Leo Colonia gehörte zu den Musikgruppen, die den Kölner Karneval in den 1990er- und 2000er-Jahren mit schwungvollen Liedern, farbenfrohen Auftritten und einer ausgesprochenen Nähe zum Publikum bereicherten. Unter dem Beinamen „die rheinischen Löwen“ verband die Band kölsche Mundart mit Karnevalsschlager, Pop und unkomplizierter Partymusik.
Besonders bekannt wurde Leo Colonia durch das Lied „Wir sind die Rheinländer“. Der Titel entwickelte sich zu einer musikalischen Liebeserklärung an das Rheinland und blieb auch nach der Auflösung der Gruppe im Repertoire anderer kölscher Musiker erhalten. Darüber hinaus war Leo Colonia eine wichtige Station für Künstler, die später bei Formationen wie den Domstürmern, den Rheinländern und Kölschraum auf der Bühne standen.
Die Anfänge von Leo Colonia
Die Geschichte von Leo Colonia begann Anfang der 1990er-Jahre. Bereits 1993 erschien das Album „Beim Suffe un beim Esse“. Ab 1994 mischte die Gruppe um Sänger, Komponist und kreativen Kopf Andreas Leonard Sauer regelmäßig im rheinischen Karneval mit.
Der Bandname war bewusst gewählt. „Leo“ ist das lateinische Wort für Löwe, während „Colonia“ unmittelbar auf Köln verweist. Entsprechend präsentierte sich die Gruppe als „rheinische Löwen“. Dieses Motiv griff Leo Colonia auch in Liedern wie „Die Löwen sind los“ und in der Gestaltung ihrer Bühnenkostüme auf.
Die auffälligen, farbenfrohen Kostüme wurden nach einer früheren Banddarstellung von Andreas Leonard Sauer selbst entworfen. Sie waren Teil eines Auftrittskonzepts, das schon beim Einmarsch signalisierte: Hier kommt eine Karnevalsband, die Stimmung verbreiten und das Publikum zum Mitmachen bewegen möchte.
Kölsche Mundart trifft auf Partymusik
Musikalisch bewegte sich Leo Colonia zwischen kölscher Mundart, Karnevalsschlager, Pop und klassischer Partymusik. Das Repertoire umfasste sowohl Lieder mit einem deutlichen Bezug zu Köln und zum Rheinland als auch humorvolle Titel, die außerhalb der eigentlichen Karnevalssession funktionieren sollten.
Auf den ersten beiden Alben „Beim Suffe un beim Esse“ und „Kölsch zo sin“ finden sich entsprechend unterschiedliche musikalische Ansätze. Neben Stimmungsliedern standen Stücke über das kölsche Lebensgefühl, den Köbes, die Kneipe und die Freude am gemeinsamen Feiern.
Das Album „Kölsch zo sin“ erschien 1997. Schon der Titel machte deutlich, worum es Leo Colonia ging: Kölsch zu sein wurde nicht ausschließlich als Frage des Geburtsortes verstanden, sondern als Lebensgefühl. Gemeinschaft, Humor, Geselligkeit und die Verbundenheit mit der Heimatstadt standen im Mittelpunkt.
„Wir sind die Rheinländer“ wird zum Erkennungslied
Der wichtigste Titel der Bandgeschichte war „Wir sind die Rheinländer“. Das Lied bündelte vieles, wofür Leo Colonia stand: Heimatverbundenheit, Selbstironie, Lebensfreude und einen Refrain, der sich für große Säle und gemeinsames Singen eignete.
In der Session 1999/2000 wurde „Wir sind die Rheinländer“ auf der bekannten Sammlung „Karneval der Stars – Folge 29“ veröffentlicht. Leo Colonia stand dort neben Gruppen und Künstlern wie den Höhnern, Bläck Fööss, Paveiern, Räubern, Marie-Luise Nikuta und Willy Millowitsch.
