Wenn Hans-Dieter Hahn-Möseler und Rainer Krewinkel als „Botz un Bötzje“ auf der Bühne stehen, treffen zwei unterschiedliche Charaktere aufeinander. Beide erzählen, foppen und unterbrechen sich, greifen Bemerkungen des Publikums auf und verwandeln alltägliche Situationen in ein karnevalistisches Zwiegespräch.
Das Duo stammt aus der Eifel, ist aber seit vielen Jahren eng mit dem Kölner Karneval verbunden. Botz un Bötzje treten in kleinen Kneipen ebenso auf wie in den großen Sälen der Domstadt. Ihr Programm setzt auf Alltagsgeschichten, Wortwitz und das eingespielte Zusammenspiel zweier Redner.
Hans-Dieter Hahn-Möseler und Rainer Krewinkel
Hinter Botz un Bötzje stehen Hans-Dieter Hahn-Möseler und Rainer Krewinkel. Die beiden Karnevalisten kommen aus der Region Mechernich und verfügen über jahrzehntelange Bühnenerfahrung.
In ihrem Zwiegespräch übernehmen sie unterschiedliche Rollen. Botz ist Hans-Dieter Hahn-Möseler, während Rainer Krewinkel als Bötzje auftritt. Die Figuren leben von Gegensätzen: Der eine beginnt eine Geschichte, der andere versteht sie falsch, fällt ihm ins Wort oder führt den Gedanken in eine unerwartete Richtung.
Dadurch entsteht ein ständiger Wechsel zwischen Erzählen und Reagieren. Die Pointen werden nicht einfach nacheinander vorgetragen, sondern entwickeln sich aus dem Gespräch der beiden Figuren.
Was bedeutet „Botz un Bötzje“?
Der Name des Duos stammt aus der kölschen Sprache. Eine „Botz“ ist eine Hose, das „Bötzje“ entsprechend die kleinere oder verniedlichte Form. Schon im Namen wird damit ein Größenunterschied zwischen den beiden Bühnenfiguren angedeutet.
Die unterschiedliche Körpergröße gehört zum Spiel der beiden Künstler. Sie bietet Anlass für gegenseitige Bemerkungen und gibt den Figuren ein unverwechselbares Erscheinungsbild. Das Duo beschränkt sich jedoch nicht auf einen einzigen äußeren Gegensatz. Entscheidend ist die unterschiedliche Art, auf Geschichten und Situationen zu reagieren.
Botz und Bötzje erscheinen wie zwei Bekannte, die sich gut verstehen, einander aber keine Pointe schenken. Mal versucht einer, besonders klug zu wirken, mal durchschaut der andere die Geschichte schneller. Am Ende kann sich das vermeintliche Bötzje als der Schlagfertigere erweisen.
Geschichten aus dem Alltag
Das Programm besteht überwiegend aus Begebenheiten, die dem Publikum bekannt vorkommen. Familie, Partnerschaft, technische Neuerungen, Missverständnisse zwischen den Generationen und die kleinen Schwierigkeiten des täglichen Lebens liefern den Stoff.
Politische Themen stehen weniger im Mittelpunkt. Ebenso verzichtet das Duo nach eigener Darstellung weitgehend auf derbe Witze. Der Humor soll frech sein, ohne seine Herzlichkeit zu verlieren.
Gerade alltägliche Themen eignen sich gut für ein Zwiegespräch. Jeder Zuschauer kennt Situationen, in denen zwei Menschen aneinander vorbeireden, einfache Dinge unnötig kompliziert machen oder eine Geschichte völlig unterschiedlich beurteilen.
Botz un Bötzje greifen solche Beobachtungen auf und übertreiben sie. Aus einem gewöhnlichen Gespräch kann sich so Schritt für Schritt eine absurde Situation entwickeln.
Die Tradition des karnevalistischen Zwiegesprächs
Zwiegespräche gehören zu den klassischen Formen der rheinischen Karnevalsunterhaltung. Anders als ein einzelner Büttenredner können sich zwei Künstler gegenseitig die Pointen zuspielen. Einer bereitet den Witz vor, während der andere ihn überraschend zu Ende führt.
Berühmte Duos wie das Colonia Duett prägten diese Form über Jahrzehnte. Botz un Bötzje stehen in dieser Tradition, ohne frühere Künstler einfach zu kopieren. Sie übertragen das Prinzip auf ihre eigenen Figuren und auf Themen aus der heutigen Lebenswelt.
Dabei kommt es besonders auf das Timing an. Eine Unterbrechung darf weder zu früh noch zu spät erfolgen. Auch kurze Pausen, Blicke und Gesten können Teil einer Pointe sein. Nach vielen gemeinsamen Auftritten wissen Hahn-Möseler und Krewinkel genau, wann der andere eine Geschichte weiterführt oder Raum für eine spontane Reaktion lässt.
