Zwischen Glanz, Größenwahn und dunkler Vergangenheit: Die 10 schillerndsten Figuren aus dem Kölner Dreigestirn
Europameister, Medienmogule, mächtige Karnevalsmacher, Kunstsammler und Persönlichkeiten mit dunkler Vergangenheit: Hinter Prinz, Bauer und Jungfrau verbergen sich erstaunliche Lebensgeschichten. „Schillernd“ heißt dabei nicht unbedingt beliebt oder verdienstvoll – sondern außergewöhnlich, widersprüchlich, prominent oder historisch bemerkenswert. Das sind zehn der schillerndsten Figuren aus der Geschichte des Kölner Dreigestirns.
1. Paula Zapf – die erste Frau als Kölner Jungfrau
Als Paula Zapf 1938 zur Jungfrau Paula wurde, war sie gerade einmal 19 Jahre alt. Sie war die erste Frau, die im Kölner Dreigestirn die Jungfrau verkörperte. Und ausgerechnet das vermeintlich Fortschrittliche an ihrer Geschichte hat einen ausgesprochen düsteren Hintergrund.
Denn nach Kölner Tradition wurde die Jungfrau von einem Mann dargestellt. Genau daran störten sich die Nationalsozialisten. Sie griffen in den Karneval und seine Geschlechterrollen ein – und so kam erstmals eine Frau ins Dreigestirn. Paula Zapf wurde also keineswegs zum Symbol einer frühen Emanzipation, sondern infolge nationalsozialistischer Politik zur Jungfrau.
Das macht ihre Geschichte besonders widersprüchlich: Eine junge Frau durchbrach 1938 eine jahrzehntealte Männerdomäne – aber nicht, weil Frauen plötzlich mehr Möglichkeiten bekommen sollten. Sondern weil ein diktatorisches Regime Männern verbieten wollte, öffentlich Frauenrollen zu verkörpern.
Warum schillernd: Kaum eine Person des Dreigestirns steht so sehr für einen historischen Widerspruch. Paula Zapf war eine Pionierin wider Willen – und ihre Geschichte erzählt zugleich von Karneval, Geschlechterrollen und dem Zugriff der Nationalsozialisten auf den Fastelovend.
2. Alfred Neven DuMont – vom Prinzenwagen zum Medienimperium
1955 wurde der gerade einmal 27-jährige Alfred Neven DuMont als Alfred I. Kölner Karnevalsprinz.
Später gehörte der Verleger zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Kölner Stadtgesellschaft. Das Familienunternehmen mit Medien wie „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Express“ prägte über Jahrzehnte die Medienlandschaft der Stadt.
Warum schillernd: Nur wenige ehemalige Prinzen entwickelten nach ihrer Regentschaft einen vergleichbaren öffentlichen Einfluss weit über den Karneval hinaus.
3. Klaus Ulonska – erst Europameister, dann Kölner Jungfrau
Klaus Ulonska war erfolgreicher Leichtathlet und wurde 1962 mit der deutschen 4-mal-100-Meter-Staffel Europameister. Elf Jahre später stand er als Jungfrau Claudia im Kölner Dreigestirn.
Später wurde Ulonska zudem über viele Jahre das Gesicht des SC Fortuna Köln.
Warum schillernd: Europameister, Kölner Jungfrau und Fußballpräsident – eine ziemlich einmalige Kombination.
4. Ferdi Leisten – vom Prinzen zum mächtigen Karnevalsmacher
Ferdi Leisten war 1959 Prinz Ferdi III. Doch seine eigene Regentschaft war nur ein Kapitel seiner Karnevalskarriere.
Der Unternehmer und Pferdezüchter wurde Präsident der EhrenGarde, leitete den Rosenmontagszug und stand später rund ein Jahrzehnt an der Spitze des Festkomitees.
Warum schillernd: Leisten war nicht nur Repräsentant des Karnevals. Er wurde anschließend selbst zu einem der Männer, die den organisierten Fastelovend maßgeblich mitgestalteten.
5. Peter Hubert Schupp – der widersprüchliche Prinz von 1938
Peter Hubert Schupp war Unternehmer, Präsident des Treuen Husar und stand dem Nationalsozialismus nahe, wobei das genaue Ausmaß seiner persönlichen politischen Bindung anhand der bislang öffentlich zugänglichen Quellen nicht abschließend geklärt ist.