Das Lied war für Auftritte besonders geeignet, weil es nicht nur die Menschen aus Köln, sondern das gesamte Rheinland ansprach. Dadurch konnte Leo Colonia auch bei Veranstaltungen außerhalb der Domstadt schnell eine Verbindung zum Publikum herstellen.
Wie langlebig der Titel geworden ist, zeigte sich noch viele Jahre später: Bei einem Kajuja-Vorstellabend 2022 spielte die Band Kölschraum „Wir sind die Rheinländer“.
Zwischen Karnevalssitzung und Stadtfest
Leo Colonia beschränkte sich nicht auf die Wochen zwischen dem 11. November und Aschermittwoch. Die Band trat auch bei Stadtfesten, Sommerveranstaltungen und anderen Partys auf. Dazu gehörten unter anderem Auftritte beim Kölner Ringfest.
Diese ganzjährige Ausrichtung entsprach einer Entwicklung, die im Kölner Karneval während der 1990er-Jahre zunehmend an Bedeutung gewann. Viele Bands wollten nicht mehr ausschließlich als Karnevalsgruppen wahrgenommen werden. Ihre Lieder sollten ebenso auf Straßenfesten, bei Vereinsfeiern, in Festzelten und später auch bei Après-Ski- oder Mallorca-Veranstaltungen funktionieren.
Leo Colonia gehörte zu den Gruppen, die diese Verbindung früh suchten. Während Titel wie „He jehür ich hin“ die Verbundenheit mit Köln betonten, waren „Après Ski“, „Die Löwen sind los“ und „75 D“ deutlich stärker auf den allgemeinen Partymarkt ausgerichtet.
Gerade diese Mischung machte die Band vielseitig, führte sie aber zugleich über den engeren Bereich des traditionellen Sitzungskarnevals hinaus. Leo Colonia stand damit beispielhaft für den Übergang vom klassischen Karnevalsschlager zur ganzjährig einsetzbaren Partymusik.
Präsenz in Rundfunk und Fernsehen
In ihrer erfolgreichsten Zeit war Leo Colonia auch in Rundfunk und Fernsehen präsent. Die Band trat unter anderem in der „Närrischen Hitparade“ des WDR, bei „RTL Interjeck“ sowie in karnevalistischen Fernsehsitzungen auf.
Für eine Musikgruppe im Kölner Karneval war diese Medienpräsenz besonders wichtig. Neue Titel mussten in vergleichsweise kurzer Zeit bekannt werden, damit das Publikum sie während der laufenden Session mitsingen konnte. Rundfunk, Fernsehen und die großen Karnevalssampler waren deshalb entscheidende Wege, um ein Lied über die einzelnen Sitzungssäle hinaus bekannt zu machen.
Mit der Veröffentlichung von „Wir sind die Rheinländer“ auf „Karneval der Stars“ gelang Leo Colonia genau diese größere Reichweite. Der Titel wurde über die eigentlichen Bandauftritte hinaus zu einem festen Bestandteil zahlreicher Karnevals- und Partyprogramme.
Veränderungen in der Besetzung
Die Geschichte von Leo Colonia war von mehreren personellen Veränderungen geprägt. Nach einer Trennung der ursprünglichen Formation zu Beginn der 2000er-Jahre machte ein Teil der Musiker als „Die Rheinländer“ weiter.
Leo Colonia setzte die Arbeit zunächst mit Andreas Leonard Sauer, Andreas Engelen, Karl-Heinz Schwarzmann und Stephan Christ fort. In dieser Phase entstanden unter anderem „He jehür ich hin“, „Sulang dä Doosch …“, „Su jung …“ und „Hier ist der Teufel los“. Nach einer damaligen Bandvorstellung auf der Internetseite der Rheinländer konnte sich „He jehür ich hin“ mehrere Wochen in den Cologne Charts von Radio Köln platzieren.
