Die Karriere einer der bekanntesten Kölner Bands begann mit Federn.
Sehr vielen Federn.
Wer die Höhner heute von großen Konzerten, aus dem Karneval oder von Liedern wie „Viva Colonia“ kennt, dürfte sich an ihre ersten Bühnenkostüme kaum noch erinnern.
1972 gründeten Peter Werner, Janus Fröhlich, Walter Pelzer und Dick Frangenberg eine Gruppe. Wenig später kam Günter Steinig dazu.
Der Name war Programm:
Ne Höhnerhoff.
Und wenn man schon Hühnerhof hieß, konnte man schließlich auch aussehen wie einer.
Fünf Männer als Hühner
Die Musiker traten tatsächlich in Hühnerkostümen auf.
Das Ganze war zunächst weniger Popband als musikalische Karnevalsnummer. In den frühen Jahren ging es nicht um große Hallen oder Plattenverträge, sondern darum, überhaupt im Kölner Karneval Fuß zu fassen.
Die Gagen waren entsprechend überschaubar. Nach Angaben der Band lagen sie anfangs bei ungefähr 80 Mark.
Aber die Hühner fielen auf.
Und einer, dem sie auffielen, war ausgerechnet einer der größten Namen des kölschen Volkstheaters:
Willy Millowitsch.
Dann kam Willy Millowitsch
1975 bereitete Millowitsch ein neues Theaterstück vor: „Drei Dag ahl Kölle“.
Dafür brauchte er Musiker.
Er engagierte den Höhnerhoff.
Was zunächst wie ein einzelnes Engagement klingt, wurde für die jungen Musiker zu einer außergewöhnlichen Schule. Sie standen nicht nur irgendwo am Rand und spielten ein paar Lieder.
Sie wirkten im Stück mit.
Und zwar Abend für Abend.
96 Vorstellungen lang.
Für eine junge Karnevalsgruppe war das eine enorme Gelegenheit. Plötzlich standen die Musiker regelmäßig im Millowitsch-Theater und mussten nicht nur musikalisch funktionieren, sondern auch schauspielern und Pointen setzen.
Aus fünf Männern in Federkostümen wurden Bühnenprofis.
Aus dem Hühnerhof werden die Höhner
Auch der Name veränderte sich.
Aus „Ne Höhnerhoff“ wurden schließlich die „Höhner“.
Und langsam verschwanden auch die aufwendigen Hühnerkostüme.
Die Band entwickelte sich musikalisch weiter. Aus der ursprünglichen Karnevalsnummer wurde zunehmend eine Gruppe mit eigenen Liedern und einem eigenen Stil.
1986 kam schließlich ein Mann hinzu, der das Bild der Höhner über Jahrzehnte prägen sollte: Henning Krautmacher.
Er ersetzte Peter Horn als Frontmann, zunächst standen beide noch gemeinsam auf der Bühne.
Damit begann ein neues Kapitel.
Doch die Grundlagen waren längst gelegt.
Von 80 Mark zu „Viva Colonia“
Was danach kam, gehört zur Kölner Musikgeschichte.
„Die Karawane zieht weiter“, „Schenk mir dein Herz“ und vor allem „Viva Colonia“ wurden weit über Köln hinaus bekannt. Die Höhner spielten irgendwann nicht mehr nur in Sitzungssälen, sondern in großen Hallen und bei Veranstaltungen in ganz Deutschland.
Dabei ist der Abstand zwischen Anfang und späterem Erfolg bemerkenswert.
Am Anfang standen keine riesige Plattenfirma und kein ausgeklügeltes Bandkonzept.
Da standen fünf Männer.
In Hühnerkostümen.
Für ungefähr 80 Mark Gage.
Und dann kam Willy Millowitsch.
96 Abende, die einiges veränderten
Vielleicht war das Engagement im Millowitsch-Theater deshalb einer der entscheidenden Momente der frühen Bandgeschichte.
96 Vorstellungen bedeuteten 96-mal Bühne. 96-mal Publikum. 96-mal erleben, wie Timing, Musik und kölscher Humor funktionieren.
Für eine junge Gruppe kann man sich kaum eine bessere Schule vorstellen.
Aus „Ne Höhnerhoff“ wurden irgendwann die Höhner.
Die Federn verschwanden.
Die Bühnen wurden größer.
Nur eines haben sie bis heute nicht abgelegt:
Den Namen, der daran erinnert, dass alles einmal mit einem Hühnerhof angefangen hat.
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