Mit gelbem Friesennerz, Regenkappe und einer von blauen Regentropfen übersäten Hose ist „Ne Jeck im Rähn“ kaum zu übersehen. Hinter der auffälligen Karnevalsfigur steht der Büttenredner Björn Wassong aus Mechernich-Weyer. Mit Geschichten aus dem Dorfleben, rheinischer Mundart und ausgeprägter Selbstironie bringt er die Eifel auf die Bühnen des Kölner Karnevals.
Björn Wassongs karnevalistische Anfänge
Björn Wassong wurde 1982 geboren und kam bereits als Kind mit dem Karneval in Berührung. Bei einer Kindersitzung in seinem Heimatort Weyer sang er im Alter von ungefähr vier Jahren „An der Nordseeküste“. Später versuchte er sich als Tänzer und Sänger und sammelte mit der Gruppe „Kloreichen Sechs“ erste Bühnenerfahrungen außerhalb seines Heimatdorfes.
Sein Weg in die Bütt begann mit Auftritten nach dem Vorbild des berühmten Colonia Duetts. Gemeinsam mit einem Freund studierte er die Nummern des Kölner Rednerduos ein und brachte sie zunächst bei Kindersitzungen auf die Bühne. Später trat das „Weyerer Colonia Duett“ auch bei der großen Kostümsitzung des Ortes auf.
In den folgenden Jahren verkörperte Wassong unterschiedliche Figuren. Er parodierte unter anderem Bernd Stelter und stand als „Et Weyerer Tussnellchen“ in der Bütt. Schließlich entstand der Wunsch, eine eigene Type mit einem unverwechselbaren Namen und Erscheinungsbild zu entwickeln.
Die Geburt des „Jeck im Rähn“
Die Idee zu „Ne Jeck im Rähn“ entstand im Jahr 2005 während einer Autofahrt. Wassong war auf der Autobahn in Richtung Euskirchen unterwegs, hörte WDR 4 und dachte über ein neues Programm für die kommende Karnevalssession nach. Als es zu regnen begann und die Scheibenwischer seines Autos einsetzten, kam ihm der Name für seine neue Bühnenfigur.
Passend dazu entwickelte er ein Kostüm rund um das Thema Regen: Friesennerz, Regenkappe, bunte Hose, rote Pappnase, weiße Handschuhe und zunächst auch ein Regenschirm. In der Session 2006 trat er erstmals als „Ne Jeck im Rähn“ auf.
Der Name ist ein kölsches Wortspiel. „Rähn“ bedeutet Regen, während „jeck“ sowohl den Karnevalisten als auch einen etwas verrückten oder ungewöhnlichen Menschen bezeichnet. „Ne Jeck im Rähn“ lässt sich somit ungefähr als „ein Jeck im Regen“ verstehen.
Geschichten aus dem Eifeler Dorfleben
Wassong bezeichnet seine Figur als die „Eifeler Schnüss im rheinischen Karneval“. Seine Auftritte sind traditionelle Büttenreden, deren Stoff überwiegend aus dem alltäglichen Leben stammt. Im Mittelpunkt stehen Familie, Freunde und die eigenwilligen Bewohner eines Eifeler Dorfes.
Eine wichtige Rolle spielt dabei sein bester Freund „Hahne Hermann“. Auch Ehefrau, Oma und Opa sowie weitere Dorfbewohner werden zu Figuren seiner Geschichten. Wassong zeichnet sie liebevoll, aber nicht ohne Übertreibung. Dabei macht er sich ebenso über sich selbst lustig wie über seine Mitmenschen.
Sein Humor lebt weniger von politischen Kommentaren als von Situationskomik, Beobachtung und sprachlichen Eigenheiten. Das Publikum begleitet den Redner gewissermaßen bei einem Rundgang „dörch et Dörp“. Gerade die Verbindung aus überschaubarer Dorfwelt und großer Karnevalsbühne macht den Reiz der Figur aus.
