Hintergrund
NeuWas ein Veedelszoch kostet – und warum Kölner Karnevalszüge ausfallen
Kamelle, Musik und Tausende Jecke am Straßenrand: Ein Veedelszoch gehört für viele Kölner selbstverständlich zum Karneval. Doch hinter den bunten Umzügen stehen meist kleine Vereine, die jedes Jahr erhebliche Kosten stemmen müssen. Wie schwierig das geworden ist, zeigt die Absage des Zollstocker Dienstagszugs für 2027.
13.000 Euro für einen einzigen Karnevalszug
Am 12. Oktober 2026 verkündeten die Freunde des Zollstocker Dienstagszugs, dass ihr traditioneller Umzug im kommenden Jahr ausfallen wird. Seit rund 65 Jahren gehört der Zug zum Karneval im Veedel.
Nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Michael Siegenbruck kostet die Durchführung jährlich rund 13.000 Euro. Besonders die Sicherheitsauflagen und der erforderliche Sicherheitsdienst belasten die Vereinskasse.
Dem stehen knapp 80 Mitglieder gegenüber, die jeweils 20 Euro Jahresbeitrag zahlen. Das ergibt rechnerisch rund 1.600 Euro – gerade einmal zwölf Prozent der jährlichen Kosten.
Die übrigen rund 11.400 Euro muss der Verein durch Sponsoren, Spenden und eigene Veranstaltungen erwirtschaften.
Doch genau dort fehlen Einnahmen. Ein Frühschoppen brachte weniger Geld als erhofft, ein geplantes Veedelsfest musste ausfallen. Gleichzeitig sagten zwei Schulen und der Verein Fidele Fortuna ihre Teilnahme aus wirtschaftlichen Gründen ab.
Warum Veedelszöch immer teurer werden
Die Kosten eines Karnevalszugs bestehen längst nicht nur aus Musik und Kamelle. Vor allem Sicherheitsdienste, organisatorische Anforderungen und Logistik belasten die Veranstalter.
Dass dies kein ausschließlich Zollstocker Problem ist, bestätigt das Festkomitee Kölner Karneval. Bereits im Januar 2026 unterstützte es gemeinsam mit REWE die ehrenamtlich organisierten Veedelszüge mit 32 Paletten Wurfmaterial. Damit sollten die Vereine angesichts gestiegener Kosten entlastet werden.
Viele der mehr als 50 Kölner Karnevalsumzüge sind auf Spenden, Sponsoren und ehrenamtliche Unterstützung angewiesen. Fallen Einnahmen weg, kann die Finanzierung schnell schwierig werden.
Ohne Ehrenamtliche fährt kein Zoch
Doch Geld allein reicht nicht aus. Ein Karnevalszug braucht Menschen, die ihn organisieren, Teilnehmer betreuen und Verantwortung übernehmen.
Gerade daran fehlt es zunehmend. Auch in Zollstock ist die personelle Unterstützung nach Angaben des Vereins zurückgegangen. Vorsitzender Michael Siegenbruck will sein Amt bei der Jahreshauptversammlung im November 2026 niederlegen.
Das Festkomitee beschäftigt sich deshalb im Strategieprozess „ALAAF 2040“ mit der Zukunft des Kölner Karnevals. Zu den größten Herausforderungen zählt es steigende Kosten, gesellschaftliche Veränderungen und den drohenden Verlust ehrenamtlicher Helfer.
Ziel ist es, auch die kleineren Karnevalsvereine in den Veedeln langfristig zu stärken.
Hat der Zollstocker Dienstagszug noch eine Zukunft?
Ganz aufgegeben haben die Verantwortlichen den Zug nicht. Für 2028 hofft der Verein auf einen Neustart mit neuen Unterstützern, ausreichend Teilnehmern und einer gesicherten Finanzierung.
Ob das gelingt, bleibt offen.
Die Absage in Zollstock ist kein Beweis dafür, dass sämtliche Veedelszöch gefährdet sind. Sie macht aber deutlich, wie verletzlich eine Tradition werden kann, wenn steigende Kosten, fehlende Teilnehmer und nachlassendes Ehrenamt zusammenkommen.
Denn ein Veedelszoch braucht mehr als Kamelle und Musik: Er braucht Menschen, die ihn bezahlen, organisieren und mit Leben füllen.
Alle geplanten Karnevalszüge der Session 2026/2027 finden sich in unserer aktuellen Zugübersicht.
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