Das Kölsche Grundgesetz: Die 11 kölschen Lebensweisheiten erklärt
Das Kölsche Grundgesetz gehört zu den bekanntesten Ausdrucksformen der kölschen Lebensart. „Et es wie et es“, „Et kütt wie et kütt“ und „Et hätt noch immer jot jejange“ sind längst weit über Köln hinaus bekannt.
Ein echtes Gesetz ist das Kölsche Grundgesetz natürlich nicht. Vielmehr handelt es sich um eine Sammlung kölscher beziehungsweise rheinischer Redensarten, die mit viel Humor beschreiben, wie man in Köln mit dem Leben und seinen Widrigkeiten umgeht.
Gelassenheit, Optimismus, Gastfreundschaft und Humor spielen dabei ebenso eine Rolle wie die typisch kölsche Fähigkeit, sich mit Dingen zu arrangieren, die sich ohnehin nicht ändern lassen.
Die 11 Artikel des Kölschen Grundgesetzes
Artikel 1: Et es wie et es
Auf Hochdeutsch: „Es ist, wie es ist.“
Der erste Artikel fordert dazu auf, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Nicht jedes Problem lässt sich rückgängig machen und nicht jede Situation verändern.
Das klingt zunächst etwas fatalistisch. Gemeint ist aber vor allem eine pragmatische Haltung: Bevor man sich über etwas ärgert, das bereits geschehen ist, sollte man die Situation zunächst so akzeptieren, wie sie tatsächlich ist.
Artikel 2: Et kütt wie et kütt
Auf Hochdeutsch: „Es kommt, wie es kommt.“
Niemand weiß genau, was morgen passiert. Natürlich kann und sollte man planen. Trotzdem hält sich das Leben nicht immer an unsere Pläne.
„Et kütt wie et kütt“ steht deshalb für Gelassenheit gegenüber der Zukunft. Nicht jede Eventualität muss bereits heute zum Problem gemacht werden.
Artikel 3: Et hätt noch immer jot jejange
Auf Hochdeutsch etwa: „Es ist bisher noch immer gut gegangen.“
Wohl kaum ein anderer Satz bringt den kölschen Optimismus so knapp auf den Punkt.
Selbst wenn eine Situation schwierig erscheint, besteht die Hoffnung, dass am Ende doch eine Lösung gefunden wird. Der Artikel steht damit für Zuversicht und ein gewisses Vertrauen in den Lauf der Dinge.
Natürlich ist das keine Aufforderung zur Verantwortungslosigkeit. Wer erkennbare Gefahren ignoriert und anschließend auf das Kölsche Grundgesetz verweist, hat dessen Humor etwas zu wörtlich genommen.
Artikel 4: Wat fott es, es fott
Auf Hochdeutsch: „Was weg ist, ist weg.“
Vergangenes lässt sich nicht zurückholen. Statt Dingen ewig nachzutrauern, sollte man irgendwann einen Schlussstrich ziehen und nach vorne schauen.
Eine erstaunlich nüchterne Lebensweisheit: Erinnern darf man sich – aber ändern kann man die Vergangenheit nicht mehr.
Artikel 5: Et bliev nix wie et wor
Auf Hochdeutsch: „Nichts bleibt, wie es war.“
Veränderungen gehören zum Leben. Das gilt für Menschen genauso wie für eine Stadt wie Köln.
Auch der Kölner Karneval hat sich im Laufe seiner Geschichte immer wieder verändert. Tradition bedeutet deshalb nicht zwangsläufig Stillstand. Bräuche können bewahrt werden und sich trotzdem weiterentwickeln.
Der fünfte Artikel fordert dazu auf, Veränderungen nicht grundsätzlich abzulehnen.
Artikel 6: Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet
Sinngemäß: „Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, weg damit.“
Dieser Artikel ist deutlich ironischer als die vorherigen. Er karikiert die reflexartige Ablehnung von allem Neuen und Unbekannten.
Gerade darin steckt eine gehörige Portion kölscher Selbstironie. Man darf skeptisch sein – sollte Neuem aber zumindest eine Chance geben, bevor man es verwirft.
Artikel 7: Wat wells de maache?
Auf Hochdeutsch: „Was willst du machen?“
Manchmal stößt selbst der größte Optimist an Grenzen. Es gibt Situationen, auf die man schlicht keinen Einfluss hat.
Dann hilft es wenig, sich stundenlang darüber aufzuregen.
„Wat wells de maache?“ ist deshalb das verbale Schulterzucken des Kölschen Grundgesetzes: Wenn etwas tatsächlich nicht zu ändern ist, muss man einen Weg finden, damit umzugehen.
