volksjenossinen, / Tach zusamme / Et is nit mie am räne / mer hamjetzt e sue Wetter / mer han keine ‚Westdeutsche Beobachter‘ mie / mir werden nit mie beobachtet / mer ham jetzt de ‚Kölsche Kurier‘ / mer sin jetzt endlich kuriert.“

Kolorierte historische Aufnahme einer Karnevalssitzung mit Bauer am Rednerpult und Gästen in Karnevalskostümen, datiert 9. Februar 1953
Karl Küpper am 9. März 1953 auf der Sitzung der Kölner Narrenzunft

Skandale auch in der Demokratie

Auch in der jungen Bundesrepublik blieb Küpper ein kritischer Geist. Auf der Herrensitzung des Kölner Karnevalsvereins „Lyskircher Junge“ am 1. Januar 1952 kam es zum Eklat, als er zum Hitlergruß die Worte „Et ess ad widder am rähne!“ sprach – eine kaum versteckte Anspielung auf die Rückkehr alter Nazikader in die Politik. Anschließend schoss er sich auf Großgrundbesitzer mit Wiedergutmachungsforderungen, die schlechte Kohleversorgung und Kanzler Adenauer ein. Die Reaktionen waren heftig: Bürgermeister Görlinger und andere Politiker verließen empört den Saal. Als Konsequenz wurde er nur noch selten gebucht und ihm dadurch erneut ein faktisches Redeverbot erteilt.

Karl Küpper mit einer Frau in einer Gaststätte an der Theke
Karl Küpper und Ehefrau in ihrer Gaststätte „Küppers Karl“

Rückzug von der Bühne

1960 zog sich Karl Küpper von der Bühne zurück und eröffnete mit seiner Frau eine eigene Gaststätte in Köln-Kalk – „Küppers Karl“.

Hier blieb er ein Original, doch als Redner trat er nicht mehr öffentlich auf. Am 26. Mai 1970 verstarb er.

Späte Anerkennung

Heute gilt Küpper vielen als Vorbild: ein mutiger Narr, der in dunklen Zeiten den Spiegel vorhielt. Ein unbeugsamer Karnevalist, der Witz mit Widerstand verband. Und ein Mahner, dass Humor auch ein Mittel des Protests sein kann – und manchmal sogar der letzte freie Raum in einer unfrei gewordenen Welt.

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