Rund 15 Jahre lang standen die Cölln Girls für weibliche Stimmen, kölsche Texte und schwungvolle Bühnenauftritte. Die Gesangsgruppe gehörte zu den bekannten Frauenformationen des Kölner Karnevals und war während der Session auf zahlreichen Sitzungen, Partys und öffentlichen Veranstaltungen zu erleben.
Mit Liedern wie „Lommer danze“, „En Kölle jebütz“ und „Nemm mich ens in d’r Ärm“ hinterließen die Cölln Girls ein Repertoire, das teilweise auch nach der Auflösung der Gruppe im Jahr 2017 weiter im Karneval zu hören war.
Der Beginn mit „Lommer danze“
Die Geschichte der Cölln Girls begann in der Session 2001/2002. Bereits der Name machte deutlich, wo die Gruppe musikalisch und sprachlich zu Hause war. Im Mittelpunkt standen Köln, der Fastelovend und eine selbstbewusste weibliche Perspektive auf die kölsche Musik.
Die erste Single „Lommer danze“ erschien 2002. Der Titel wurde zum musikalischen Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung der Gruppe. Tanz, Bewegung und gemeinsames Feiern bestimmten nicht nur den Inhalt des Liedes, sondern ebenso die späteren Bühnenprogramme.
In den folgenden Jahren traten die Cölln Girls bei der Närrischen Hitparade des WDR auf und konnten dort mehrfach vordere Platzierungen erreichen. Die Gruppe erhielt außerdem den Nachwuchspreis von Radio Köln und die Auszeichnung „Goldene Leiter“.
Wechselnde Besetzungen im Laufe der Jahre
Die Zusammensetzung der Cölln Girls veränderte sich während ihrer rund 15-jährigen Geschichte mehrfach. Zu den langjährigen Mitgliedern gehörten unter anderem Sonja Vorholt, Melanie Ende und Carolin Beca, die in älteren Quellen teilweise unter dem Namen Carolin Kayser geführt wird.
Die ostbelgische Sängerin Jenny Palm verstärkte die Gruppe zunächst in der Session 2007/2008. Seit der folgenden Session gehörte sie dauerhaft zu den Cölln Girls. Palm war gleichzeitig als Frontsängerin der ostbelgischen Coverband Wallstreet bekannt und brachte entsprechende Live-Erfahrung mit.
Ein Porträt im GrenzEcho beschrieb die damalige Besetzung mit Carolin, Jenny, Melanie und Sonja. Alle vier legten Wert darauf, trotz eines einheitlichen Erscheinungsbildes unterschiedliche Persönlichkeiten auf der Bühne zu zeigen.
Über die Jahre war die Gruppe sowohl als Quartett als auch in anderen Besetzungen zu erleben. Gemeinsam blieb den Sängerinnen die Verbindung von mehrstimmigem Gesang, einstudierten Bewegungen und kölscher Unterhaltungsmusik.
Bis zu 80 Auftritte in einer Session
Während der Wochen zwischen dem 11. November und Aschermittwoch absolvierten die Cölln Girls ein umfangreiches Programm. Für die Session 2010/2011 wurden etwa 70 bis 80 Auftritte genannt.
Damit gehörten die Sängerinnen zu den Gruppen, die während der kurzen Karnevalszeit fast täglich unterwegs waren. Die Auftritte führten sie nicht nur auf Kölner Sitzungen, sondern ebenso zu Veranstaltungen im Umland und in andere rheinische Karnevalshochburgen.
Zum Programm gehörten große Festzelte und Karnevalspartys ebenso wie Vereins- und Prunksitzungen. Auch bei der Eröffnung des Straßenkarnevals und bei Veranstaltungen rund um den Elften im Elften standen die Cölln Girls auf der Bühne.
Außerhalb der Session trat die Gruppe auf Straßenfesten, Sommerveranstaltungen und kölschen Abenden auf. Dadurch waren die Sängerinnen nicht ausschließlich als saisonale Karnevalsformation aktiv.
Kölsche Musik zwischen Ballade und Stimmungslied
Musikalisch beschränkten sich die Cölln Girls nicht auf einen einzigen Stil. Das Repertoire reichte von ruhigen und gefühlvollen Liedern bis zu schnellen Titeln mit rockigen oder schlagerähnlichen Elementen. Gemeinsames Merkmal war in vielen Fällen die kölsche Sprache.
Die Bühnenprogramme verbanden Gesang und Tanz. Passende Choreografien und ein einheitliches Auftreten waren ein wichtiger Teil der Darbietung. Gleichzeitig sollten die individuellen Charaktere der Sängerinnen erkennbar bleiben.
