Die „Zwei Schnürreme“ waren ein musikalisch-komisches Brüderduo aus den Anfangsjahren des Kölner Nachkriegskarnevals. Hinter dem Namen standen Hans Süper junior und sein älterer Bruder Paul „Charly“ Süper. Obwohl ihre gemeinsame Bühnenzeit nur wenige Jahre dauerte, entstand bei den „Zwei Schnürreme“ bereits jene Verbindung aus Musik, kölschem Wortwitz und klar verteilten Rollen, die Hans Süper später mit dem Colonia Duett berühmt machen sollte.
Aus einer kölschen Musikerfamilie
Die Brüder wuchsen in einer Familie auf, in der Musik und Karneval zum Alltag gehörten. Ihr Vater Hans Süper senior war Mitglied des erfolgreichen Gesangsquartetts „De Vier Botze“. Nach dem Zweiten Weltkrieg erkannte er das musikalische und komische Talent seiner Söhne und schrieb kleine kölsche Lieder für sie.
Hans Süper junior, geboren am 15. März 1936 in Köln, brachte sich das Spielen seiner Mandoline weitgehend selbst bei. Sein Vater hatte ihm aus der Kriegsgefangenschaft ein mandolinenähnliches Instrument mitgebracht, das aus einer Apfelsinenkiste gebaut worden war. Auf diesem ungewöhnlichen Instrument entwickelte Hans sein außergewöhnliches musikalisches Gehör. Noten lesen konnte er nicht – Melodien und Harmonien erschloss er sich allein durch Zuhören und Ausprobieren.
Der erste Auftritt im Jahr 1949
Im Jahr 1949 standen Hans und Paul erstmals gemeinsam auf der Bühne. Hans war damals gerade 13 Jahre alt. Weil er noch minderjährig war, musste die Mutter die Brüder zu ihren Auftritten begleiten. Rund drei Jahre lang zogen sie als „Zwei Schnürreme“ durch Karnevalssäle, Vereinslokale und Kinos.
Der Name bedeutet auf Hochdeutsch etwa „Zwei Schnürsenkel“ oder „Zwei Schnürriemen“ und passte zur volkstümlichen, selbstironischen Art des Duos. Hans spielte vor allem auf seiner Mandoline, der später berühmten „Flitsch“, während Paul „Charly“ ihn unter anderem am Akkordeon begleitete.
Die Brüder traten ohne große technische Ausstattung auf. Mit ihren Instrumenten, einigen Liedern und humorvollen Dialogen mussten sie Säle mit mehreren Hundert Menschen unterhalten. Gerade dadurch lernten sie, auf die Reaktionen des Publikums zu achten und mit Pausen, Blicken und spontanen Bemerkungen zu arbeiten.
Zwei unterschiedliche Charaktere
Das komische Prinzip der „Zwei Schnürreme“ beruhte auf dem Gegensatz der beiden Brüder. Hans war der quirlige, unangepasste und freche Teil des Duos. Paul verkörperte den ruhigeren und kontrollierteren Gegenpol. Hans bezeichnete sich später rückblickend als die „kleine Sau“, während sein Bruder „dr Drügge“, also der trockene und ernstere Partner, gewesen sei.
Aus diesem Kontrast entstanden witzige Dialoge und kleine Streitgespräche. Hans durfte seinen Bruder unterbrechen, verspotten oder aus dem Konzept bringen, während Paul versuchte, Haltung zu bewahren. Gemeinsamer Gesang und musikalische Einlagen verbanden die einzelnen Szenen. Der Kölner Stadt-Anzeiger beschrieb dieses frühe Zusammenspiel als Vorläufer jenes Erfolgsrezepts, das später das Colonia Duett auszeichnete.
Hans spielte dabei keine vollständig erfundene Bühnenfigur. Seine Spontaneität, seine freche Art und seine Lust am Blödsinn gehörten auch außerhalb der Bühne zu seinem Wesen. Paul bot ihm als ruhigerer Partner die notwendige Angriffsfläche. Damit entstand schon in jungen Jahren eine klassische Doppelconférence, bei der zwei gegensätzliche Charaktere voneinander leben.
Getrennte künstlerische Wege
Nach einigen Jahren endete die gemeinsame Zeit der „Zwei Schnürreme“. Der ganz große Erfolg war dem jungen Duo noch nicht vergönnt. Hans Süper zog sich zunächst aus dem Karneval zurück und spielte in Tanzkapellen. Außerdem arbeitete er in verschiedenen Berufen, unter anderem als Kurierfahrer und Zählerableser.
Paul „Charly“ Süper blieb der Unterhaltung treu und machte sich später als Alleinunterhalter einen Namen. Die Brüder blieben sich auch nach dem Ende des Duos eng verbunden und trafen sich regelmäßig in Hans Süpers Stammkneipe „Sölzer Klaaf“.
Paul Süper starb am 7. Januar 2014 nach langer Krebserkrankung im Alter von 80 Jahren. Hans erinnerte sich damals daran, dass er gemeinsam mit seinem Bruder seinen allerersten Auftritt im Fastelovend erlebt hatte.
Vorläufer des Colonia Duetts
Für Hans Süper waren die „Zwei Schnürreme“ die Schule seines späteren Erfolgs. In dieser Zeit lernte er auch Hans Zimmermann kennen, der damals mit seiner Schwester Gretchen als „Geschwister Zimmermann“ auftrat. Im Jahr 1974 fanden Süper und Zimmermann als Colonia Duett zusammen.
Beim Colonia Duett perfektionierte Hans Süper vieles, was bereits mit seinem Bruder begonnen hatte: das Spiel mit unterschiedlichen Charakteren, die Mischung aus Liedern und komischen Dialogen sowie den Wechsel zwischen vorbereiteten Pointen und spontaner Improvisation. Aus der frechen Rolle bei den „Zwei Schnürreme“ entwickelte sich jener Hans Süper, der seinen Partner später mit dem berühmten Ausruf „Zimmermän, du Ei!“ zur Verzweiflung brachte.
Nach dem Colonia Duett trat Hans Süper noch mit Werner Keppel als Süper-Duett auf. Er starb am 3. Dezember 2022 im Alter von 86 Jahren. Die Stadt Köln würdigte ihn als Legende, kölsches Original und Botschafter des Kölner Lebensgefühls.
Bedeutung für den Kölner Karneval
Die „Zwei Schnürreme“ gehören zu den frühen Nachkriegsformationen des Kölner Karnevals. Ihre gemeinsame Karriere war kurz und ist heute weniger bekannt als das Colonia Duett. Dennoch legten Hans und Paul Süper den Grundstein für eine besondere Form der kölschen Bühnenkomik.
Mit einfachen Mitteln, musikalischem Können und zwei gegensätzlichen Charakteren bewiesen die Brüder, dass für einen gelungenen Karnevalsauftritt nicht unbedingt ein großes Orchester oder eine aufwendige Ausstattung notwendig sind. Eine Mandoline, ein Akkordeon, gutes Timing und zwei echte kölsche Typen konnten genügen, um einen ganzen Saal zu unterhalten.
So bleiben die „Zwei Schnürreme“ vor allem als Beginn einer großen Künstlerlaufbahn in Erinnerung – und als erstes Kapitel in der Geschichte des unvergessenen „Manns mit der Flitsch“.
Art: Duo
Status: Historisch