Die Labbese gehören zu den traditionsreichen Musikgruppen des rheinischen Karnevals. Obwohl die Band aus Bergisch Gladbach stammt, ist ihre Geschichte eng mit dem Kölner Fastelovend verbunden. Seit den 1970er-Jahren brachten die Musiker kölsche Lieder, eingängige Melodien und einen bodenständigen Humor auf die Bühnen der Region.
Der entscheidende Schritt in die großen Kölner Säle gelang den Labbese Mitte der 1980er-Jahre über die KAJUJA Köln. In den folgenden Jahrzehnten trat die Band mit zahlreichen bekannten Künstlern auf, veröffentlichte eigene Lieder und entwickelte sich zu einem musikalischen Bindeglied zwischen Köln und dem Bergischen Land.
Was bedeutet der Name „Labbese“?
Der Bandname stammt aus dem Kölschen. Als „Labbes“ wird unter anderem ein großer, schlaksiger oder etwas unbeholfener Junge bezeichnet. Je nach Zusammenhang kann der Ausdruck liebevoll, spöttisch oder leicht abwertend gemeint sein.
Für eine Karnevalsband ist der Name daher passend: Er klingt selbstironisch, bodenständig und unverkennbar rheinisch. Die Mehrzahl „Labbese“ bezeichnet entsprechend eine ganze Gruppe solcher Typen. Der Name vermittelt damit bereits einen Eindruck von der humorvollen Haltung der Musiker.
Gründung während eines Griechenlandurlaubs
Die Geschichte der Labbese begann 1975 an einem eher ungewöhnlichen Ort. Während eines gemeinsamen Urlaubs in Griechenland beschlossen Werner Kraus, Ferdi Schönenborn und Michael Niesen, eine Karnevalsband zu gründen.
Die Idee wurde nach der Rückkehr schnell umgesetzt. Bereits wenige Monate später traten die Labbese mit ihrem ersten Lied „Ovends noh sibbe“ in der „Närrischen Hitparade“ des WDR-Fernsehens auf. Damit gelang der jungen Gruppe früh der Sprung aus dem Probenraum in die mediale Öffentlichkeit.
In den folgenden Jahren wuchs die Besetzung. Günter Rodenbach kam 1977 als Akkordeonspieler hinzu, Schlagzeuger Bernd Kierdorf folgte 1978. Nachdem Rodenbach die Gruppe aus beruflichen Gründen verlassen hatte, übernahm Norbert Wielpütz 1983 dessen Position. Er entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zum Frontmann, Sänger und wichtigen Liederschreiber der Labbese.
Der Weg auf die Kölner Karnevalsbühnen
Für den eigentlichen Durchbruch im Kölner Karneval spielte der bekannte Büttenredner Gerd Rück eine zentrale Rolle. Als „Ne Weltenbummler“ gehörte er damals zu den prägenden Rednern des Fastelovends.
Gerd Rück entdeckte die Labbese 1985 bei einer Veranstaltung und vermittelte ihnen einen Auftritt beim Vorstellabend der KAJUJA Köln. Dort konnten sie die Literaten und Programmgestalter von sich überzeugen. Die KAJUJA gilt traditionell als wichtige Talentschmiede des Kölner Karnevals und hat zahlreichen Künstlern den Weg in die großen Säle geöffnet.
Nach diesem Auftritt wurden die Labbese zunehmend für Kölner Karnevalssitzungen gebucht. Nach Angaben früherer Bandmitglieder standen sie im Laufe ihrer Karriere in allen bedeutenden Sälen und traten unter anderem gemeinsam mit Hans Süper und Willy Millowitsch auf.
Trotz dieser Erfolge blieb Bergisch Gladbach der Mittelpunkt der Band. Die Labbese verstanden sich nicht als künstlich geschaffene Kölner Musikgruppe, sondern als rheinische Karnevalsband mit einer starken regionalen Identität.
Kölsche Lieder zwischen Stimmung und Gefühl
Musikalisch verbinden die Labbese unterschiedliche Seiten des Karnevals. Einige ihrer Lieder sind auf schnelle Stimmung und gemeinsames Singen ausgerichtet. Andere Titel erzählen von Heimat, Freundschaft, Liebe oder der kölschen Lebensart.
Typisch für die Band ist die Verwendung der kölschen Sprache. Diese erscheint in den Liedern nicht als Dekoration, sondern als selbstverständlicher Ausdruck der eigenen Herkunft. Die Texte behandeln häufig Situationen, die dem Publikum aus dem Alltag vertraut sind.