Auch Micky Nauber, im Karneval als Micky Colonia bekannt, gehörte zeitweise zu Leo Colonia. Gemeinsam mit dem früheren Leo-Colonia-Keyboarder Stephan Christ wurde er später Teil der Domstürmer. Die Bandgeschichte der Domstürmer nennt die Verbindung zu Leo Colonia ausdrücklich.
Damit wirkte die Gruppe personell weit über ihre eigene Existenz hinaus. Musiker, die bei Leo Colonia Erfahrungen gesammelt hatten, brachten ihre Bühnenroutine und ihre Kenntnis des Sitzungskarnevals später in andere erfolgreiche Projekte ein.
Ein neues Kapitel in der späteren Bandphase
Auch nach den Umbesetzungen blieb Leo Colonia auf den karnevalistischen Bühnen präsent. Bei einer Künstlerpräsentation für die Session 2010 stellte die Gruppe ein vollständig neues Repertoire vor.
Zu den damals präsentierten Liedern gehörten „Kumm mir trecke durch die Stadt“ und „Mer jonn jetz noch nit noh Huss“. Beide Titel standen für einen stärker am Kölschpop orientierten Stil und für die weiterhin vorhandene Verbundenheit mit Köln. Ein zeitgenössischer Bericht über die Präsentation im Kölner Maritim nennt Guido Braun, Norbert Clever, Andreas Engelen, Norbert Kracht und Marco Lehmann als damalige Bandmitglieder.
Am 11. November 2009 gehörte Leo Colonia außerdem zum Bühnenprogramm der großen Sessionseröffnung am Kölner Heumarkt. Dort stand die Gruppe gemeinsam mit zahlreichen bekannten Künstlern des Kölner Karnevals auf dem Programm, darunter Bläck Fööss, Höhner, Brings, Paveier, Räuber und Domstürmer.
Auflösung nach 17 Jahren
Trotz des neu erarbeiteten Programms endete die Geschichte von Leo Colonia bereits kurze Zeit später. Im Jahr 2010 löste sich die Band nach 17 Jahren auf. Ein zeitgenössischer Beitrag des Kölschen Fastelovend-Archivs verabschiedete die Gruppe mit der Überschrift, dass die „rheinischen Löwen“ nicht mehr brüllten.
Mit der Auflösung verschwand Leo Colonia als aktive Formation von den Bühnen. Die musikalischen und personellen Spuren der Band blieben jedoch erhalten. Ehemalige Mitglieder arbeiteten in anderen kölschen Gruppen weiter, während einzelne Titel weiterhin auf Samplern, bei Karnevalsveranstaltungen und in den Programmen anderer Bands auftauchten.
Die Bedeutung von Leo Colonia für den Kölner Karneval
Leo Colonia zählte nicht zu den wenigen Bands, die über Jahrzehnte dauerhaft die großen Schlagzeilen des Kölner Karnevals bestimmten. Dennoch war die Gruppe ein sichtbarer und musikalisch vielseitiger Bestandteil ihrer Zeit.
Die Band zeigte, wie sich der Kölner Karneval in den 1990er- und 2000er-Jahren veränderte. Traditionelle Mundart, moderner Kölschpop und überregionale Partymusik rückten enger zusammen. Leo Colonia bewegte sich zwischen diesen Bereichen und versuchte, sowohl im Sitzungssaal als auch auf Stadtfesten und Partyveranstaltungen zu bestehen.
Mit „Wir sind die Rheinländer“ hinterließ die Gruppe ein Lied, das ihre eigene Bandgeschichte überdauerte. Gleichzeitig führte der Weg mehrerer Mitglieder zu späteren Formationen wie den Rheinländern, den Domstürmern und Kölschraum.
Damit gehört Leo Colonia zur jüngeren Geschichte der kölschen Musikszene: als farbenfrohe Karnevalsband, als personelles Bindeglied zwischen verschiedenen Formationen und als Stimme eines rheinischen Lebensgefühls, bei dem Gemeinschaft, Heimatverbundenheit und die Freude am Feiern im Mittelpunkt standen.