Porträt

Paveier: Wie aus einer gescheiterten Countryband eine kölsche Institution wurde

Wie aus den Colonia Rangers die Paveier wurden: „Ich nemm d'r Dom met", Hans Knipp, der erste Flop und der Weg zur kölschen Institution.

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Fotomontage der Paveier als Colonia Rangers
So ähnlich könnten sie ausgesehen haben: Colonia Rangers (Fotomontage)

„Ich nemm d’r Dom met“ gehört heute zu jenen kölschen Liedern, bei denen schon die ersten Takte genügen. Fast jeder weiß, was kommt.

Dabei war Anfang der 1980er-Jahre keineswegs absehbar, dass die Musiker, die dieses Lied bekannt machen sollten, einmal zu den festen Größen der kölschen Musik gehören würden.

Im Gegenteil: Zunächst ging die Sache ziemlich schief.

Bevor es die Paveier gab, versuchten einige ihrer späteren Mitglieder ihr Glück als „Colonia Rangers“. Die Idee: Country-Musik – aber op Kölsch.

Die Musiker kamen aus der Tanzkapelle B.V.B’s Breath Band. Die Erfolge der Bläck Fööss hatten bei ihnen den Wunsch geweckt, nicht länger nur bekannte Stücke zu spielen, sondern eigene kölsche Musik zu machen.

Also wurden die Colonia Rangers gegründet.

Der Erfolg blieb überschaubar.

Jahre später fasste Detlef Vorholt diese Phase ziemlich eindeutig zusammen: Mit dem „Country-Kram“ sei man zunächst „auf die Schnauze gefallen“.

Eigentlich hätte die Geschichte an dieser Stelle schon vorbei sein können.

Proben neben dem Notstromaggregat

Stattdessen probten die Musiker weiter.

Und zwar an einem Ort, den man kaum mit der Entstehung einer der bekanntesten Kölner Karnevalsbands verbinden würde: im Kalker Krankenhaus.

Detlef Vorholt arbeitete damals dort. Der Band stand ein Raum beim Notstromaggregat zur Verfügung. Hier wurde geprobt, während die Musiker außerhalb der Musik weiterhin ihren normalen Berufen nachgingen.

Kein schicker Proberaum, kein Plattenvertrag, keine große Karriereplanung.

Nur ein paar Musiker, eine noch nicht besonders erfolgreiche Idee – und kölsche Lieder.

Dann begegnete ihnen ein Mann, der die Geschichte entscheidend verändern sollte.

Hans Knipp.

Dann kam Hans Knipp

Knipp hatte die Musiker gesehen und erkannte offenbar etwas in der Gruppe, das sich bis dahin noch nicht in Erfolg niedergeschlagen hatte.

Der Liedermacher, der bereits zahlreiche Stücke für die Bläck Fööss geschrieben hatte und später zu einem der bedeutendsten Autoren des kölschen Liedguts zählen sollte, bot ihnen zwei Lieder an.

„Am Ruusemondach“.

Und: „Ich nemm d’r Dom met“.

Mit diesen beiden Stücken änderte sich die Richtung.

Der Country-Versuch wurde aufgegeben. Stattdessen konzentrierten sich die Musiker auf kölsche Musik.

Ausgerechnet „Ich nemm d’r Dom met“ wurde zu einem Lied, das Jahrzehnte überdauern sollte. Text und Musik stammen von Hans Knipp; veröffentlicht wurde es 1983.

Doch während die erste Platte bereits entstand, fehlte noch etwas Entscheidendes.

Die Band hatte keinen Namen.

Die Platte war schon in Arbeit – aber die Paveier gab es noch nicht

Die Musiker waren bereits im Studio, als die Suche nach einem neuen Namen begann.

Auch hier spielte die Familie Knipp eine entscheidende Rolle.

Heidi Knipp, die Frau von Hans Knipp, suchte im „Wrede“, dem Standardwerk zur kölschen Sprache, nach einer passenden Bezeichnung.

Dort fand sie ein Wort:

Paveier.

Auf Hochdeutsch: Pflasterleger oder Straßenpflasterer.

Der Name gefiel.

Detlef Vorholt erklärte später die Idee dahinter sinngemäß so: Wenn sie nun Paveier heißen, dann pflastern sie eben die Straße – mit Musik.

Aus den Colonia Rangers waren die Paveier geworden.

Nur bedeutete ein neuer Name noch lange keinen sicheren Erfolg.

Der erste große Auftritt wurde zum Flop

Heute könnte man glauben, nach „Ich nemm d’r Dom met“ sei die Karriere automatisch angelaufen.

So war es nicht.

Beim wichtigen Vorstellabend des Festkomitees, bei dem sich Künstler für die kommende Karnevalssession präsentieren konnten, erlebten die Paveier einen schweren Rückschlag.

Der Abend verlief desaströs.

Für eine junge Gruppe konnte so etwas damals entscheidend sein. Wer dort nicht überzeugte, bekam womöglich schlicht weniger Engagements.

Doch die Paveier machten weiter.

Und langsam drehte sich die Geschichte.

„Ich nemm d’r Dom met“ kam an. Weitere Lieder folgten. 1984 erschien „Mer han de Musik bestellt“, ein Jahr später „Beim Toni an d’r Iesbud“.

Aus der Gruppe, die mit kölscher Country-Musik zunächst kaum jemanden erreicht hatte, wurde eine feste Größe.

Vom Proberaum zur eigenen Plattenfirma

Dabei blieb es nicht beim Erfolg als Band.

Die Paveier bauten später mit Pavement Records sogar ihre eigene Plattenfirma auf. Über das Unternehmen erschienen beziehungsweise arbeiteten schließlich auch andere bekannte Namen der kölschen Musikszene.

Die Band, die einst selbst einen Hans Knipp brauchte, der an sie glaubte, wurde damit irgendwann selbst Teil der Infrastruktur der kölschen Musik.

Auch personell veränderten sich die Paveier über die Jahrzehnte. Micky Brühl, lange die prägende Stimme und das Gesicht der Gruppe, verließ die Band. Andere Musiker kamen hinzu, Sven Welter übernahm die Rolle des Frontmanns.

Die Paveier blieben.

Und sie schafften Jahrzehnte nach ihrer Gründung noch einmal etwas, das bei einer so lange bestehenden Band keineswegs selbstverständlich ist: einen neuen großen Hit.

2016 wurde „Leev Marie“ zum Sessionshit und schaffte es sogar in die deutschen Single-Charts.

Und alles begann mit einer Idee, die nicht funktionierte

Vielleicht ist gerade das die schönste Pointe der Geschichte.

Die Paveier entstanden nicht aus einem ausgeklügelten Erfolgsplan.

Sie entstanden aus einem Misserfolg.

Eine Tanzkapelle wollte eigene Musik machen. Daraus wurde eine kölsche Countryband. Die funktionierte nicht besonders gut. Die Musiker probten trotzdem weiter – in einem Raum beim Notstromaggregat eines Krankenhauses.

Dann kam Hans Knipp mit zwei Liedern.

Die erste Platte wurde aufgenommen, obwohl noch nicht einmal feststand, wie die Band künftig heißen sollte.

Heidi Knipp schlug schließlich ein altes kölsches Wort vor: Paveier.

Pflasterleger.

Mehr als vier Jahrzehnte später wirkt dieser zufällig gefundene Name beinahe wie eine Vorhersage.

Denn ein Stück der Straße, auf der die kölsche Musik bis heute unterwegs ist, haben die Paveier tatsächlich selbst gepflastert.

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