Zu den bekannten Liedern und Veröffentlichungen der Labbese gehören unter anderem:
- „Ovends noh sibbe“
- „Ich mol d’r Dom en d’r Sand“
- „E janz klei Stöck vun Kölle“
- „Mir han e jroß Hätz“
- „Stänezelt“
- „Wo mir Kölsche sin es vürre“
- „Du kannst nur einmal leben“
- „Et letzte Kölsch“
- „Danz för mich“
- „Räch dich nit op“
Die Titel zeigen die thematische Bandbreite der Gruppe. Neben ausgelassener Karnevalsstimmung finden sich nachdenkliche und gefühlvolle Stücke, bei denen das gemeinsame Schunkeln und Zuhören wichtiger ist als ein möglichst lauter Auftritt.
„Ich mol d’r Dom en d’r Sand“
Einer der bekanntesten Titel der Labbese ist „Ich mol d’r Dom en d’r Sand“. Das Lied verbindet das Kölner Wahrzeichen mit einer bildhaften und emotionalen Geschichte. Es besitzt eine eingängige Melodie und einen Refrain, der sich gut gemeinsam singen lässt.
In der Karnevalssession 2004 gehörte der Titel zu den beliebtesten Liedern der „Loss mer singe“-Kneipentour. Bei verschiedenen Abstimmungen erreichte er vordere Platzierungen. Zwanzig Jahre später wurde das Lied bei der Tour 2024 erneut in das Rahmenprogramm aufgenommen. Der Titel hatte damit den Schritt vom aktuellen Sessionslied zum wiederentdeckten kölschen Klassiker geschafft.
„Ich mol d’r Dom en d’r Sand“ steht beispielhaft für die Stärke der Labbese. Das Lied ist karnevalistisch, ohne ausschließlich von einer bestimmten Session abhängig zu sein. Seine Verbindung zu Köln funktioniert auch außerhalb der närrischen Wochen.
„E janz klei Stöck vun Kölle“
Ein weiterer bekannter Titel ist „E janz klei Stöck vun Kölle“. Das Lied erschien 2007 und wurde auch auf dem Album „Wo mir Kölsche sin es vürre“ veröffentlicht.
Schon der Titel beschreibt eine Haltung, die für die Labbese charakteristisch ist. Bergisch Gladbach liegt zwar außerhalb der Kölner Stadtgrenze, ist kulturell und sprachlich jedoch eng mit Köln verbunden. Die Band brachte ein kleines Stück Kölner Lebensart ins Bergische Land und zugleich bergische Bodenständigkeit auf die Kölner Bühnen.
Das Album „Wo mir Kölsche sin es vürre“ umfasst zehn Titel und erschien 2007. Weitere Veröffentlichungen aus dieser Zeit waren die EPs „Wat immer do wells“, „Mir han e jroß Hätz“ und später „Du kannst nur einmal leben“.
Die „Lachende Tiefgarage“
Auch in ihrer Heimatstadt entwickelten die Labbese eigene karnevalistische Formate. Besonders bekannt wurde die „Lachende Tiefgarage“, eine Weiberfastnachtsveranstaltung in Bergisch Gladbach.
Was zunächst ungewöhnlich klingt, entwickelte sich zu einer Kultveranstaltung. Eine Tiefgarage wurde zum Schauplatz einer großen Karnevalsparty und zeigte, dass Fastelovend nicht zwingend einen prachtvollen Saal benötigt. Entscheidend waren Musik, Publikum und die gemeinsame Freude am Feiern.
Darüber hinaus organisierten die Labbese kölsche Messen und weitere Veranstaltungen. Nach Angaben der Kölnischen Rundschau spendete die Band aus den Erlösen ihrer Aktivitäten im Laufe der Jahre mehr als 100.000 Euro für wohltätige Zwecke. Damit verbanden die Musiker ihre Popularität mit einem sozialen Engagement in der Region.
Wechsel innerhalb der Band
Eine Bandgeschichte von mehreren Jahrzehnten verläuft selten ohne personelle Veränderungen. Auch bei den Labbese wechselte die Besetzung mehrfach.
Eine besonders deutliche Zäsur erfolgte nach der Session 2014/2015. Norbert Wielpütz, der die Band mehr als 30 Jahre als Frontmann und Liederschreiber geprägt hatte, verließ die Gruppe. Mit ihm gingen sein Bruder Frank Wielpütz und Bassist Thomas Braß.
