Rockemarieche
Rockabilly, kölsche Mundart und weibliche Bühnenpower: Mit dieser ungewöhnlichen Kombination sorgte Rockemarieche ab 2014 in Köln für Aufsehen. Die von Peggy Sugarhill gegründete Band bezeichnete sich als erste rein weibliche Rockband Kölns und prägte den selbstbewusst formulierten Stil „New Rockabilly op Kölsch“.
Rockemarieche verband den Sound der 1950er-Jahre mit modernen Pop-, Country- und Elektrobeats. Die Texte waren kölsch, die Arrangements rockten, und der mehrstimmige Gesang verlieh der Band einen hohen Wiedererkennungswert. Damit bewegte sich Rockemarieche zugleich in der Rockabilly-Szene, in der kölschen Musiklandschaft und im Karneval.
Die Bandgeschichte reicht von der Idee im Jahr 2013 über das Bühnendebüt 2014 bis zur Auflösung 2021. Peggy Sugarhill führte das Projekt anschließend als Solokünstlerin weiter. Der folgende Artikel zeichnet die Entstehung, den musikalischen Ansatz, die wichtigsten Veröffentlichungen und das Vermächtnis der Rockemarieche nach.
Was ist die Rockemarieche?
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Name | Rockemarieche |
| Herkunft | Köln |
| Gründung | 2014 |
| Initiatorin | Peggy Sugarhill |
| Stil | „New Rockabilly op Kölsch“ |
| Besetzung | Rein weibliche Band |
| Aktivität als Band | 2014–2021 |
| Kennzeichen | Rockabilly, Rock’n’Roll, kölsche Texte, Satzgesang |
| Nachfolgeprojekt | Peggy Sugarhill solo als Rockemarieche |
Rockemarieche war eine Kölner Rockabilly-Band, die traditionelle Elemente des Rock’n’Roll mit kölscher Sprache und zeitgemäßer Produktion kombinierte. Die Idee entstand zwar bereits 2013, das öffentliche Bühnendebüt folgte im Februar 2014 bei „Deine Sitzung“.
Die Band stand für Lebensfreude, Tanzbarkeit und eine bewusst eigenständige Ästhetik. Sie wollte nicht einfach klassische Karnevalsmusik mit anderen Instrumenten machen, sondern Kölsch in einen internationalen musikalischen Kontext stellen.
Peggy Sugarhill: Gründerin und Frontfrau
Peggy Sugarhill ist seit 2008 als Rockabilly-Musikerin aktiv. In ihrer früheren Formation Peggy Sugarhill & The Eldorado Tigerettes sang sie zunächst ein englischsprachiges Programm und sammelte Erfahrungen in der Rockabilly-Szene.
Der entscheidende Schritt bestand darin, den vertrauten Sound der 1950er-Jahre mit der Sprache ihrer Heimatstadt zu verbinden. Für Sugarhill war Kölsch dabei nicht bloß ein Mittel für Karnevalstexte, sondern eine eigenständige musikalische Ausdrucksform.
Bei Rockemarieche übernahm sie mehrere Rollen zugleich: Sie war Sängerin, Frontfrau, Bandleaderin und maßgebliche kreative Kraft. Gemeinsam mit ihren Mitmusikerinnen entwickelte sie das Repertoire, die Bühnenfigur und das musikalische Profil der Band. Unterstützt wurde der Entstehungsprozess unter anderem von Till Kersting, der als Coach, Arrangeur und Co-Produzent an der musikalischen Ausarbeitung beteiligt war.
Peggys Bühnenpersönlichkeit war dabei ein zentraler Bestandteil des Gesamtkonzepts: selbstbewusst, humorvoll, rock’n’roll-orientiert und fest in der Kölner Stadtkultur verankert.
Die Bandgeschichte: Von den Tigerettes zur Rockemarieche
Der Wendepunkt kam 2013. Peggy Sugarhill schlug ihren Mitmusikerinnen vor, das bisher englische Programm auf Kölsch zu übertragen. Der Name „Rockemarieche“ war bereits gefunden. Im Juni 2013 erhielt die Formation eine Anfrage für „Deine Sitzung“, ein alternatives Kölner Sitzungsformat. Damit war der erste Auftritt des neuen Projekts beschlossen.
In der Vorbereitungsphase entstanden erste eigene kölsche Songs und ein Video zu „Rockemarieche sin jeck“. Das Repertoire sollte eigene Kompositionen, kölsche Bearbeitungen bekannter Titel und Klassiker aus der Rock’n’Roll-Tradition verbinden.