Der gelbe Friesennerz als Markenzeichen
Das Erscheinungsbild ist ein wesentlicher Teil der Bühnenfigur. Besonders der leuchtend gelbe Friesennerz und die dazugehörige Regenkappe sorgen für einen hohen Wiedererkennungswert. Dazu trägt Wassong eine weiße Hose mit aufgedruckten blauen Regentropfen.
Der ursprünglich verwendete Regenschirm verschwand später aus dem Programm. Bei der Nachwuchsförderung des Festkomitees wurde darauf hingewiesen, dass bereits der bekannte Büttenredner Gerd Rück als „Weltenbummler“ einen Schirm zu seinem Markenzeichen gemacht hatte. Friesennerz und Regenhose blieben jedoch erhalten und entwickelten sich zum charakteristischen Kostüm des „Jeck im Rähn“.
Der Weg auf die Kölner Bühnen
Mehr als ein Jahrzehnt lang trat Björn Wassong vor allem im Kreis Euskirchen und in der Eifel auf. Einen wichtigen Karriereschritt machte er 2019. Nach einem erfolgreichen Auftritt bei einer Damensitzung in Mechernich wurde ein Talentscout auf ihn aufmerksam. Wassong erhielt daraufhin die Gelegenheit, sich beim Literarischen Komitee des Festkomitees Kölner Karneval vorzustellen.
Beim Vorstellabend im Alten Wartesaal überzeugte er das Publikum und wurde mit stehenden Ovationen bedacht. Anschließend nahm ihn das Literarische Komitee in seine Nachwuchsförderung auf. Dort arbeitete Wassong mit erfahrenen Trainern an Sprache, Atemtechnik, Mimik, Gestik, Bühnenpräsenz und Aufbau seiner Pointen.
Eine wichtige Empfehlung lautete, sich nicht an einem künstlichen Bühnenkölsch zu versuchen, sondern seiner eigenen Sprache zu vertrauen. Das Weyerer Platt und die Eifeler Färbung wurden damit nicht zum Hindernis, sondern zu einem wichtigen Bestandteil seiner Persönlichkeit. In der Session 2019/2020 folgten nach eigenen Angaben mehr als 40 Auftritte im Raum Köln, Düsseldorf und in der Eifel.
Premiere im Gürzenich
Im Februar 2025 erreichte Wassong einen weiteren Meilenstein: Im Vorprogramm der WDR4-Hörfunksitzung durfte er erstmals im Kölner Gürzenich auftreten. Der traditionsreiche Saal gehört zu den bedeutendsten Spielstätten des organisierten Kölner Karnevals.
Der Auftritt zeigte zugleich, wie schwierig es für neue Redner ist, dauerhaft in den großen Sitzungskarneval vorzudringen. Während Musikgruppen zahlreiche Veranstaltungen bestreiten können, benötigen Büttenredner Ruhe, Aufmerksamkeit und ausreichend Zeit für den Aufbau ihrer Geschichten. Wassong warb deshalb dafür, Nachwuchskünstlern auch bei kleineren Vereins-, Pfarr- und Kneipensitzungen Auftrittsmöglichkeiten zu geben.
Zwischen Eifel und Köln
„Ne Jeck im Rähn“ steht für die enge Verbindung des Kölner Karnevals mit seinem Umland. Björn Wassong versucht nicht, seine Eifeler Herkunft hinter einer rein kölschen Bühnenfigur zu verstecken. Im Gegenteil: Das Dorfleben, die regionale Sprache und die Mentalität der Eifeler bilden das Fundament seiner Reden.
Damit führt er zugleich die Tradition des Typenredners fort. Wie die klassischen Figuren des Kölner Karnevals besitzt auch der „Jeck im Rähn“ ein festes Kostüm, eine eigene Sprache und eine klar erkennbare Lebenswelt. Seine Geschichten bleiben jedoch persönlich und zeitgemäß.
Björn Wassong zeigt, dass eine erfolgreiche Karnevalsfigur nicht zwingend aus der Kölner Innenstadt stammen muss. Sein „Jeck im Rähn“ bringt den Humor der Eifel in die Säle der närrischen Metropolen – und sorgt dafür, dass beim Publikum selbst bei schlechtem Wetter die Sonne scheint.