Diese Mischung passte gut zu den Veränderungen im Kölner Karneval der 2000er-Jahre. Musikgruppen wurden moderner, Tanz und Show gewannen an Bedeutung und neben den klassischen Männerbands traten zunehmend weibliche Formationen in Erscheinung.
Bekannte Titel der Cölln Girls
Nach „Lommer danze“ veröffentlichten die Cölln Girls über die Jahre zahlreiche weitere Sessionslieder. Zu den bekannten Titeln gehören:
- „En Kölle jebütz“
- „Mir sin jung, mir sin frei“
- „Nemm mich ens in d’r Ärm“
- „Sha-la-la, Sha-la-lee“
- „Tatütata – hier kommt die Polizei“
- „Wenn de Sonn opjeiht“
- „Drink met mir us einem Jlas“
„En Kölle jebütz“ erschien 2009 und stellte das kölsche Lebensgefühl in den Mittelpunkt. „Mir sin jung, mir sin frei“ entstand nach Angaben früherer Künstlerporträts aus der Gruppe selbst.
Mit „Nemm mich ens in d’r Ärm“ präsentierten die Sängerinnen einen ruhigeren Titel. Das Lied entwickelte sich zu einer gefühlvollen Schunkelnummer und wurde später auch von anderen kölschen Gesangsgruppen aufgegriffen. Auf der Compilation „Karneval der Stars“ war der Titel neben Veröffentlichungen von Brings, Höhner, Räuber, Paveier und weiteren bekannten Künstlern vertreten.
„Drink met mir us einem Jlas“ gehörte zu den letzten Veröffentlichungen der Gruppe und erschien zur Session 2015/2016. Damit blieben die Cölln Girls bis zum Ende ihrer aktiven Zeit musikalisch präsent.
Frauen im von Männern geprägten Sitzungskarneval
Die Cölln Girls waren Teil einer Entwicklung, durch die weibliche Musikgruppen auf den Kölner Karnevalsbühnen sichtbarer wurden. Zwar hatte es bereits zuvor erfolgreiche Sängerinnen und Frauenformationen gegeben, viele große Bands und Rednergruppen waren jedoch weiterhin überwiegend männlich besetzt.
Mit ihren choreografierten Auftritten und ihrer selbstbewussten Präsentation zeigten die Cölln Girls eine eigene Form von Frauenpower. Sie standen nicht als Begleitung anderer Künstler auf der Bühne, sondern bildeten einen selbstständigen Programmpunkt.
Dabei mussten sie dieselben Anforderungen erfüllen wie jede andere Karnevalsgruppe: Innerhalb weniger Minuten galt es, die Aufmerksamkeit des Saales zu gewinnen, bekannte Refrains zu präsentieren und das Publikum zum Mitsingen oder Schunkeln zu bewegen.
Auflösung nach rund 15 Jahren
Nach der Session 2015/2016 entschieden sich die Cölln Girls, ihre gemeinsame Laufbahn zu beenden. Im Januar 2017 wurde die Auflösung öffentlich bekannt.
Als Gründe nannten die Mitglieder vor allem familiäre und berufliche Veränderungen. Die Sängerinnen waren neben ihren Auftritten weiterhin berufstätig, mehrere hatten inzwischen Kinder oder erwarteten Nachwuchs. Der Aufwand einer Karnevalssession ließ sich deshalb immer schwerer mit dem Privatleben vereinbaren.
Statt neue Mitglieder zu suchen und die Gruppe mit einer weitgehend veränderten Besetzung fortzuführen, entschieden sie sich gemeinsam für einen Schlussstrich. Die freundschaftliche Verbindung untereinander sollte jedoch bestehen bleiben. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete damals ausführlich über die Entscheidung.
Heute führt auch der Stammtisch Kölner Karnevalisten die Cölln Girls unter den ehemaligen Gruppierungen seiner Vereinigung.
Ein Stück kölsche Musikgeschichte
Die Cölln Girls standen für eine Phase des Kölner Karnevals, in der weibliche Gesangsgruppen neue Akzente setzten. Ihre Auftritte verbanden kölsche Mundart mit modernen Arrangements, choreografierter Bewegung und einer deutlich sichtbaren Freude an der Bühne.
Nach rund 15 Jahren endete die gemeinsame Geschichte bewusst und ohne den Versuch, die ursprüngliche Formation um jeden Preis weiterzuführen. Geblieben sind Aufnahmen, Erinnerungen an zahlreiche Sitzungen und Lieder, die weiterhin zur kölschen Musikgeschichte gehören.
Vor allem „Lommer danze“ und „Nemm mich ens in d’r Ärm“ erinnern daran, wie die Cölln Girls den Karneval über viele Sessionen mitgestaltet haben: schwungvoll, weiblich und unverkennbar kölsch.