Im Februar 2014 feierte die Band bei „Deine Sitzung“ ihr Bühnendebüt. Die Reaktion des Publikums und der Presse fiel so positiv aus, dass schnell weitere wichtige Auftritte folgten. Die Höhner engagierten Rockemarieche als Support für einen Auftritt in der Lanxess Arena; auch die Klüngelköpp und Kasalla wurden auf die Band aufmerksam.
Damit begann eine neue Phase in der kölschen Musikszene. Rockemarieche zeigte, dass eine rein weibliche Band mit einem eigenwilligen Stil nicht nur in kleinen Clubs, sondern auch auf großen Karnevals- und Konzertbühnen bestehen konnte.
Musikstil und Einflüsse
Der Begriff „New Rockabilly op Kölsch“ beschreibt die Musik der Rockemarieche präziser als eine einfache Zuordnung zu Rock oder Karneval. Im Zentrum stehen typische Rockabilly-Elemente: treibende Rhythmen, vintage-orientierte Gitarrensounds, Kontrabass und die Energie des frühen Rock’n’Roll.
Dazu kommen Einflüsse aus Country, Bluegrass, Pop und modernen Elektrosounds. Als musikalische Bezugspunkte werden unter anderem Elvis Presley, Chuck Berry und Beyoncé genannt.
Besonders wichtig ist der mehrstimmige Gesang. Die Stimmen der Band werden nicht nur als Hintergrund eingesetzt, sondern als eigenständiges Arrangement-Element. Dadurch entstehen Close-Harmony- und Doo-Wop-Anklänge, die an die Andrews Sisters erinnern können, während moderne Pop-Referenzen bis hin zur Girlgroup-Ästhetik von Destiny’s Child reichen. Dieser Vergleich beschreibt die musikalische Spannweite der Band: historische Satzgesänge treffen auf moderne Popenergie.
Die kölsche Sprache bildet dabei das verbindende Element. Rockabilly bleibt als musikalische Grundlage erkennbar, wird aber durch Dialekt, Humor und Kölner Alltagserfahrungen neu eingefärbt. Das Ergebnis ist zugleich retro und modern, lokal und international.
Die Mitglieder der Band
Die Besetzung veränderte sich im Lauf der Jahre. Der Kern der Band blieb jedoch durch Peggy Sugarhills Gesang, Johanna Eickers Gitarre, Lea Randellas Kontrabass und den mehrstimmigen Gesang geprägt.
| Mitglied | Instrument oder Rolle | Zeitraum |
|---|---|---|
| Peggy Sugarhill | Gesang, Frontfrau | 2014–2021 |
| Johanna Eicker | Gitarre, Backing Vocals | 2014–2021 |
| Lea Randella | Kontrabass | 2014–2021 |
| Lucy Karashigo | Keyboard, Backing Vocals | 2014–2020 |
| Julia Zech | Keyboard | 2020–2021 |
| Charly Klauser | Schlagzeug, Backing Vocals | 2014–2018 |
| Trish Roß | Schlagzeug | ab 2018 |
Die Band funktionierte nicht nur über ihre Frontfrau, sondern über das Zusammenspiel aller Musikerinnen. Der Kontrabass von Lea Randella, die Gitarrenarbeit von Johanna Eicker, die Keyboards und die Schlagzeugbesetzung formten den charakteristischen Live-Sound.
Bekannte Lieder und Diskografie
Rockemarieche veröffentlichte mehrere Singles und 2019 ihr einziges Studioalbum. Zu den wichtigsten Titeln gehören:
| Jahr | Veröffentlichung |
|---|---|
| 2014 | „Rockemarieche sin jeck“ |
| 2016 | „Hück Naach“ |
| 2016 | „Ich han dat Marieche jebütz“ |
| 2017 | „Ovends wenn et dunkel weed“ |
| 2018 | „Wenn ich danz“ |
| 2018 | „Hohenzollernbrück“ |
| 2019 | „Jeckes Ding!“ |
| 2019 | „Darf et jet schärfer sin?“ |
| 2020 | „180 Grad“ |
Besonders erfolgreich wurde „Ich han dat Marieche jebütz“. Der Titel brachte der Band größere Aufmerksamkeit im Karneval und wurde auf dem Sampler „Karneval der Stars“ platziert.
