Hintergrund
NeuDer Kölner Mottoschal 2002 bis heute
Vom karnevalistischen Accessoire zum begehrten Sammlerstück: Die Historie des Kölner Mottoschals und seiner unterschiedlichen Jahrgänge.
Es gibt Dinge, die gehören zum Kölner Karneval wie der Dom zu Köln, das Dreigestirn zum Rosenmontagszug und das Alaaf zum Fastelovend. Für viele Jecken zählt inzwischen auch der Mottoschal dazu. Jahr für Jahr erscheint er in einem neuen Gewand, greift das aktuelle Sessionsmotto auf und wird damit zu einem kleinen Stück Kölner Zeitgeschichte.
Jede Session bekommt ihr eigenes Gesicht
Was den Kölner Mottoschal besonders macht, ist seine jährliche Verwandlung. Die Gestalter beschränken sich nicht darauf, das aktuelle Motto auf einen Stoffstreifen zu drucken. Vielmehr versuchen sie, die Botschaft der Session in Farben, Formen und ungewöhnliche Details zu übersetzen.
Mal leuchtete der Schal mit kleinen LEDs, mal ließ er sich mit anderen Schals zu einer langen Kette verbinden. Ein anderes Mal verwandelte er sich in eine Ringelsocke, einen Theatervorhang oder ein buntes Patchwork aus unterschiedlichen Stoffen.
Dabei spiegeln die Schals nicht nur den Karneval wider, sondern auch gesellschaftliche Entwicklungen. Die Edition zur Session 2014/2015 griff beispielsweise die digitale Vernetzung auf. Der Schal der Corona-Session 2020/2021 wurde zum Symbol für Zusammenhalt in einer Zeit, in der gemeinsames Feiern kaum möglich war.
Die Kölner Mottoschals im Wandel der Jahre
Session 2001/2002 – „Janz Kölle es e Poppespill“
Der Mottoschal zur Session 2001/2002 war in kräftigem Rot gehalten und griff mit seiner Gestaltung die traditionelle Bildsprache des Kölner Karnevals auf.
Besonders auffällig waren die großen weißen Schriftzüge in einer historischen Schriftart. Auf beiden Schalenden war das Kölner Stadtwappen mit Narrenkappe abgebildet.
Rot-weiße Fransen rundeten das Erscheinungsbild ab. Damit setzte der Schal auf eine klassische Gestaltung, bei der das Sessionsmotto und die kölschen Karnevalssymbole im Mittelpunkt standen.

Session 2002/2003 – „Klaaf und Tratsch – auf kölsche Art“
Auch der Mottoschal der Session 2002/2003 präsentierte sich überwiegend in den traditionellen Kölner Karnevalsfarben Rot und Weiß.
Das Sessionsmotto war in auffälliger weißer Frakturschrift auf dem Schal zu lesen. Ergänzt wurde die Gestaltung durch das Kölner Stadtwappen mit Narrenkappe, das auf beiden Schalenden zu sehen war.
Die rot-weißen Fransen unterstrichen den klassischen Charakter. Der Schal verzichtete auf aufwendige Zusatzelemente und stellte stattdessen das Motto und die Verbundenheit mit Köln in den Vordergrund.

Session 2003/2004 – „Laach doch ens, et weed widder wäde!“
Der Mottoschal griff die fröhliche Botschaft des Sessionsmottos auf.
Er war überwiegend rot gestaltet und mit auffälliger gelber Schrift versehen. An einem Schalende befand sich das Kölner Wappen mit Narrenkappe, am anderen ein lachendes Narrengesicht.

Session 2004/2005 – „Kölle un die Pänz us aller Welt“
Der Mottoschal der Session 2004/2005 griff die internationale und generationenübergreifende Botschaft des Sessionsmottos auf.
Der überwiegend rote Schal zeigte neben dem Kölner Stadtwappen mit Narrenkappe eine Gruppe bunt gekleideter Kinder, die gemeinsam ein Schild mit dem Schriftzug „Pänz“ hielten.
Die Gestaltung stellte damit die Kinder in den Mittelpunkt und verband sie mit den traditionellen Symbolen des Kölner Karnevals. Weiße Fransen an beiden Enden bildeten den Abschluss.

