Siegburg | Der erste Rauch der Empörung ist verzogen. Doch über dem Siegburger Karneval liegt seit Montag ein dunkelbrauner Schatten. . .
Fast den ganzen Dienstag über glühten bei den Verantwortlichen vom hiesigen Karnevalskomitee und von der Siegburger Ehrengarde die Drähte.
Denn es galt sich klar zu distanzieren!
Die Aufdeckung durch „Aktivistmuss“ von einem schwer rassistischen Beitrag von Vereinsmitglied und Siegburgs Ex-Prinz Rainer K. in den sozialen Netzwerken führte zu prominentem Aufschrei (u.a. Volker Weininger) und zeitnahen Folgen.
Siegburger Ehrengarde enthüllt Nachricht von Ex-Mitglied
K. hatte ein Flüchtlingsdrama wie folgt kommentiert: „Was haben wir damit zu tun? Es interessiert doch nicht, was mit diesen Kreaturen passiert. Es ist menschlicher DNA-Müll. Wir haben in unserem Land genug für unsere deutsche Bevölkerung zu tun.“
Die Ehrengarde um den Vorsitzenden Farid Wagner fackelte nicht lange, schmiss „Prinz Braun“ aus der Gesellschaft, erteilte dem Hobbyblogger- und Fotografen („Siegburger Fastelovendseck“) lebenslanges Hausverbot.
Wie Wagner nun erklärt, meldete sich K. inzwischen per WhatsApp bei ihm!
„Ja, er hat mir eine Whatsapp-Nachricht geschrieben, dass es ihm leid täte, dass durch seine Aktion dem Verein ein Schaden entstanden ist“, sagt der Vollblut-Jeck, dem nichts anderes übrig geblieben war, mit seinen Mitstreitern wie Jörg Sola die jecken Wogen zu glätten, um Schaden von der Garde abzuwenden.
Denn die junge Truppe (besteht seit 1998) wehrt sich vehement gegen Vorwürfe, man habe ja von der rechtsextremistischen Gesinnung des langjährigen Mitglieds gewusst und diese stillschweigend hingenommen.
Wagner stellt rigoros klar: „Das lassen wir als KG so niemals stehen! 99,9 Prozent der Reaktionen auf unser Vorgehen gegenüber K. waren ein positives Echo. Es gab sehr viel Lob für das schnelle und konsequente Handeln. Dadurch, dass wir sehr früh durch Aktivistmuss informiert werden sind, und die Medien fair berichteten, so dass ein differenziertes Bild bei den Lesern entstanden ist.“
Der umtriebige Macher sagt weiter: „Man kann nicht in den Kopf von 180 Mitgliedern gucken, schon gar nicht, wenn ein Mitglied sich wirklich niemals blicken lässt. Und zu den Aussagen im Netz: Wenn Rainer K. nicht selbst postet ,sondern immer nur kommentiert, taucht das nie in meiner Timeline auf.

Ich hatte diese Posts nie gesehen. Am Montag Mittag ist die Bombe geplatzt, dann hat jeder gesucht und gefunden.“
Es scheint sich um eine geradezu tragische Geschichte zu handeln. K. habe sich im Laufe von Jahren geradezu radikalisiert, jedoch Grenzen gekannt.
Der Vorsitzende: „Man hat vom Hörensagen gehört, er habe krude Ansichten. Doch es war nicht strafbar. Unsere Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Aber: JETZT ist eine rote Linie überschritten, der hat Anlauf genommen und geradezu einen Sprung über die rote Linie gemacht.
Das war mit nichts vergleichbar was vorher zu lesen war. Wir haben das nicht kommen sehen. Der war vor zwanzig Jahren nicht so, ein völlig anderer Mensch. Wieso das so kommen konnte, versteht keiner.“
In der ganzen Siegburger Szene nicht! Auch die Siegburger Hunnen, wo K. gar lange Jahre als Geschäftsführer fungierte, distanzierten sich ausdrücklichst von ihrem Ex-Mitglied.
Der Briefkasten bei K. dürfte schon aufgefüllt sein. Wagner: „Wir haben ihm auf dem klassischen Postweg den Rauswurf mitgeteilt. Wenn er die Dreistigkeit besäße, mit seiner Kamera wieder zu unseren Veranstaltungen zu kommen nach dem 11.11., würde er rausfliegen.“
Die Jecken hoffen nun, dass die braunen Nebelschwaden rund um den Siegburger Karneval bis zum Sessionsstart verzogen ist. . .