Die Songs zeigen die ganze Bandbreite des Projekts: „Jeckes Ding!“ steht für freche, tanzbare Rockabilly-Energie, „Hohenzollernbrück“ für die stärker erzählerische und emotionale Seite. „Wenn ich danz“ und „Ovends wenn et dunkel weed“ verbinden wiederum Alltag, Kölner Atmosphäre und das Bedürfnis nach Bewegung und gemeinsamer Feier.
Mit „180 Grad“ veröffentlichte die Band 2020 ihre letzte Single. Der Titel wurde später zu einer Art musikalischem Übergang in eine neue Phase.
Das Album „Darf et jet schärfer sin?“
Das Debütalbum „Darf et jet schärfer sin?“ erschien Ende 2019, offiziell am 29. November. Es wurde durch eine Crowdfunding-Aktion der Fans finanziert und als Eigenproduktion veröffentlicht. Das Album umfasst 15 Titel und dauert rund 47 Minuten.
Die Titelliste reicht von „Dich han ich nit“ über „Jeckes Ding!“, „Beste Zick“, „Miau“, „Hohenzollernbrück“, „Janz oder Janit“, „Kölle am Rhing“, „Wenn ich danz“, „Luur doch“, „Ich han dat Marieche jebütz“, „Ovends wenn et dunkel weed“, „Mach et joot“ und „Et es nie zo spät“ bis zu „Intro J. P. Weber“ und „Käjelstour no Prummenau“.
Das Album ist mehr als eine Sammlung von Karnevalssingles. Es enthält humorvolle, romantische und nachdenkliche Stücke. Neben schnellen Rockabilly-Nummern finden sich auch Lieder über Abschied, Liebe, Freundschaft und Lebensentscheidungen.
Seine Bedeutung für die Bandgeschichte liegt vor allem darin, dass es das musikalische Konzept in voller Länge dokumentiert: kölsche Texte, Rockabilly-Gitarren, Kontrabass, Satzgesang, Popideen und moderne Produktion. Das Album machte aus dem zunächst als Bühnenprojekt gestarteten Experiment ein eigenständiges künstlerisches Statement.
Auftritte und Bühnenpräsenz
Der erste Auftritt bei „Deine Sitzung“ im Februar 2014 war der Ausgangspunkt für eine bemerkenswerte Bühnenkarriere. Kurz darauf spielte Rockemarieche als Vorgruppe der Höhner in der Lanxess Arena. Die Band trat außerdem im ZDF bei „Karnevalissimo“ auf.
Auch mit Kasalla verband die Gruppe eine enge Zusammenarbeit. Rockemarieche trat mehrfach bei Kasallas Jahresabschlusskonzerten im Kölner Gloria auf und war 2017 als Supportband auf einer Deutschlandtour dabei.
Diese Auftritte zeigen die besondere Position der Band. Rockemarieche passte weder ausschließlich in den klassischen Karneval noch nur in die Rockabilly-Szene. Die Gruppe bewegte sich zwischen alternativer Sitzung, großer Arena, Fernsehen, Clubkonzert und Tournee.
Auf der Bühne verband sich musikalische Präzision mit sichtbarer Spielfreude. Der Kontrabass wurde zum Blickfang, die mehrstimmigen Refrains luden zum Mitsingen ein, und Peggys direkte Ansprache stellte schnell eine Verbindung zum Publikum her. Der Kölner Stadt-Anzeiger beschrieb die Band als erfahrene Musikerinnen, die nicht nur eine auffällige Bühnenoptik, sondern auch musikalisches Können mitbrachten.
Die Auflösung 2021 und Peggys Soloweg
Nach sieben Jahren Bandgeschichte löste sich Rockemarieche 2021 auf. Zuvor hatten bereits Charly Klauser und Lucy Karashigo die Band verlassen. Peggy Sugarhill erklärte die Auflösung mit unterschiedlichen musikalischen Zielen und dem Wunsch, die eigene Gesundheit und seelische Belastbarkeit zu schützen.
Das Ende der Band bedeutete jedoch nicht das Ende der Figur Rockemarieche. Seit 2023 führt Peggy Sugarhill den Namen als Solokünstlerin weiter. Gemeinsam mit Till Kersting veröffentlichte sie den Titel „Kein Stadt es wie du“ für den Sampler „Kölsche Heimat“. Der Song verbindet erneut kölsche Texte mit Rockabilly- und Rock’n’Roll-Elementen und richtet den Blick auf Köln, seine Veedel und seine besondere Identität.
Seit 2025 ist Peggy Sugarhill außerdem festes Ensemble-Mitglied bei „Deine Sitzung“. Damit schließt sich ein Kreis: Genau dieses alternative Sitzungsformat hatte 2014 den ersten großen Auftritt der Rockemarieche ermöglicht.
