De Vier Botze

Vier Botze

De Vier Botze waren eines der bedeutendsten Gesangsquartette des Kölner Karnevals. Die Gruppe wurde 1933 gegründet und verband kölsche Mundart, mehrstimmigen Gesang, Instrumentalmusik und humorvolle Bühnendarbietungen. Ihre Lieder und Aufnahmen wurden weit über Köln hinaus bekannt. Zugleich legten die Musiker einen wichtigen Grundstein für spätere Generationen kölscher Künstler.

Der Name der Gruppe wird gelegentlich fälschlich als „Vier Bote“ wiedergegeben. Richtig heißt sie „De Vier Botze“. Das kölsche Wort „Botz“ bedeutet auf Hochdeutsch „Hose“. Passend zu ihrem Namen traten die Sänger zeitweise in auffällig weiten Hosen auf.

Von der Straße zum Rundfunk

Gegründet wurde das Quartett 1933 von Hans Süper senior, Hans Philipp Herrig, Gerhard Böckem und Ferdinand Vossenberg. Wie bei vielen Künstlern des damaligen Kölner Karnevals gehörten zu den bürgerlichen Namen auch markante Spitznamen. Hans Süper senior wurde beispielsweise „de Stump“ genannt.

Ihre Karriere begannen De Vier Botze als Straßenmusiker. Mit vierstimmigem Gesang und einer zurückhaltenden instrumentalen Begleitung zogen sie durch Köln. Zum Einsatz kamen unter anderem Gitarren, Mandriola und gelegentlich ein Akkordeon. Das Quartett sang eigene kölsche Lieder, bearbeitete aber auch bekannte Schlager und Volkslieder.

Die Verbindung aus Musik und Humor erwies sich als erfolgreich. Bald folgten Auftritte im Rundfunk und erste Schallplattenaufnahmen. Zu den frühen Titeln gehörte Jo, die uss d’r Spillmannsjass, dessen Musik Hans Süper senior geschrieben hatte. Eine Aufnahme des Liedes entstand 1938.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Karriere der Gruppe unterbrochen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Sänger bereits zahlreiche Aufnahmen veröffentlicht. Nach dem Krieg fanden De Vier Botze erneut zusammen und wurden zu einem wichtigen Bestandteil der rheinischen Unterhaltungsmusik.

Die bekannte Besetzung

In der Nachkriegszeit bestand das Quartett aus Hans Süper senior, Richard Engel, Jakob Ernst und Hans Philipp Herrig. Die vier Musiker waren in Köln vor allem unter ihren Spitznamen bekannt:

  • Hans Süper senior war „de Stump“ und wirkte als Komponist und Arrangeur.
  • Richard Engel hieß „d’r Rickes“ und war Komiker sowie einer der auffälligsten Sänger der Gruppe.
  • Jakob Ernst wurde „de Ähz“, also „die Erbse“, genannt.
  • Hans Philipp Herrig war „d’r Kromm“ und arbeitete unter anderem als Texter.

Ihre unterschiedlichen Stimmen und Persönlichkeiten ergänzten sich zu einem geschlossenen Ensemble. Dabei stand nicht ein einzelner Frontmann im Mittelpunkt. Der besondere Klang entstand aus dem Zusammenspiel der vier Sänger.

„En d’r Kayjass Nummer Null“

Der bekannteste Titel im Repertoire der Vier Botze ist En d’r Kayjass Nummer Null, vielfach auch unter dem Refrain Dreimol null es null bekannt. Das Lied wurde ursprünglich in der Karnevalssession 1938/39 von der Straßensängergruppe Drei Laachduve vorgetragen. Die überarbeitete Fassung der Vier Botze aus der Nachkriegszeit machte den Titel schließlich in Köln populär.

