Herkunft und erste Auftritte
Adam Kranz stammte aus Alt-Hürth und lebte später in Berrenrath. Schon als Schüler entdeckte er seine Begabung für die Bütt: 1959, im Alter von zwölf Jahren, trat er bei Schulsitzungen auf. Beim Nachwuchswettbewerb im alten Saal Steinfeld erzielte er große Lacher. Dieser Erfolg wurde zum Ausgangspunkt einer Bühnenlaufbahn, die sich über fünf Jahrzehnte erstreckte und Kranz weit über Hürth hinaus bekannt machte.
Vom „Buure Soldat“ zum Reporter
Lange Zeit verkörperte Kranz die Type „Ne Buure Soldat“. Ende der 1980er-Jahre entwickelte er dann jene Figur, mit der sein Name dauerhaft verbunden blieb: den „Reporter vum Buure Blättche“, häufig auch „Reporter vum Boore Blättche“ geschrieben. Gemeint ist der Reporter einer erfundenen Bauernzeitung. Mit diesem Wechsel fand Kranz eine Rolle, die bäuerliche Schläue, kölsche Alltagserfahrung und närrische Berichterstattung verband.
Die Bühnenfigur
Erkennungszeichen des Reporters waren karierter Hut, Fliege und Nickelbrille. In diesem Kostüm berichtete Kranz scheinbar sachlich über Ereignisse, führte seine Meldungen jedoch durch Pointen, Wortspiele und überraschende Wendungen ins Absurde. Seine Vorträge standen in der Tradition der kölschen Büttenrede: Entscheidend waren Sprache, Rhythmus, Mimik und der direkte Kontakt zum Saal. Die Reporterrolle erlaubte ihm, wechselnde Themen aus Alltag und Karneval in eine dem Publikum sofort vertraute Figur einzubauen.
Erfolge im Karneval
Kranz wurde zu einer festen Größe des Kölner und rheinischen Sitzungskarnevals. Seine Auftritte führten ihn auf Bühnen und ins Fernsehen. Für die ZDF-Sendung „Karnevalissimo“ wurde der „Reporter vum Boore Blättche“ 2006 angekündigt; 2008 gehörte Kranz zum Programm der ARD-Fernsehsitzung „Karneval in Köln“. Der WDR nahm ihn später in eine Rückschau auf bedeutende Büttenredner aus fünf Jahrzehnten auf. 2005 erhielt er den „Goldenen Kappes“ der Nippeser Bürgerwehr. Mehrere Gesellschaften ernannten ihn zum Ehrenmitglied.
Prinz Adam II.
In der Session 2006/2007 ließ Kranz seine Reporterfigur ruhen und erfüllte sich einen Wunsch: Bei der Prinzengarde Rot-Weiß in seinem Geburtsort Alt-Hürth wurde er als Adam II. Karnevalsprinz. Die Idee war rund zehn Jahre zuvor auf einem Bierdeckel festgehalten worden, als seine Frau Marianne in Berrenrath Prinzessin war. Auch dort war Kranz eng mit dem Fastelovend verbunden; viele Jahre führte er an Weiberfastnacht den Karnevalszug an.
Tod und Nachwirkung
2009 feierte Adam Kranz sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Am 14. Juli desselben Jahres starb er nach einer Krebserkrankung im Alter von 62 Jahren. Mehr als 500 Trauergäste nahmen in St. Wendelinus in Berrenrath Abschied; dort wurde er beigesetzt. In Erinnerung blieb er als volkstümlicher Reporter, der die klassische Büttenrede mit einer klar gezeichneten Figur verband. Fernsehaufzeichnungen und Rückblicke bewahren seine Vorträge und dokumentieren seinen Platz in der Geschichte des kölschen Fastelovends.
Art: Redner
Status: Aktiv