Die Nubbelverbrennung in Köln – das Ende der tollen Tage

Wenn am Karnevalsdienstag in Köln die letzten Stunden der Session anbrechen, wartet noch ein ganz besonderes Ritual: die Nubbelverbrennung. Vor zahlreichen Kneipen und in vielen Veedeln wird in der Nacht zum Aschermittwoch eine Strohpuppe verbrannt – der Nubbel.

Was tagsüber noch ausgelassen gefeiert wurde, bekommt dabei für kurze Zeit einen beinahe feierlichen Charakter. Der Nubbel muss für all das büßen, was während der Karnevalstage passiert ist. Mit seiner Verbrennung endet symbolisch die Zeit des närrischen Ausnahmezustands.

Was ist der Nubbel?

Der Nubbel ist eine meist lebensgroße, mit Stroh ausgestopfte Puppe. Zu Beginn oder während der Karnevalstage wird sie häufig über dem Eingang einer Kneipe angebracht. Dort hängt sie scheinbar unschuldig, während darunter gefeiert, getrunken, geschunkelt und gebützt wird.

Doch seine Rolle ist undankbar.

Am Ende des Karnevals wird der Nubbel zum Sündenbock. Ihm werden die kleinen und großen Verfehlungen der vergangenen Tage angelastet. Zu viel Kölsch getrunken? Der Nubbel war schuld. Zu viel Geld ausgegeben? Der Nubbel. Am nächsten Morgen nicht gewusst, wie man nach Hause gekommen ist? Natürlich ebenfalls der Nubbel.

So sammelt der stumme Geselle während der tollen Tage symbolisch die karnevalistischen Sünden ein.

Warum wird der Nubbel verbrannt?

In der Nacht von Karnevalsdienstag auf Aschermittwoch wird über den Nubbel Gericht gehalten.

Dazu wird die Strohpuppe von ihrem Platz geholt und in einer kleinen Prozession zur späteren Verbrennungsstätte getragen. Die genaue Gestaltung unterscheidet sich von Kneipe zu Kneipe und von Veedel zu Veedel.

Typischerweise tritt ein als Geistlicher oder Zeremonienmeister verkleideter Karnevalist auf und hält eine Art Anklagerede. Darin wird nach dem Schuldigen für sämtliche Ausschweifungen der vergangenen Tage gesucht.

Die Antwort des Publikums steht selbstverständlich längst fest:

Der Nubbel ist schuld.

Das Urteil fällt entsprechend eindeutig aus. Die Puppe wird dem Feuer übergeben.

Mit ihr sollen symbolisch auch die Sünden der Karnevalstage verschwinden.

Vom ausgelassenen Fest zum Abschied

Gerade dieser Stimmungswechsel macht die Nubbelverbrennung besonders.

Wenige Stunden zuvor befinden sich viele Kneipen noch mitten im Straßen- und Veedelskarneval. Dann rückt Mitternacht näher und plötzlich wird aus der Feier ein Abschiedsritual.

Der Nubbel wird beklagt, beschimpft, angeklagt und schließlich verbrannt. Dabei wird natürlich weiterhin gesungen und gelacht. Trotzdem schwingt ein wenig Wehmut mit.

Denn jeder weiß: Jetzt ist der Karneval tatsächlich vorbei.

Mit dem Beginn des Aschermittwochs endet die närrische Zeit. Die Kostüme verschwinden langsam aus dem Straßenbild und für viele beginnt traditionell die Fastenzeit.

Woher kommt der Begriff „Nubbel“?

Der Begriff „Nubbel“ gehört zur kölschen beziehungsweise rheinischen Umgangssprache und kann einen unbestimmten Gegenstand oder eine nicht näher bezeichnete Person meinen.

Bekannt ist etwa die sinngemäße Wendung „dä Nubbel“ für jemanden, dessen Name gerade keine Rolle spielt oder nicht bekannt ist.

Wann genau daraus die heute bekannte Figur des Karnevals entstand, lässt sich weniger eindeutig beantworten, als manche Erzählungen über den Brauch vermuten lassen. Wie bei vielen Karnevalstraditionen haben sich historische Entwicklung, spätere Erklärungen und moderne Ausgestaltung miteinander vermischt.

Deshalb sollte man bei sehr konkreten Behauptungen über einen angeblich jahrhundertealten Ursprung vorsichtig sein. Die heute verbreitete Form der Nubbelverbrennung ist vor allem eine Kölner Karnevalstradition, deren gegenwärtiges Ritual sich im Laufe der Zeit entwickelt hat.

Der Nubbel als Sündenbock

Das Prinzip hinter der Zeremonie ist wesentlich älter als der moderne Kölner Kneipenkarneval: Eine Figur übernimmt stellvertretend die Schuld einer Gemeinschaft und wird anschließend beseitigt.

Beim Nubbel wird dieses Prinzip humoristisch umgesetzt.

Niemand glaubt natürlich ernsthaft, dass eine Strohpuppe für den Kölsch-Konsum oder einen verkaterten Rosenmontag verantwortlich ist. Genau darin steckt der Witz. Die Verantwortung für alle Ausschweifungen wird kurzerhand auf jemanden übertragen, der sich garantiert nicht verteidigen kann.

Der Nubbel wird damit zum perfekten Sündenbock des Karnevals.

Eine Tradition des Kölner Kneipen- und Veedelskarnevals

Anders als Rosenmontagszug, Prinzenproklamation oder große Karnevalssitzungen lebt die Nubbelverbrennung besonders vom lokalen Charakter.

Man erlebt sie nicht auf einer einzigen zentralen Bühne. Zahlreiche Kneipen und Gaststätten veranstalten ihre eigene Zeremonie. Dadurch kann sich die Nubbelverbrennung von Ort zu Ort unterscheiden.

Mancherorts steht die humoristische Gerichtsverhandlung im Mittelpunkt, anderswo die Prozession oder das gemeinsame Singen. Gerade diese Vielfalt gehört zum Charakter des Brauchs.

Die Nubbelverbrennung ist damit weniger eine große organisierte Karnevalsveranstaltung als ein Ritual mitten im Veedel.

Aschermittwoch: Alles vorbei

Kurz nach Mitternacht bleiben schließlich nur noch die Überreste des Nubbels zurück.

Symbolisch ist die Rechnung damit beglichen. Die Verfehlungen der tollen Tage sind verbrannt und der Karneval ist beendet.

Ganz entkommt der Kölner dem vergangenen Karneval allerdings nicht. Traditionell trifft man sich am Aschermittwoch vielerorts zum Fischessen. Gleichzeitig beginnt bereits das Warten auf die nächste Session.

Denn der Nubbel mag verbrannt sein – der nächste Karneval kommt bestimmt.