Wenn in Köln der Fastelovend regiert, steht einer an der Spitze des närrischen Volkes: der Kölner Karnevalsprinz. Traditionell als „Seine Tollität“ angesprochen, ist er der höchste Repräsentant des Kölner Karnevals. Gemeinsam mit Bauer und Jungfrau bildet er das Kölner Dreigestirn und repräsentiert während der Session den Fastelovend weit über die Grenzen der Stadt hinaus.
Seine herausgehobene Stellung zeigt sich besonders am Rosenmontag. Der Prinz fährt auf dem letzten Wagen des Rosenmontagszuges und bildet damit dessen krönenden Abschluss. Erst wenn „Seine Tollität“ an den Jecken vorbeigezogen ist, ist der Zoch vorbei.
Vom „Held Carneval“ zum Prinzen
Den Prinzen in seiner heutigen Form gab es zu Beginn des organisierten Kölner Karnevals noch nicht. Als der Karneval 1823 neu geordnet wurde, stand zunächst der sogenannte „Held Carneval“ im Mittelpunkt.
Diese Figur sollte dem zuvor teilweise als wild und ungeordnet empfundenen närrischen Treiben eine neue Form geben. Der Held Carneval sollte einen untadeligen Charakter besitzen und den Karneval damit auch für das gehobene Bürgertum attraktiv machen.
Erst 1871 wurde aus dem Helden Carneval der Prinz Karneval. Bauer und Jungfrau kamen ein Jahr später als seine ständigen Begleiter hinzu. Damit waren die drei Figuren zusammengeführt, aus denen sich das heutige Kölner Dreigestirn entwickelte.
Ein Ornat – kein Kostüm
Wer über die Kleidung des Prinzen spricht, sollte einen wichtigen Unterschied kennen: „Seine Tollität“ trägt kein gewöhnliches Karnevalskostüm, sondern ein Ornat.
Dessen Ursprünge reichen bis zum Helden Carneval zurück. Schon dessen Erscheinungsbild sollte Würde und Autorität ausstrahlen. Deshalb orientierte sich sein Gewand an der Kleidung eines Kaisers. Schließlich war er für die Dauer des Karnevals der Herrscher über sein närrisches Volk.
Der Held trug eine goldene Krone mit einem Pfauenschweif, der als Symbol der Unsterblichkeit galt. Über einem weißen Untergewand lagen eine goldene Kette und ein prächtiger, mit Hermelin besetzter Mantel. In einer Hand hielt er ein Zepter als Zeichen seiner Herrschaft. In der anderen befand sich eine närrische „Waffe“ – der Vorläufer der heutigen Pritsche.
Damit vereinte sein Erscheinungsbild von Anfang an zwei Welten: die Insignien eines Herrschers und die augenzwinkernde Verkehrung dieser Macht durch den Karneval.
Wie das heutige Prinzenornat entstand
Das Ornat, das die Kölner heute kennen, entwickelte sich erst nach und nach. Ab 1889 begann das Erscheinungsbild des Prinzen stärker seiner heutigen Form zu ähneln. Um die Jahrhundertwende kam das Wappen hinzu, und auch die charakteristischen gepufften Ärmel des Oberteils entstanden in dieser Zeit.
Andere Bestandteile wechselten dagegen immer wieder. Die Hose wurde mal lang, mal kurz und mal kniebedeckend getragen. Auch beim Schuhwerk probierte man verschiedene Formen aus – von Stiefeln über Schnürschuhe bis hin zu Schnallenschuhen.
Erst 1926 wurde die Grundform des heutigen Ornats festgelegt. Eine auffällige Veränderung folgte allerdings noch später: Der Umhang war auf seiner Außenseite bis 1937 weiß. Erst danach erhielt er seine heute vertraute rote Außenseite.
Vier Federn – und am Rosenmontag plötzlich fünf
Besonders charakteristisch ist die Kopfbedeckung des Prinzen. Dabei sah auch sie ursprünglich ganz anders aus. Bis in die 1880er-Jahre ähnelte die Prinzenmütze einer Jakobinermütze und lief nach oben spitz zu. Zeitweise wurde sie entsprechend der damaligen Mode mit einer Straußenfeder geschmückt.
Fasanenfedern tauchten erstmals 1886 auf. Heute trägt der Prinz vier lange Fasanenfedern in den vier traditionellen Karnevalsfarben: Rot und Weiß stehen für die Stadt Köln, Grün und Gelb für den Karneval. Diese Farbkombination wurde bereits 1823 festgelegt.
Aufmerksame Jecken können am Rosenmontag allerdings eine Besonderheit entdecken: Dann trägt der Prinz plötzlich fünf statt vier Federn.
Der Grund dafür ist eine Tradition vom Karnevalssonntag. Bei der letzten Sitzung der Großen Karnevalsgesellschaft von 1823 im Gürzenich erhält der Prinz eine zusätzliche Feder aus der Mütze des Präsidenten. Diese fünfte Feder trägt er anschließend bis zum Ende seiner Amtszeit am Karnevalsdienstag.
Die Pritsche als Zeichen närrischer Herrschaft
Was bei einem wirklichen Herrscher das Zepter wäre, ist beim Kölner Prinzen die Pritsche. Sie gehört zu seinen wichtigsten Insignien und macht deutlich, dass seine Macht ausschließlich närrischer Natur ist.
Eine besondere Rolle spielt sie bei der Prinzenproklamation, die traditionell zu Beginn des neuen Jahres stattfindet. Dabei erhält der Prinz vom Kölner Oberbürgermeister die Pritsche als sichtbares Zeichen seiner Regentschaft über das närrische Köln.
Von diesem Moment an kann „Seine Tollität“ die Pritsche über sein jeckes Volk schwingen – natürlich nicht als wirkliche Waffe, sondern als Symbol dafür, dass während des Fastelovends andere Regeln gelten.
Der höchste Repräsentant des Fastelovends
Hinter dem Prinzen steckt damit weit mehr als die prominenteste Figur des Rosenmontagszuges. Seine Geschichte erzählt zugleich von der Entwicklung des organisierten Kölner Karnevals seit 1823.
Vom würdevollen Held Carneval mit Krone und Kaisermantel entwickelte sich die Figur zu jenem Prinzen, den die Kölner heute kennen. Vieles an seinem Ornat hat sich im Laufe von zwei Jahrhunderten verändert. Geblieben ist jedoch die Idee des närrischen Herrschers.
Und wenn der Prinzenwagen am Rosenmontag als letzter großer Wagen durch Köln zieht, erreicht dieses Spiel seinen Höhepunkt. Dann jubeln die Jecken ihrem Regenten noch einmal zu, Kamelle und Strüßjer fliegen – und „Seine Tollität“ bildet den krönenden Abschluss des Kölner Rosenmontagszuges.