Session 2005/2006 – „E Fastelovendsfoßballspill“
Zur Session 2005/2006 stand der Kölner Karneval ganz im Zeichen des Fußballs. Das Sessionsmotto nahm Bezug auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland und verband die Begeisterung für den Sport mit dem kölschen Fastelovend.
Auch der Mottoschal griff diese Verbindung auf. Fußball und Karneval bildeten die thematische Grundlage des Jahrgangs und machten ihn zu einer Erinnerung an ein besonderes Sportjahr.
Das Motto zeigte, wie der Kölner Karneval aktuelle Ereignisse aufgreift und in seine eigene Tradition einbindet.

Session 2006/2007 – „Mir all sin Kölle!“
Der Mottoschal der Session 2006/2007 stand unter dem Leitgedanken der kölschen Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit.
Mit „Mir all sin Kölle!“ rückte das Sessionsmotto die Menschen der Stadt in den Mittelpunkt. Unabhängig von Herkunft und persönlichem Hintergrund sollte der Karneval als verbindendes Element verstanden werden.
Der Mottoschal machte diese Botschaft zu einem sichtbaren Bekenntnis zur Stadt und zum gemeinsamen Fastelovend.

Session 2007/2008 – „Jeschenke för Kölle – uns Kulturkamelle“
Mit dem Sessionsmotto 2007/2008 rückte der Kölner Karneval die kulturelle Vielfalt der Stadt in den Mittelpunkt.
Die „Kulturkamelle“ standen sinnbildlich für die zahlreichen künstlerischen und kulturellen Beiträge, die Köln und seinen Karneval prägen. Der Mottoschal griff das Sessionsmotto als Erinnerung an diese besondere Verbindung von Brauchtum und Kultur auf.
Damit stand der Jahrgang für einen Karneval, der weit über die traditionellen Sitzungen und Umzüge hinaus Teil des kulturellen Lebens der Stadt ist.

Session 2008/2009 – „Unser Fastelovend – himmlisch jeck“
Der Mottoschal der Session 2008/2009 unterschied sich deutlich von den klassischen rot-weißen Vorgängern. Stattdessen dominierte ein kräftiges Himmelblau, das die himmlische Botschaft des Sessionsmottos unmittelbar aufgriff.
Weiße Wolken zierten den Schal und verliehen ihm eine leichte, verspielte Gestaltung. Auf einem Schalende befanden sich die Jahreszahl 2009 und das Kölner Stadtwappen mit Narrenkappe.
Große rote Schriftzüge auf der anderen Seite sorgten für einen auffälligen Kontrast zum blauen Hintergrund. Weiße Fransen rundeten den Schal ab.

Session 2009/2010 – „In Kölle jebützt“
Der Mottoschal der Session 2009/2010 setzte auf eine auffällige rot-weiße Streifengestaltung und griff damit die traditionellen Farben des Kölner Karnevals auf.
Große schwarze Schriftzüge mit weißer Umrandung prägten das Erscheinungsbild. Besonders passend zum Sessionsmotto war der rote Kussmund auf einem der Schalenden, der das kölsche „Bützen“ symbolisierte.
Auf dem anderen Ende befanden sich das Kölner Stadtwappen mit Narrenkappe und der Schriftzug „In Kölle jebützt“. Die Jahreszahl 2010 und weiße Fransen vervollständigten die Gestaltung.

Session 2010/2011 – „Köln hat was zu beaten“
Der Mottoschal war in den traditionellen Farben Rot und Weiß gehalten. Gelbe Blumen und musikalische Symbole ergänzten die Gestaltung.
Auf dem Schal waren das Sessionsmotto, der Schriftzug „Köln“ sowie das Kölner Wappen mit Narrenkappe abgebildet. Ein weiteres Motiv zeigte eine Trommel mit der Jahreszahl 2011.
Weiße Fransen bildeten den Abschluss der beiden Schalenden.

Session 2011/2012 – „Jedem Jeck sing Pappnas“
Der erste gemeinsame Mottoschal von Festkomitee und Deiters war in den traditionellen kölschen Farben Rot und Weiß gehalten. Das Sessionsmotto war auf dem Schal aufgedruckt.
Besonders auffällig waren die beiden Schalenden mit lachenden Clownsgesichtern und Pappnasen. Diese trugen die Aufschriften „Ding“ und „Ming“. Damit wurde das Motto auch gestalterisch aufgegriffen.

