Karnevalsorden

Der Karnevalsorden ist ein von Karnevalsgesellschaften verliehenes, oft aufwendig gestaltetes Abzeichen – Anerkennung, Sammlerstück und zugleich eine der ältesten Traditionen des organisierten Kölner Karnevals. Diese Seite erklärt, woher der Orden kommt, welche Arten es gibt und – vor allem – wie die Kölner Gesellschaften ihn heute tatsächlich handhaben.

Ursprung als Persiflage

Die Anfänge liegen in der Frühzeit des organisierten Karnevals nach der Reform von 1823. Ursprünglich verstand sich der Karnevalsorden als Persiflage auf die staatlichen und militärischen Orden, Schärpen und Brustbänder der preußischen Obrigkeit: Was dort mit Ernst und Pomp verliehen wurde, griffen die Kölner Jecken augenzwinkernd auf.

Eine häufig überlieferte Episode datiert den ersten Orden auf 1824: Aus alten Protokollen gehe hervor, dass eine Karnevalsprinzessin bei einem Besuch einen Orden mitbrachte und aus Dank ebenfalls einen erhielt. Je nach Quelle werden auch 1823 oder 1838 als Ursprung genannt – eine eindeutige, belegte Erstverleihung gibt es nicht.

Bemerkenswert ist, was danach geschah: Der Orden hat seine ursprüngliche Bedeutung ins Gegenteil verkehrt. Was als Spott auf Auszeichnungen begann, ist heute selbst eine Auszeichnung – die Belohnung für ehrenamtliches Engagement in der Session.

Vier Arten von Orden

  • Sessionsorden – jedes Jahr neu gestaltet, verliehen an Aktive der Gesellschaft oder an lokale Prominenz.
  • Verbandsorden – für langjährig aktive Mitglieder eines Verbands.
  • Verdienstorden – für besondere Verdienste um den Verein, oft in Stufen gegliedert.
  • Sonderorden – zu speziellen Anlässen, Jubiläen oder für einzelne Gruppen.

Wie Kölner Gesellschaften ihre Orden gestalten

Ein Sessionsorden ist selten bloß hübsch. Er erzählt in der Regel gleich mehreres auf einmal: das Sessionsmotto, ein Vereinsjubiläum, ein aktuelles Projekt. Drei Beispiele aus der jüngeren Zeit zeigen das Prinzip.

Kölner K.G. Blomekörfge 1867: ein Kompass für Köln

Zum Motto „Alaaf – Mer dun et för Kölle“ wählten die Blomekörfge als Grundform einen Kompass: im Zentrum das namengebende Blomekörfge, auf der Umrandung die Heimatstadt mit ihren markanten Gebäuden und Brauchtümern. Daneben gibt es einen eigenen Damenorden – im Jahr des 20-jährigen Bestehens der „Buschwindröschen“ zeigte er ein herzförmiges Körbchen voller Röschen.

Kölner Karnevals-Verein „UNGER UNS“: Kreuzblume und Staffelstab

Der Sessionsorden 2026 von UNGER UNS verbindet zwei Vereinsthemen: einen Blick in die Spitze des Nordturms des Kölner Doms, wo sich die Gesellschaft mit der Kreuzblume engagiert, und die symbolische Übergabe des Staffelstabs vom alten an den neuen Vorstand.

K.G. Löstige Höhenhuuser: das Veedel auf dem Orden

Die Löstigen Höhenhuuser greifen nicht nur das Sessionsmotto auf, sondern auch Themen aus Verein und Veedel Höhenhaus – etwa anstehende Jubiläen der Gesellschaft oder ihres langjährigen Ehrenpräsidenten. Ihre Ordengalerie reicht über Jahrzehnte zurück.

Herrenorden und Damenorden

Viele Kölner Gesellschaften geben pro Session zwei verschiedene Orden heraus. Die Kölschen Funkentöter und die Löstigen Paulaner führen in ihren Online-Archiven Herren- und Damenorden getrennt auf, jeweils mit dem Sessionsmotto des Jahres – bei beiden lässt sich die Reihe bis in die 2000er-Jahre zurückverfolgen.

Bei der Großen Braunsfelder KG lässt sich der Beginn genau datieren: Der erste Herrenorden erschien 1978, zwei Jahre nach Gründung der Gesellschaft.

Verdienstorden: Orden mit Stufen

Neben dem jährlichen Sessionsorden führen viele Gesellschaften ein abgestuftes System für Verdienste um den Verein. Die K.G. Alt-Köllen vun 1883 veröffentlicht ihre Ordensträger samt Verleihungsjahr und unterscheidet dabei unter anderem Gold mit Brillanten, Gold, Silber und Bronze sowie Orden des Festkomitees in Gold und Silber.

Das Kölner Husaren-Korps vergibt nach eigenen Angaben einen vereinseigenen „Pour le Mérite“ und weitere Verdienstorden nach internen Regularien – ein weiteres Beispiel dafür, wie ernst der ursprünglich als Spott gedachte Orden inzwischen genommen wird.

Der Ordensabend

In manchen Gesellschaften hat die Vorstellung der neuen Orden eine eigene Veranstaltung. Die Große Mülheimer K.G. richtet einen Ordensabend aus, bei dem die neuen Orden des Jahres präsentiert und dem Vorstand feierlich überreicht werden – zugleich der Auftakt in die Session.

Wie selbstverständlich der Orden zum Vereinsleben gehört, bringt ein Reim auf der Sessionsorden-Seite der Nippeser Bürgerwehr auf den Punkt: „En Gesellschaff es etz richtig, verjitt se Orden, denn dat es wichtig.“

Sammelstück und Finanzierung

Orden werden von vielen Vereinen auch verkauft und tragen so zur Finanzierung der Session bei – bei den Blomekörfge etwa ist der Damenorden auf jeder Veranstaltung bei der Schatzmeisterin erhältlich. Das ist eine rheinische Besonderheit: In anderen Teilen Deutschlands werden Orden ausschließlich für Verdienste verliehen und nicht verkauft.

Für viele Karnevalisten ist das Sammeln ein eigenes kleines Hobby innerhalb des Hobbys. Gesellschaften wie das Reiter-Korps „Jan von Werth“ dokumentieren ihre Sessionsorden seit der Gründung – im Fall des Reiter-Korps seit 1925. Solche Online-Archive sind inzwischen eine eigene Quelle zur Vereins- und Stadtgeschichte: Wer die Orden eines Jahrzehnts durchblättert, liest die Sessionsmottos, Jubiläen und Stadtthemen dieser Jahre gleich mit.

Quellen

Die Beispiele und Angaben zu einzelnen Gesellschaften stammen von deren eigenen Websites, abgerufen am 19. September 2026 und jeweils oben verlinkt: Blomekörfge, UNGER UNS, Löstige Höhenhuuser, Kölsche Funkentöter, Löstige Paulaner, Große Braunsfelder KG, K.G. Alt-Köllen, Kölner Husaren-Korps, Große Mülheimer K.G., Nippeser Bürgerwehr, Reiter-Korps „Jan von Werth“. Die Darstellung zu Ursprung und Ordensarten folgt der gängigen Überlieferung; eine eindeutig belegte Erstverleihung ist nicht bekannt.

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