Bedeutung für Köln und den Karneval
Die Bedeutung der Rockemarieche liegt nicht allein in einzelnen Liedern. Die Band erweiterte die Vorstellung davon, wie kölsche Musik klingen und wer sie auf der Bühne repräsentieren kann.
Als rein weibliche Rockband setzte Rockemarieche ein sichtbares Zeichen in einer Musiklandschaft, die lange stark von männlichen Bands und traditionellen Rollenbildern geprägt war. Die Musikerinnen traten nicht als dekorative Ergänzung auf, sondern als eigenständige Instrumentalistinnen, Sängerinnen und Bühnenpersönlichkeiten.
Musikalisch zeigte die Band, dass Mundart nicht an ein einziges Genre gebunden ist. Kölsch konnte bei Rockemarieche zugleich traditionsbewusst, frech, international, tanzbar und modern klingen. Der Rockabilly-Sound wurde nicht nach Köln importiert, sondern in die Kölner Lebenswelt übersetzt.
Der Begriff „erste weibliche Rockband Kölns“ ist dabei vor allem als Selbstbeschreibung und Pionierpositionierung zu verstehen. Eine vollständige musikhistorische Überprüfung aller früheren Kölner Frauenbands wäre eine eigene Forschungsaufgabe. Unbestritten ist jedoch, dass Rockemarieche in der modernen kölschen Musikszene eine sichtbare Vorreiterrolle einnahm und weibliche Musikerinnen im Karneval stärker ins Zentrum rückte.
Ihr Vermächtnis besteht deshalb aus drei Elementen: einem unverwechselbaren Sound, einer selbstbewussten Bühnenidentität und dem Beweis, dass Kölner Mundart auch außerhalb etablierter musikalischer Muster funktionieren kann.
Häufige Fragen zur Rockemarieche
Was ist die Rockemarieche?
Rockemarieche war eine Kölner Rockabilly-Band mit ausschließlich weiblicher Besetzung. Sie verband Rock’n’Roll, Country, Pop und moderne Sounds mit kölschen Texten. Nach Auflösung der Band tritt Frontfrau Peggy Sugarhill solo als Rockemarieche auf.
Wer gründete die Rockemarieche?
Gegründet wurde die Band von Peggy Sugarhill. Sie war Sängerin, Frontfrau, Bandleaderin und zentrale kreative Kraft des Projekts.
Wann wurde die Rockemarieche gegründet?
Die Idee entstand 2013. Das offizielle Bühnendebüt fand im Februar 2014 bei „Deine Sitzung“ statt.
Welche Musik macht die Rockemarieche?
Die Band bezeichnet ihren Stil als „New Rockabilly op Kölsch“. Zum Sound gehören Rockabilly, Rock’n’Roll, Country, Bluegrass, Pop, mehrstimmiger Gesang und Elektrosounds.
Welche Mitglieder hatte die Band?
Zur Besetzung gehörten Peggy Sugarhill, Johanna Eicker, Lea Randella, Lucy Karashigo, Julia Zech, Charly Klauser und Trish Roß. Keyboard und Schlagzeug wurden im Lauf der Jahre neu besetzt.
Welche bekannten Lieder gibt es?
Zu den bekanntesten Titeln gehören „Rockemarieche sin jeck“, „Hück Naach“, „Ich han dat Marieche jebütz“, „Ovends wenn et dunkel weed“, „Wenn ich danz“, „Hohenzollernbrück“, „Jeckes Ding!“ und „180 Grad“.
Was ist „Darf et jet schärfer sin?“?
„Darf et jet schärfer sin?“ ist das Debütalbum der Rockemarieche. Es erschien 2019, wurde durch Crowdfunding finanziert und enthält 15 Titel.
Wann löste sich die Band auf?
Rockemarieche löste sich 2021 auf.
Was macht Peggy Sugarhill heute?
Peggy Sugarhill tritt seit 2023 solo als Rockemarieche auf. Sie arbeitet weiterhin mit Till Kersting, veröffentlicht neue Musik und ist seit 2025 festes Ensemble-Mitglied bei „Deine Sitzung“.
Welche Bedeutung hat Rockemarieche für Köln?
Rockemarieche gilt als wichtige Pionierin für Frauen in der kölschen Musik. Die Band verband Kölner Mundart mit Rockabilly und schuf damit einen eigenständigen Sound zwischen Rockkonzert, Karneval und moderner Popkultur.