Harry Fey
Redner des Nachkriegskarnevals
Harry Fey gehörte zu den bekannten Kölner Karnevalsrednern der Nachkriegszeit. Über sein Geburtsdatum, seine Herkunft und sein Privatleben sind öffentlich nur wenige verlässliche Angaben überliefert. Seine genauen Lebensdaten bleiben ungeklärt. Dokumentiert ist vor allem sein Wirken in den 1950er- und 1960er-Jahren. Fey trat als Büttenredner, Reimredner, Conférencier und Textautor in Köln und im Rheinland auf.
„Glöckner vum Rothuusturm“
Seine bekannteste Bühnenfigur war der „Glöckner vum Rothuusturm“, hochdeutsch „Glöckner vom Rathausturm“. Vom Turm aus konnte die Figur das Geschehen der Stadt beobachten und kommentieren. Fey trug seine Pointen gereimt und auf Kölsch vor. Damit stand er in der Tradition der Typenredner, die aus einer festen Rolle heraus Alltag, Politik und menschliche Schwächen schilderten.
Weitere Rollen und Zwiegespräche
Fey war auch als „Maurerpolier“ zu sehen. Daneben bildete er ein Zwiegespräch mit Franz Unrein, bekannt als „Schütze Bumm“ und „Jupp vum Kegelclub“. Die Pointen entstanden durch Rollenwechsel, Missverständnisse und das gegenseitige Ausspielen der Partner. Solche Nummern gehörten zu den tragenden Formen damaliger Karnevalssitzungen.
Zusammenarbeit mit Horst Muys
Besondere Bekanntheit erlangte Fey mit Horst Muys. Als „Die Wildsäue“ veröffentlichten sie Schallplatten mit frivolen Witzen, Liedern und Geschichten. Die Aufnahmen waren als nicht jugendfrei gekennzeichnet und wurden teilweise nur unter dem Ladentisch verkauft. Neben dem offiziellen Sitzungskarneval bestand somit ein Markt für derbe Erwachsenenunterhaltung.
Humor im historischen Kontext
Die Programme lebten von Grenzüberschreitung, sexuellen Anspielungen und offener Sprache. Aus heutiger Sicht enthalten Beiträge jedoch auch diskriminierende und rassistische Motive. Eine historische Darstellung darf weder ihre Popularität verschweigen noch problematische Inhalte als Brauchtum verharmlosen. Fey steht somit für Humorvorstellungen, die sich deutlich von heutigen Maßstäben unterscheiden.
Autor und Netzwerker
Fey schrieb auch Reden für Kollegen und wirkte damit hinter den Kulissen. 1951 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Stammtischs Kölner Karnevalisten. Die Vereinigung bot Rednern, Sängern und anderen Bühnenkräften eine berufliche und gesellige Heimat. Feys Beteiligung belegt seine Verankerung in der Kölner Szene.
Bedeutung und Überlieferung
Tonträger, Veranstaltungsberichte und Rückblicke bewahren Teile seines Schaffens. Sie zeigen einen vielseitigen Redner, der Reimvortrag, Typenrolle, Zwiegespräch und Autorentätigkeit verband. Harry Fey wird vor allem als „Glöckner vum Rothuusturm“ erinnert. Zugleich macht sein Nachlass sichtbar, wie eng Popularität, Provokation und zeitgebundene Vorurteile im damaligen Karneval beieinanderliegen konnten. Seine Einordnung verlangt daher Anerkennung der bühnengeschichtlichen Bedeutung ebenso wie kritische Distanz zu Teilen des überlieferten Materials.
Art: Künstler
Status: Historisch