Session 2012/2013 – „Fastelovend em Blot, he un am Zuckerhot“
Der Schal war ebenfalls überwiegend rot-weiß gestaltet. Das Sessionsmotto erstreckte sich über Vorder- und Rückseite.
Eine Besonderheit waren kleine „Jeschenke us Rio“, die der Verpackung beilagen. Sie unterstrichen die Verbindung zwischen dem Kölner Karneval und dem Karneval in Rio de Janeiro.

Session 2013/2014 – „Zokunf – Mer spingkse wat kütt“
Passend zum Zukunftsmotto erhielt der Schal eine futuristische Gestaltung.
Seine Besonderheit waren integrierte LED-Leuchten an beiden Enden. Damit konnte der Mottoschal tatsächlich leuchten und setzte auch technisch einen neuen Akzent.

Session 2014/2015 – „social jeck – kunterbunt vernetzt“
Der Mottoschal präsentierte sich in einer besonders farbenfrohen Gestaltung.
An den Enden befanden sich Druckknöpfe, mit denen mehrere Schals miteinander verbunden werden konnten. So wurde die Idee der Vernetzung unmittelbar sichtbar und erlebbar.

Session 2015/2016 – „Mer stelle alles op der Kopp“
Bei diesem Schal wurde die übliche Gestaltung bewusst auf den Kopf gestellt.
Der Schal war knallbunt und trug seine Bommel nicht wie gewohnt ausschließlich an den Enden, sondern entlang einer Längsseite. Damit setzte die Gestaltung das Sessionsmotto auf ungewöhnliche Weise um.

Session 2016/2017 – „Wenn mer uns Pänz sinn, sin mer vun de Söck“
Dieser Mottoschal war als überlange, bunt geringelte Socke gestaltet.
Die fröhlichen Farben und die Abbildungen von Kindern griffen das Sessionsmotto auf. Der Schal gehörte damit zu den besonders originellen und leicht wiedererkennbaren Jahrgängen.

Session 2017/2018 – „Mer Kölsche danze us der Reih“
Die Gestaltung erinnerte an ein karnevalistisches Tanzpaar.
Ein Schalende zeigte einen plissierten Rock, wie ihn ein Tanzmariechen trägt. Das andere Ende war der Uniformmanschette eines Gardeoffiziers nachempfunden.
Damit würdigte der Schal die große Tradition des karnevalistischen Tanzes.

Session 2018/2019 – „Uns Sproch es Heimat“
Dieser Mottoschal stellte die kölsche Sprache in den Mittelpunkt.
Die Gestaltung zeigte bunte Sprechblasen im Pop-Art-Stil. Darin fanden sich kölsche Begriffe wie „Bützje“ und „Fründe“.
Eine rote Clownsnase diente als Verschluss. Zusätzlich verfügte der Schal über eine praktische Reißverschlusstasche.

Session 2019/2020 – „Et Hätz schleiht em Veedel“
Der Mottoschal war im Stil eines bunten Patchworks gestaltet und erinnerte an das Kostüm eines traditionellen Lappenclowns.
Verschiedene Farben und Stoffmuster symbolisierten die Vielfalt der Kölner Veedel.
Ein Stoffherz mit Knopfloch ermöglichte es, die beiden Schalenden miteinander zu verbinden.

Session 2020/2021 – „Nur zesamme sin mer Fastelovend“
Dieser Jahrgang stand ganz im Zeichen des Zusammenhalts.
Die Gestaltung zeigte einen blauen Kölner Dom mit Augen und roter Clownsnase. Hinzu kamen bunte Puzzleteile, die das gemeinsame Miteinander symbolisierten.
Gerade während der Corona-Pandemie erhielt das Motto eine besondere Bedeutung. Der Schal wurde zu einem sichtbaren Zeichen der Verbundenheit, obwohl viele karnevalistische Veranstaltungen nicht wie gewohnt stattfinden konnten.

Session 2021/2022 – „Alles hät sing Zick“
Der Mottoschal erschien in fünf unterschiedlichen Designvarianten mit verschiedenen Karnevalsimpressionen.
Zu den auffälligen Elementen gehörte eine große Uhr mit roter Pappnase, die zugleich als Schlaufe genutzt werden konnte.
Historische Sessionsmottos in Graffiti-Schrift erinnerten an vergangene Karnevalsjahre. Eine integrierte Tasche ergänzte die Gestaltung.