Das Publikum darf mitreden
Ein wichtiger Bestandteil ihrer Auftritte ist die Nähe zum Publikum. Botz un Bötzje reagieren auf Zwischenrufe und spontane Bemerkungen. Dadurch kann derselbe Vortrag bei jeder Veranstaltung etwas anders verlaufen.
Diese Arbeitsweise verlangt Erfahrung. Eine Antwort muss schnell kommen, darf aber den roten Faden des Programms nicht zerstören. Gelingt das Zusammenspiel, entsteht der Eindruck, als entwickle sich die gesamte Nummer erst im jeweiligen Saal.
Besonders gut funktioniert diese Form in kleineren Räumen. Bei Kneipensitzungen befinden sich die Künstler beinahe mitten im Publikum. Die Grenzen zwischen Bühne und Zuschauerraum werden dadurch durchlässiger.
Eine Reportage über die Mechernicher Kneipensitzung 2025 beschreibt die Atmosphäre entsprechend als familiär und ungezwungen. Auch dort bezog das Duo Reaktionen aus dem Publikum unmittelbar in seinen Auftritt ein.
Auf den großen Bühnen des Kölner Karnevals
Obwohl Botz un Bötzje aus der Eifel kommen, sind sie seit vielen Jahren auf Kölner Bühnen zu Hause. Zu den dokumentierten Spielorten gehören der Gürzenich, die Sartory-Säle, der Kristall-Saal der Koelnmesse und das Maritim Hotel.
Darüber hinaus tritt das Duo auf Gala-, Prunk-, Pfarr-, Kostüm-, Damen- und Herrensitzungen auf. Auch für Sommerfeste, Firmenveranstaltungen, Geburtstage sowie Schiffsfahrten auf Rhein und Mosel wird das Programm angeboten.
Ein typischer Auftritt dauert nach Angaben der Karnevalsagentur Swist Event ungefähr 25 Minuten. Damit entspricht die Darbietung der üblichen Länge eines Rednerbeitrags im Sitzungskarneval.
Die Mechernicher Kneipensitzung
Botz un Bötzje treten nicht nur bei bestehenden Veranstaltungen auf, sondern organisieren auch eine eigene Kneipensitzung. Seit 2018 findet diese im Restaurant Magu in Mechernich statt.
Das Konzept setzt auf einen kleinen Raum, unmittelbaren Kontakt und eine Mischung aus bekannten Kölner Künstlern sowie Kräften aus der Region. Die auftretenden Karnevalisten verzichten dabei auf eine Gage, damit ein möglichst großer Teil der Einnahmen einem guten Zweck zugutekommen kann.
Die Veranstaltung entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem festen Termin. Wegen der begrenzten Zahl an Plätzen sind die Vorstellungen regelmäßig stark nachgefragt.
Engagement nach der Hochwasserkatastrophe
Nach der Hochwasserkatastrophe im Jahr 2021 nutzten Hahn-Möseler und Krewinkel ihre Veranstaltungen und Kontakte, um Betroffene in ihrer Heimatregion zu unterstützen. Eine Ausgabe der Kneipensitzung brachte weitere Spenden für die Mechernich-Stiftung ein.
Nach Angaben der Stadt Mechernich konnte das Duo durch karitative Veranstaltungen und Spendensammlungen insgesamt rund 30.000 Euro für Hochwasserbetroffene mobilisieren. Dabei waren die beiden selbst in ihrem Wohnumfeld von den Wassermassen betroffen.
Dieses Engagement zeigt, dass ihre Arbeit nicht an der Bühnenkante endet. Der Karneval wird hier als Gemeinschaft verstanden, in der Künstler ihre Bekanntheit und organisatorische Erfahrung auch für soziale Zwecke einsetzen.
Zwei Figuren mit viel Bühnenerfahrung
Botz un Bötzje stehen für eine Form des Karnevals, die von Sprache, Beobachtung und persönlichem Zusammenspiel lebt. Hans-Dieter Hahn-Möseler und Rainer Krewinkel benötigen keine große Band und keine aufwendige Bühnentechnik. Ihre wichtigsten Mittel sind Stimme, Mimik, Gestik und ein gutes Gespür für den richtigen Augenblick.
Der Erfolg des Duos beruht auf einer einfachen, aber anspruchsvollen Grundlage: Zwei Menschen erzählen miteinander, verstehen sich absichtlich falsch und lassen das Publikum an ihrem freundschaftlichen Streit teilhaben.
Damit halten Botz un Bötzje die Tradition des karnevalistischen Zwiegesprächs lebendig. Sie zeigen zugleich, dass diese Bühnenform nicht im Gestern verharren muss. Solange es Familiengeschichten, Missverständnisse und menschliche Eigenarten gibt, wird ihnen der Stoff für neue „Verzälcher för ze laache“ nicht ausgehen.