Heinz Pfaffenholz

Heinz Pfaffenholz

Heinz Pfaffenholz gehört zu den heute beinahe vergessenen Künstlern des Kölner Karnevals. In historischen Quellen findet sich sein Nachname teilweise auch in der Schreibweise „Paffenholz“. Bekannt wurde er vor allem durch humoristische Frauenrollen, mit denen er Ende der 1920er- und Anfang der 1930er-Jahre im Sitzungskarneval auftrat.

Köchin, Wirtin und Blumenfrau

Zu Pfaffenholz’ Bühnenfiguren gehörten die „Moderne Köchin“, eine Wirtin sowie „En Blumenfrau us d’r Markthalle“. In einer wissenschaftlichen Darstellung wird er außerdem als Redner erwähnt, der als „Marktfrau in den besten Jahren“ oder als Köchin in die Bütt stieg. Seine Figuren waren damit fest im kölschen Alltag verwurzelt: in der Küche, in der Gastwirtschaft und in der geschäftigen Welt der Markthallen.

Solche Charaktere boten reichlich Stoff für zugespitzte Beobachtungen. Die dargestellten Frauen konnten über Kundschaft, Preise, Eheprobleme und Neuigkeiten aus der Nachbarschaft sprechen – stets aus der Perspektive selbstbewusster Alltagsfiguren. Zeitgenössische Karnevalszeitschriften wie der „Kölner Karnevals-Ulk“ und die „Lustige Kölner Zeitung“ berichteten über Pfaffenholz und andere Künstler dieser Epoche.

Der Rollentausch als karnevalistisches Stilmittel

Männer in Frauenrollen waren im damaligen Kölner Karneval keineswegs ungewöhnlich. Der Wechsel der Geschlechterrolle gehörte schon lange zu den Mitteln karnevalistischer Komik. Er erlaubte es den Darstellern, gesellschaftliche Erwartungen umzukehren und bekannte Menschentypen überzeichnet auf die Bühne zu bringen.

Neben Pfaffenholz traten damals beispielsweise Fritz Klein als „Frau vum Land“, Wilhelm Hilken als „Et Zöbbels Lis“ und Gerhard Ebeler als Zimmervermieterin Frau Dillendopp auf. Pfaffenholz stand somit in einer ausgeprägten Tradition der Damenimitation im historischen Sitzungskarneval.

Seine Auftritte sollten allerdings nicht vorschnell mit heutigen Begriffen wie Drag oder queerer Bühnenkunst gleichgesetzt werden. Über seine persönliche Identität oder sexuelle Orientierung sind keine entsprechenden Belege bekannt. Bei Pfaffenholz handelte es sich nach dem überlieferten Material in erster Linie um eine karnevalistische Verkleidung und den komischen Rollentausch seiner Zeit.

Ein ungewöhnlicher Lebensweg

Auch außerhalb des Karnevals führte Heinz Pfaffenholz ein bemerkenswertes Leben. Im März 1912 reiste er nach Deutsch-Ostafrika und arbeitete in Daressalam als Malermeister für die Ostafrikanische Eisenbahngesellschaft. Nach einer schweren Malariaerkrankung kehrte er Ende 1913 nach Köln zurück. Ein erneuter Aufbruch im Jahr 1914 wurde durch den Beginn des Ersten Weltkriegs verhindert. Während der Kriegsjahre hielt er sich zeitweise in der Türkei und in Persien auf; im März 1919 kam er wieder nach Köln.

Die problematische koloniale Seite seiner Biografie

Pfaffenholz’ Erinnerungen an seine Zeit in der deutschen Kolonie enthalten rassistische Vorstellungen und eine nostalgische Verklärung der damaligen kolonialen Machtverhältnisse. Dieser Teil seiner Biografie darf bei einer heutigen Würdigung nicht ausgeblendet werden. Historische Einordnung bedeutet deshalb, sowohl seine Rolle im Kölner Karneval als auch die menschenverachtenden Denkweisen sichtbar zu machen, die er in seinen Erinnerungen reproduzierte.

Gerade dieser Widerspruch zeigt, dass Karnevalsgeschichte nicht losgelöst von der allgemeinen Zeitgeschichte betrachtet werden kann. Künstler, die auf der Bühne gesellschaftliche Rollen spielerisch umkehrten, konnten außerhalb der Bühne zugleich die Vorurteile und Herrschaftsvorstellungen ihrer Epoche vertreten.

Ein fast vergessener Vertreter des Vorkriegskarnevals

Vollständige Büttenreden, Tonaufnahmen oder bewegte Bilder von Heinz Pfaffenholz sind heute offenbar nicht allgemein zugänglich. Überliefert ist sein Wirken vor allem durch Presseberichte, historische Karnevalszeitschriften, Fotografien und Künstlerkarten.

Heinz Pfaffenholz steht damit für eine Phase des Kölner Karnevals, in der humoristische Typenreden, Verkleidung und die genaue Beobachtung des Alltags das Sitzungsprogramm prägten. Seine Köchinnen, Wirtinnen und Marktfrauen gaben bekannten Gestalten aus dem kölschen Straßenleben eine karnevalistische Bühne. Zugleich erinnert seine Biografie daran, historische Künstler nicht unkritisch zu verklären, sondern ihr Schaffen im gesamten gesellschaftlichen Zusammenhang ihrer Zeit zu betrachten.

Art: Künstler

Status: Aktiv

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