Steingass-Terzett
Gründung und Anfänge
Das Steingass-Terzett war ein Kölner Gesangs- und Unterhaltungsensemble der Nachkriegszeit. Gegründet wurde es 1946 von dem Komponisten, Texter und Musiker Toni Steingass gemeinsam mit Franz-Josef Schmitz und Bernd Sperl. Steingass hatte zuvor als Alleinunterhalter auf Borkum und in Kölner Gaststätten gespielt. In größeren Sälen reichte ein einzelner Musiker jedoch kaum aus, um das Publikum zu erreichen. Die Bildung eines Terzetts war daher eine künstlerische wie praktische Entscheidung. Bald trat die Gruppe bei zahlreichen Karnevalssitzungen und Veranstaltungen auf.
Besetzung und Entwicklung
Toni Steingass blieb die zentrale Figur des Ensembles, dessen Besetzung sich im Laufe der Jahre änderte. Später gehörte Heinz Oepen zum Terzett; zuletzt stand Johann Kasper Virnich, genannt „Käp“, bis zur Auflösung mit Steingass auf der Bühne. Die Formation war mehr als ein Vierteljahrhundert erfolgreich. Um 1971 endete ihre Laufbahn. Ab 1972 trat Steingass mit seinem Sohn Helmut „Heli“ als „Die Steingässer – die Lebenskünstler aus Köln“ auf. Dieses Duo war eine Nachfolgeformation und nicht das ursprüngliche Terzett.
Stil und Repertoire
Das Programm verband kölsche Mundart, mehrstimmigen Gesang, eingängige Melodien und humoristische Vorträge. Inhaltlich ging es um Alltag, Feiern, Kölner Eigenarten und menschliche Schwächen. Der Humor blieb freundlich und volkstümlich. Toni Steingass galt als Autor, der Pointen und Unsinn zuließ, Boshaftigkeit und derbe Anzüglichkeiten aber vermied. Die Refrains luden zum Mitsingen und Mitschunkeln ein, während Couplets und Wortspiele für komische Zuspitzungen sorgten.
Zum bekanntesten Umfeld der Gruppe gehört „Der schönste Platz ist immer an der Theke“. Steingass schrieb das Lied 1950 als sein hundertstes Werk. Nachdem Verlage eine Veröffentlichung abgelehnt hatten, gründete er mit seiner Frau Anni den Toni-Steingass-Musikverlag. Das Lied wurde überregional erfolgreich, in mehrere Sprachen übertragen und zu einem Stimmungsklassiker. Das Terzett sang viele Kompositionen seines Namensgebers, interpretierte aber auch ältere kölsche Lieder und Werke anderer Autoren. Belegt sind etwa Karl Berbuers „Nor am Dreikünningepöözche“ und Jupp Schlössers „Dat Glockespill vum Rathausturm“. Die Gruppe vermittelte somit ein breites kölsches Liedrepertoire.
Bedeutung und Nachwirkung
Das Steingass-Terzett steht für die Wiederbelebung des Kölner Unterhaltungskarnevals nach 1945. Es brachte die Tradition des Krätzchens und des humoristischen Couplets in die Säle und auf Schallplatte. So erreichten kölsche Lieder ein Publikum weit über einzelne Sitzungen hinaus. Aufnahmen wurden später wiederveröffentlicht und sind heute digital zugänglich. Toni Steingass verfasste 419 Lieder, doch nicht alle gehörten zum Gruppenrepertoire. Dessen Leistung lag in der Verbindung von Gesang, kölscher Sprache und publikumsnaher Komik. Damit zählt das Terzett zu den wichtigen Formationen des Kölner Karnevals der Nachkriegszeit.