Session 2022/2023 – „200 Jahre Kölner Karneval – Ov krüzz oder quer“
Zum 200-jährigen Jubiläum des organisierten Kölner Karnevals wurde der Mottoschal besonders farbenfroh gestaltet.
Regenbogenfarben, ein bunter Kölner Dom und der Jubiläumsschriftzug prägten das Erscheinungsbild.
Auch dieser Schal verfügte über eine Tasche und einen Verschluss.

Session 2023/2024 – „Wat e Theater – wat e Jeckespill“
Passend zum Motto erinnerte dieser Mottoschal an einen klassischen Theatervorhang.
Der Stoff war in einem dunklen Rot gehalten und wurde durch goldfarbene Quasten sowie bunte Pompons ergänzt.
Die Gestaltung verband damit die Welt des Theaters mit dem kölschen Fastelovend. Eine Reißverschlusstasche sorgte für zusätzlichen praktischen Nutzen.

Session 2024/2025 – „FasteLOVEnd – Wenn Dräum widder blöhe“
Der Mottoschal griff die Flowerpower-Zeit und die Symbolik von Liebe, Hoffnung und Gemeinschaft auf.
Blumenmotive, Herzen, Fransen und Elemente in Jeansoptik bestimmten die Gestaltung.
Ein Blumenknopf diente als Verschluss und ergänzte den bewusst verspielten Charakter dieses Jahrgangs.

Session 2025/2026 – „ALAAF – Mer dun et för Kölle“
Dieser Mottoschal würdigte das ehrenamtliche Engagement und die Menschen, die sich für den Kölner Karneval und ihre Stadt einsetzen.
Die farbenfrohe Gestaltung zeigte zwei dreidimensionale Hände, die gemeinsam ein Herz um das Kölner Stadtwappen formten.
Damit wurde die Verbundenheit mit Köln und das gemeinschaftliche Engagement besonders deutlich hervorgehoben.

Session 2026/2027 – „Morje es, wat do drus mähs!“
Der Mottoschal der Session 2026/2027 greift die Idee auf, die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.
Die Gestaltung ist farbenfroh und zukunftsorientiert. Als besonderes Element gehört ein abnehmbares Steuerrad dazu, das sinnbildlich dafür steht, den eigenen Kurs zu bestimmen.
Vom Karnevalsartikel zum Sammlerstück
Mit den Jahren entwickelte sich der Mottoschal zu einem begehrten Erinnerungsstück. Viele Karnevalsfreunde sammeln die verschiedenen Jahrgänge und können an den unterschiedlichen Motiven ihre ganz persönliche Geschichte des Fastelovends ablesen.
Auch wirtschaftlich wurde der Schal zu einem Erfolg. Nach veröffentlichten Angaben stieg der jährliche Absatz von ursprünglich etwa 20.000 auf rund 50.000 Exemplare im Jahr 2023.
Dabei erfüllt er noch eine weitere Aufgabe: Ein Teil der Erlöse kommt dem Kölner Karneval und sozialen Projekten zugute. So unterstützt der Mottoschal auch die Weitergabe des Brauchtums an kommende Generationen.
Ein tragbares Archiv kölscher Geschichte
Wer die Mottoschals der vergangenen Jahre nebeneinanderlegt, erkennt, wie sich der Kölner Karneval verändert hat und welche Themen die Stadt bewegt haben.
Jeder Jahrgang erzählt seine eigene Geschichte. Manche Schals erinnern an besondere Jubiläen, andere an gesellschaftliche Entwicklungen oder an die Herausforderungen ihrer Zeit.
Der Kölner Mottoschal ist deshalb weit mehr als ein wärmendes Kleidungsstück. Er ist ein Symbol der Verbundenheit, ein Erinnerungsstück und inzwischen auch ein kleines, tragbares Archiv des kölschen Fastelovends.
Und vielleicht liegt gerade darin sein besonderer Reiz: Während eine Karnevalssession nach wenigen Wochen wieder Geschichte ist, bleibt ihr Mottoschal als sichtbare Erinnerung erhalten.
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