Herkunft und musikalische Anfänge
Stefan Knittler wurde am 13. Juli 1967 in Köln geboren. Sein Vater Herbert Knittler war Mundartautor, sodass kölsche Sprache und Kultur zu seinem Umfeld gehörten. Zunächst schlug er einen anderen Weg ein: Von 1988 bis 1992 spielte er Schlagzeug bei der Kölner Band Bagdad Babies. Später trat er als Sänger, Komponist und Texter kölscher Lieder hervor.
Durchbruch mit „Loss mer singe“
Ausgangspunkt seiner kölschen Laufbahn war die Mitsinginitiative „Loss mer singe“. Als Mitglied schrieb Knittler 2006 ein Lied über das Gemeinschaftsgefühl der Mitsingabende. „Kumm, loss mer singe“ entwickelte sich zur Hymne des Projekts, erschien auf Samplern und machte ihn in Köln bekannt. 2007 nahm das EMI-Mundartlabel Rhingtön Knittler unter Vertrag und veröffentlichte „Do und ich“. Unter dem Bandnamen Knittler folgte 2008 die EP „De eezte!“. Sie verband Eigenkompositionen mit „Jot jelaunte Minsche“, einer genehmigten kölschen Fassung von R.E.M.s „Shiny Happy People“. 2010 erschien „Knittler Zwo“ mit Pop, Liebesliedern und Irish-Folk-Einflüssen.
Das Konzept „P/op Kölsch“
Bearbeitungen von Pop- und Rocktiteln gehörten zu Knittlers Liveprogramm. Daraus entstand 2010 „P/op Kölsch – Welthits op Kölsch“, das ab 2011 im Kölner Gloria-Theater präsentiert wurde. Knittler übertrug die Lieder nicht wörtlich, sondern passte Bilder, Handlung und Sprachrhythmus an das Kölsche an. Die Fassungen erschienen mit Zustimmung der Rechteinhaber. Titel von David Bowie, Leonard Cohen, The Police, The Hooters und weiteren Künstlern wurden so Teil des Programms.
Die Konzerte entwickelten sich zu Shows mit Band und wechselnden Gästen. Dazu gehörten Anke Engelke, Carolin Kebekus, Henning Krautmacher, Peter Brings und Kasalla. Das Album „Knittler spielt P/op Kölsch“ bündelte 2020 vierzehn Übertragungen. 2024 feierte die Reihe im Gloria ihr „Grand Finale“.
Weitere Projekte
Knittler blieb auch Songschreiber. Zu seinen Eigenkompositionen gehören „Doch wenn do wills“ und „Et Levve meint et jot mit mir“. 2012 sang er mit der von Carolin Kebekus angeführten Gruppe De Imis den Titel „Eijentlich“. Daneben entwickelte er Weihnachtsprogramme für den Weihnachtsmarkt am Kölner Dom. 2022 erschien „P/op Kölsch Weihnachten“ mit eigenen Stücken und Weihnachtsklassikern. Mit dem Journalisten und Musiker Helmut Frangenberg startete Knittler 2021 den Podcast „Wat es?“ über kölsche Musik und die Kölner Kulturszene.
Bedeutung
Stefan Knittler verbindet lokale Mundart mit internationaler Popmusik. Seine Übertragungen zeigen, dass Kölsch nicht nur für traditionelle Karnevalslieder geeignet ist, sondern auch Rock, Pop und Balladen tragen kann. Zugleich steht sein Werk für die Mitsingkultur Kölns: Das Publikum ist nicht bloß Zuhörer, sondern Teil der Aufführung. Mit eigenen Liedern, historischen Neuinterpretationen und autorisierten Welthit-Bearbeitungen nimmt Knittler eine eigenständige Position zwischen Mundartpflege, Popkonzert und kölscher Unterhaltung ein.