Der Kölner Karneval im Nationalsozialismus
Die Jahre des Nationalsozialismus gehören zu den dunkelsten Kapiteln in der Geschichte des Kölner Karnevals. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 blieb auch der Fastelovend nicht außerhalb der politischen Veränderungen. Vereine, Veranstaltungen und der Rosenmontagszug mussten sich zunehmend mit den Vorgaben und der Ideologie des Regimes arrangieren.
Zwischen Anpassung und Vereinnahmung
Die Nationalsozialisten erkannten schnell die große gesellschaftliche Bedeutung des Karnevals und versuchten, ihn für ihre Zwecke zu nutzen. Der organisierte Kölner Karneval wurde zunehmend beeinflusst und kontrolliert. Gleichzeitig passten sich Teile des Karnevals den neuen politischen Verhältnissen an.
Die Vorstellung, der Karneval sei grundsätzlich ein Ort des Widerstands gegen die Nationalsozialisten gewesen, greift deshalb zu kurz. Zwar konnte karnevalistischer Humor gelegentlich Spielräume für versteckte Kritik bieten, gleichzeitig gab es jedoch Anpassung, Mitwirkung und die Übernahme nationalsozialistischer Vorstellungen.
Antisemitismus im Karneval
Besonders problematisch war der Umgang mit jüdischen Kölnerinnen und Kölnern. Antisemitische Darstellungen und Ausgrenzung fanden auch Eingang in den Karneval.
Jüdische Karnevalisten, die zuvor selbstverständlich am gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt teilgenommen hatten, wurden zunehmend ausgeschlossen. Damit spiegelte der Karneval Entwicklungen wider, die in der gesamten deutschen Gesellschaft stattfanden.
Auch einzelne Darstellungen in Rosenmontagszügen dieser Zeit werden heute kritisch aufgearbeitet.
Rosenmontagszüge unter dem Hakenkreuz
Der Rosenmontagszug fand während eines großen Teils der NS-Zeit weiterhin statt. Dabei blieb er zwar äußerlich ein karnevalistisches Großereignis, stand aber zunehmend unter den politischen Bedingungen der Diktatur.
Nationalistische und antisemitische Motive konnten Bestandteil der Zugdarstellungen werden. Gleichzeitig nutzte das Regime große öffentliche Veranstaltungen zur Selbstdarstellung und propagandistischen Inszenierung.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs endete schließlich auch der reguläre Kölner Rosenmontagszug.
Ein schwieriges Kapitel der Karnevalsgeschichte
Die Geschichte des Kölner Karnevals zwischen 1933 und 1945 lässt sich nicht auf eine einfache Erzählung von Widerstand oder Unterdrückung reduzieren.
Sie zeigt vielmehr, wie sich eine populäre kulturelle Tradition unter den Bedingungen einer Diktatur verändern kann – und wie schnell gesellschaftliche Ausgrenzung auch dort Fuß fassen kann, wo eigentlich gemeinsames Feiern und Humor im Mittelpunkt stehen.
Die kritische Auseinandersetzung mit dieser Zeit gehört deshalb ebenso zur Geschichte des Kölner Karnevals wie seine großen Feste, Lieder und Traditionen.