Norbert Wielpütz hatte nicht nur für die Labbese geschrieben. Auch Künstler und Bands wie Höhner, Kasalla oder Querbeat griffen auf seine Arbeit als Texter und Komponist zurück. Sein Ausscheiden bedeutete deshalb einen erheblichen musikalischen Einschnitt.
Die verbliebenen Musiker entschieden sich dennoch für eine Fortsetzung. Zunächst traten die Labbese als Quartett auf. Im Jahr 2017 stellte sich die Band erneut als sechsköpfige Formation auf.
Neustart in neuer Besetzung
Beim Neustart 2017 gehörten der Band folgende Musiker an:
- Detlev Scholz – Gesang
- Michael Niesen – Gitarre
- Sebastian Kierdorf – Mandoline und E-Gitarre
- Bernd Kierdorf – Schlagzeug
- Andreas Pater – Bass
- Klaus Blömeke – Keyboard und Akkordeon
Mit Michael Niesen blieb ein Gründungsmitglied erhalten. Bernd Kierdorf gehörte der Band bereits seit 1978 an. Durch dessen Sohn Sebastian erreichte die Bandgeschichte zugleich die nächste Generation.
Der neue Frontmann Detlev Scholz und Bassist Andreas Pater schrieben mit „Danz för mich“ den ersten Titel der neu formierten Gruppe. Das Lied sollte an den typischen Klang der Labbese anknüpfen und gleichzeitig einen neuen Abschnitt eröffnen. Die ausführliche Geschichte dieser Neuaufstellung dokumentierte die Kölnische Rundschau.
Mit Liedern wie „Jlücksjeföhl“ und „Räch dich nit op“ entstanden anschließend weitere Veröffentlichungen. „Räch dich nit op“ erreichte 2020 das Finale des „WDR 4 Jeck Duells“. Damit gelang es den Labbese auch nach dem großen personellen Umbruch, im aktuellen Karneval musikalisch wahrgenommen zu werden.
Die Verbindung zu Cat Ballou
Die Bedeutung der Labbese reicht über die eigene Bandgeschichte hinaus. Zwischen den Musikern und der später erfolgreichen Gruppe Cat Ballou bestehen enge familiäre Verbindungen.
Michael Niesen, Gründungsmitglied der Labbese, ist der Vater von Cat-Ballou-Sänger Oliver Niesen. Werner Kraus, ebenfalls an der Gründung der Labbese beteiligt, war der Vater des Cat-Ballou-Schlagzeugers Michael Kraus. Ferdi Schönenborn wiederum ist der Vater von Dominik Schönenborn.
Die Labbese wurden deshalb bereits als musikalische und teilweise auch tatsächliche „Väter von Cat Ballou“ bezeichnet. Das Bürgerportal Bergisch Gladbach berichtete über diese besondere Verbindung zwischen beiden Bands.
Daran wird sichtbar, wie musikalische Traditionen im rheinischen Karneval weitergegeben werden. Aus dem Umfeld einer Band, die in den 1970er-Jahren gegründet wurde, entstand eine neue Generation von Musikern, die später selbst die großen Kölner Bühnen eroberte.
Die Labbese als Teil des Kölner Karnevals
Die Labbese sind ein gutes Beispiel dafür, dass der Kölner Karneval nicht an der Stadtgrenze endet. Viele seiner Künstler stammen aus dem Umland und bringen ihre eigenen regionalen Erfahrungen in die kölsche Musik ein.
Seit ihrem erfolgreichen KAJUJA-Vorstellabend im Jahr 1985 gehören die Labbese zur Geschichte der Kölner Karnevalsmusik. Sie standen in den großen Sälen, waren im Fernsehen zu sehen und schufen Lieder, die über einzelne Sessionen hinaus in Erinnerung geblieben sind.
Gleichzeitig bewahrten sie ihre enge Verbindung zu Bergisch Gladbach. Genau diese Mischung macht den Charakter der Band aus: kölsche Sprache, bergische Heimat, musikalische Bodenständigkeit und die Bereitschaft, sich auch nach personellen Veränderungen neu aufzustellen.
Mit Liedern wie „Ich mol d’r Dom en d’r Sand“, „E janz klei Stöck vun Kölle“ und „Danz för mich“ haben die Labbese ihren eigenen Platz im rheinischen Fastelovend gefunden. Ihre Geschichte zeigt, wie eine im Urlaub entstandene Bandidee über Jahrzehnte hinweg zu einem festen Bestandteil des Kölner Karnevals werden konnte.