Artikel 8: Maach et jot, ävver nit zo off
Sinngemäß: „Mach es gut, aber nicht zu oft.“
Hier trifft Lebensfreude auf Maßhalten. Genießen ist erlaubt – Übertreibung muss trotzdem nicht sein.
Im Zusammenhang mit Köln, Kölsch und Karneval bekommt diese Lebensweisheit selbstverständlich noch eine zusätzliche humoristische Ebene.
Artikel 9: Wat soll dä Quatsch?
Auf Hochdeutsch: „Was soll der Quatsch?“
Nicht alles, was wichtig klingt, ist auch wichtig. Manchmal werden einfache Dinge unnötig kompliziert gemacht.
Dann darf man ruhig nach Sinn und Zweck fragen.
Der neunte Artikel steht damit für eine gewisse Skepsis gegenüber unnötigem Aufwand, übertriebener Wichtigkeit und allzu komplizierten Erklärungen.
Artikel 10: Drinkste ene met?
Auf Hochdeutsch: „Trinkst du einen mit?“
Bei diesem Artikel geht es um mehr als ein Glas Kölsch.
Entscheidend ist die Einladung. Jemanden zu fragen, ob er mittrinkt, bedeutet auch: Komm dazu, setz dich zu uns und sei Teil der Runde.
Der Artikel steht deshalb vor allem für Gastfreundschaft, Geselligkeit und Gemeinschaft – Werte, die auch im Kölner Karneval eine wichtige Rolle spielen.
Artikel 11: Do laachs de dich kapott
Auf Hochdeutsch: „Da lachst du dich kaputt.“
Am Ende steht der Humor.
Nicht jedes Problem verschwindet, wenn man darüber lacht. Aber manches lässt sich leichter ertragen, wenn man sich selbst und das Leben nicht permanent bierernst nimmt.
Die Fähigkeit zur Selbstironie gehört deshalb vielleicht zu den wichtigsten Botschaften des gesamten Kölschen Grundgesetzes.
Woher stammt das Kölsche Grundgesetz?
Um das Kölsche Grundgesetz ranken sich unterschiedliche Erklärungen. Dabei muss zwischen den Redensarten selbst und ihrer späteren Zusammenstellung zu einem „Grundgesetz“ unterschieden werden.
Die einzelnen kölschen und rheinischen Lebensweisheiten sind nicht von einem einzigen bekannten Verfasser zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt erfunden worden. Sie entstammen der regionalen Sprach- und Alltagskultur.
Die heute verbreitete Zusammenstellung wird mit dem Kabarettisten Konrad Beikircher und seinem 2001 veröffentlichten Werk „Et kütt wie et kütt – Das Rheinische Grundgesetz“ verbunden.
Das bedeutet: Man sollte das Kölsche Grundgesetz nicht als jahrhundertealtes, unverändert überliefertes Regelwerk darstellen. Historisch belastbarer ist die Aussage, dass traditionelle beziehungsweise verbreitete rheinische Redensarten später unter dem Begriff des Rheinischen oder Kölschen Grundgesetzes zusammengefasst wurden.
Kölsches Grundgesetz und Kölner Karneval
Obwohl das Kölsche Grundgesetz kein eigentliches Karnevalsgesetz ist, passen viele seiner Aussagen hervorragend zum Lebensgefühl des Kölner Karnevals.
Gemeinschaft, Humor, Toleranz und die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, gehören zum Fastelovend. Gleichzeitig lebt der Karneval davon, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft und gesellschaftlicher Stellung miteinander feiern.
Dazu passt eine weitere bekannte kölsche Lebensweisheit besonders gut:
„Jede Jeck es anders.“
Jeder Mensch ist anders – und darf es auch sein.
Mehr als „Et kütt wie et kütt“
Das Kölsche Grundgesetz wird manchmal auf eine Haltung des „Wird schon irgendwie“ reduziert. Damit wird man ihm jedoch nicht ganz gerecht.
In den einzelnen Artikeln steckt eine durchaus differenzierte Lebensphilosophie: Akzeptiere, was du nicht ändern kannst. Habe keine unnötige Angst vor der Zukunft. Trauere Vergangenem nicht ewig hinterher. Bleibe offen für Veränderungen. Sei gastfreundlich. Und verliere deinen Humor nicht.
Vielleicht erklärt genau das, warum die kölschen Lebensweisheiten auch außerhalb Kölns verstanden werden.
Denn für „Et es wie et es“ muss man kein Kölsch sprechen.
Aber op Kölsch klingt et einfach besser.