Seine Karnevalsbiografie steckt voller Widersprüche: Schupp hatte selbst als männliches Tanzmariechen des Treuen Husar getanzt. 1938 wurde er Prinz Peter II. – ausgerechnet in jener Session, in der die Nationalsozialisten gegen Männer in weiblichen Karnevalsrollen vorgingen und Paula Zapf als erste Frau zur Jungfrau wurde.
Warum schillernd: Ein ehemaliges männliches Tanzmariechen wird Prinz eines Dreigestirns, dessen Zusammensetzung massiv von nationalsozialistischer Politik beeinflusst wird. Schupp steht damit exemplarisch für eines der dunkelsten und widersprüchlichsten Kapitel der Kölner Karnevalsgeschichte.
6. Johann Maria Wolfgang Farina – Kölnisch Wasser auf dem Prinzenwagen
1952 wurde Johann Maria Wolfgang Farina mit gerade einmal 24 Jahren Prinz Johann Maria I.
Noch bekannter war sein Familienname. Die Familie Farina steht wie kaum eine zweite für die Geschichte des Eau de Cologne. Während seiner Regentschaft wurde das Farina-Haus zur Hofburg, und selbst im Rosenmontagszug verbanden sich die beiden Kölner Welten: Kleine Fläschchen Eau de Cologne gelangten unters närrische Volk.
Warum schillernd: Ein außergewöhnlich junger Prinz aus einer weltberühmten Kölner Unternehmerdynastie.
7. Bodo Glaub – die Jungfrau mit dem Besteckmuseum
Bodo Glaub war Besteckhändler, Kunstsammler und Galerist. Seine Sammelleidenschaft ging so weit, dass aus seiner bedeutenden Bestecksammlung ein privates Museum entstand.
1957 kam eine weitere bemerkenswerte Rolle hinzu: Glaub wurde als Jungfrau Bodi Teil des Kölner Dreigestirns.
Warum schillernd: Kunsthandel, Besteckmuseum und Kölner Jungfrau – schon die Kombination macht seine Biografie außergewöhnlich.
8. Claus Kegelberg – der Mann, der zweimal Prinz wurde
1973 hatte Claus Kegelberg als Prinz Claus I. seine Regentschaft eigentlich hinter sich.
Doch 1977 trat Prinz Paul I. Petry nach einem Todesfall in seiner Familie während der Session zurück. Kegelberg sprang ein – und wurde vier Jahre nach seiner ersten Regentschaft als Claus II. erneut Kölner Prinz.
Warum schillernd: Zweimal Prinz zu werden ist außergewöhnlich. Während einer laufenden Session plötzlich wieder ins höchste Amt des Kölner Karnevals zurückzukehren, erst recht.
9. Marcus Gottschalk – der erste offen homosexuelle Prinz
2012 schrieb Marcus Gottschalk als Prinz Marcus II. Karnevalsgeschichte: Er war der erste offen homosexuelle Kölner Karnevalsprinz.
Dabei kam er aus dem Kern des traditionellen Karnevals. Bereits als Jugendlicher trat er in die Prinzen-Garde ein und begleitete später als Prinzenadjutant mehrere Dreigestirne. Auch nach seiner Regentschaft blieb er eine bekannte Persönlichkeit des organisierten und medialen Karnevals.
Warum schillernd: Seine Geschichte steht exemplarisch für gesellschaftlichen Wandel innerhalb einer ausgesprochen traditionsbewussten Institution.
10. Hendrik Ermen – vom Landesamt zur Jungfrau Marlis
2025 stellte die StattGarde Colonia Ahoj erstmals das Kölner Dreigestirn. Hendrik Ermen wurde Jungfrau Marlis – der Name war eine Hommage an die verstorbene Kölner „Motto-Queen“ Marie-Luise Nikuta.
Der Kontrast zum Berufsleben könnte kaum größer sein: Ermen arbeitet als leitender Dezernent beim Landesamt Nordrhein-Westfalen und beschäftigt sich dort unter anderem mit Saatgut-, Dünge- und Futtermittelüberwachung.
Warum schillernd: Vom Verwaltungsalltag ins Ornat der Kölner Jungfrau – und gleichzeitig Teil eines historisch besonderen Dreigestirns.
Wie gefällt dir dieser Beitrag?
Mitreden