Im Mittelpunkt steht eine Schulklasse, deren Schüler mit viel Witz von ihrem Unterricht und ihren Streichen erzählen. Der im Lied erwähnte Lehrer Welsch geht auf den tatsächlich existierenden Pädagogen Heinrich Welsch zurück. Dieser arbeitete allerdings nicht an der besungenen Schule in der Kaygasse, sondern unterrichtete in Köln-Kalk.

Die Fassung der Vier Botze wurde zu einem Evergreen der kölschen Musik. Später nahmen die Bläck Fööss das Lied neu auf und machten es einer weiteren Generation bekannt.

Als Colonia Quartett über Köln hinaus

In den 1950er-Jahren wuchs die Bekanntheit der Gruppe. Außerhalb des Rheinlands konnten jedoch nur wenige Menschen etwas mit dem kölschen Namen „De Vier Botze“ anfangen. Deshalb trat das Ensemble überregional auch unter der Bezeichnung „Colonia Quartett“ auf.

Die Sänger waren nicht nur mit eigenen Liedern erfolgreich. Sie begleiteten zahlreiche bekannte Künstler bei Schallplattenaufnahmen. Dazu gehörten Karl Berbuer, Willy Schneider und sogar der Komiker Heinz Erhardt. Gemeinsam mit anderen Interpreten entstanden Titel wie Friedenspfeifen-Samba, 1900 Jahr steht unser Kölle am Rhing und Onkel-Otto-Walzer.

Weitere bekannte Aufnahmen waren Der Knallkopp, Kölsche Mädcher, die sin löstig, Durst ist schlimmer als Heimweh und eine Fassung von Der schönste Platz ist immer an der Theke. In den 1950er- und frühen 1960er-Jahren war die Gruppe regelmäßig im Rundfunk und im noch jungen Fernsehen zu hören und zu sehen.

Eine musikalische Familiengeschichte

Das Vermächtnis der Vier Botze reicht weit über ihre eigenen Auftritte hinaus. Zwei Mitglieder wurden zu Vätern späterer Kölner Bühnenlegenden.

Hans Süper senior war der Vater von Hans Süper junior. Dieser wurde ab 1974 als Mitglied des Colonia Duetts berühmt und begeisterte das Publikum mit seinem Humor und seiner „Flitsch“, einer kleinen Mandoline. Hans Süper junior führte damit die musikalische und komische Tradition seines Vaters fort.

Richard „Rickes“ Engel war der Vater von Tommy Engel, einem Gründungsmitglied und langjährigen Sänger der Bläck Fööss. Tommy Engels Sohn Kai Engel wurde wiederum Keyboarder der Kölschrockband Brings. Die Geschichte der Vier Botze ist daher eng mit mehreren Generationen der Kölner Musikszene verbunden.

Ein wichtiges Kapitel der Kölner Musikgeschichte

In den frühen 1960er-Jahren wurde es allmählich ruhiger um De Vier Botze. Mitte des Jahrzehnts endete die Geschichte der Gruppe endgültig. Ihre Musik aber lebte weiter. Einige Lieder wurden von jüngeren Bands übernommen, andere blieben durch historische Schallplatten und Rundfunkaufnahmen erhalten.

De Vier Botze stehen für eine Zeit, in der kölsche Unterhaltungsmusik häufig auf der Straße, in Gaststätten und in Karnevalssälen entstand. Mit ihrem mehrstimmigen Gesang, ihren humorvollen Texten und ihrer musikalischen Qualität schafften sie den Sprung vom Straßenquartett zum überregional bekannten Ensemble.

Damit waren die vier Musiker nicht nur erfolgreiche Karnevalisten. Sie wurden zu Wegbereitern jener kölschen Musikkultur, die später von Gruppen wie den Bläck Fööss, dem Colonia Duett und Brings fortgeführt wurde. Ihr bekanntester Refrain „Dreimol null es null“ erinnert bis heute daran, wie stark ihre Lieder im kulturellen Gedächtnis Kölns verankert sind.

Art: Band

Status: Historisch

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