Porträt
30 Jahre Björn Heuser: Wie kölsche Lieder eine ganze Arena füllen
Wenn am 27. September wieder Tausende Menschen in der Kölner LANXESS arena gemeinsam kölsche Lieder anstimmen, gibt es für Björn Heuser gleich doppelt Grund zum Feiern. „Kölle singt“ findet zum zehnten Mal statt – und Heuser selbst blickt inzwischen auf 30 Jahre auf der Bühne zurück.
Eine Karriere, die so wohl kaum geplant werden konnte.
Schon als Jugendlicher stand Heuser mit kölschen Liedern auf der Bühne. Was damals vergleichsweise klein begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem festen Bestandteil der Kölner Musikszene. Dabei blieb das Prinzip erstaunlich einfach: einer mit der Gitarre – und viele, die mitsingen.
Genau daraus entstand schließlich eines der ungewöhnlichsten kölschen Konzertformate. Bei „Kölle singt“ steht nicht allein der Künstler auf der Bühne im Mittelpunkt. Das Publikum gehört zum Programm. Tausende Stimmen singen gemeinsam Lieder, die in Köln teilweise seit Generationen weitergegeben werden.
2026 wird daraus ein Doppeljubiläum: 30 Bühnenjahre für Björn Heuser und zehn Ausgaben von „Kölle singt“.
Vom kleinen Auftritt in die große Arena
Heusers Weg zeigt zugleich, wie sehr sich die kölsche Musik in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Neben Karnevalssitzungen und Kneipen entstanden neue Konzertformate, bei denen kölsche Sprache und Musik das ganze Jahr über funktionieren.
Heuser hat diese Entwicklung auf seine eigene Weise mitgeprägt. Statt großer Show stand bei ihm lange etwas im Mittelpunkt, das eigentlich viel älter ist: Menschen zusammenzubringen und gemeinsam bekannte Lieder zu singen.
Besonders eng verbunden ist sein Name mit dem Mitsingformat im Kölner Brauhaus. Aus regelmäßigen Auftritten entwickelte sich über die Jahre eine Fangemeinde, die längst nicht mehr nur während der Karnevalszeit zusammenkommt.
Der Sprung von dort in eine der größten Veranstaltungshallen Deutschlands erscheint gewaltig. Das Grundprinzip blieb jedoch dasselbe.
Zehnmal „Kölle singt“
2016 fand „Kölle singt“ erstmals statt. Zehn Jahre später gehört die Veranstaltung fest zum Kölner Musikkalender.
Am 27. September 2026 wird das Jubiläum in der LANXESS arena gefeiert. Gleichzeitig ist die Veranstaltung Teil von Heusers Jubiläumsjahr zu 30 Jahren Bühnenkarriere.
Dabei geht es nicht ausschließlich um seine eigenen Lieder. Gerade die Mischung macht das Konzept aus: alte kölsche Klassiker stehen neben jüngeren Stücken. Lieder der Bläck Fööss, von Willi Ostermann und anderen Größen des kölschen Liedguts treffen auf Musik der jüngeren Generation.
Damit wird „Kölle singt“ auch zu einer Art musikalischem Gedächtnis der Stadt.
Eine Verbindung zu Willi Ostermann
Dass Heusers Bühnenjubiläum ausgerechnet wenige Tage vor einem der bedeutendsten kölschen Jahrestage stattfindet, passt bemerkenswert gut.
Am 1. Oktober 2026 jährt sich der Geburtstag von Willi Ostermann zum 150. Mal. Ostermann gehört zu den wichtigsten Autoren und Komponisten der kölschen Musikgeschichte. Zahlreiche seiner Lieder werden bis heute gesungen.
Heuser wiederum beschäftigt sich seit Jahren mit diesem musikalischen Erbe und bringt alte kölsche Stücke in die Gegenwart. Im Ostermann-Jubiläumsjahr hat er auch eine Komposition Ostermanns neu arrangiert.
Zwischen dem großen Liedermacher des alten Köln und einem heutigen Mitsingkonzert in einer Arena liegen Generationen. Die Grundidee ist erstaunlich ähnlich geblieben: Ein kölsches Lied funktioniert erst richtig, wenn andere es mitsingen.
Mehr als Karneval
Das ist möglicherweise auch ein Grund dafür, warum Heusers Konzept über so viele Jahre funktioniert.
Kölsche Musik wird häufig automatisch mit Karneval verbunden. Heuser zeigt dagegen, dass sie nicht auf die Wochen zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch beschränkt sein muss.
Seine Konzerte funktionieren im Frühjahr, im Sommer und im Herbst. Menschen kommen nicht unbedingt verkleidet, sondern vor allem, um gemeinsam zu singen.
Das klingt zunächst unspektakulär. Tausende Menschen dazu zu bewegen, gemeinsam kölsche Lieder zu singen, ist allerdings eine beachtliche Leistung.
Einer singt vor – Köln singt mit
30 Bühnenjahre später ist Björn Heusers Erfolgsrezept immer noch verblüffend einfach. Keine Band muss im Mittelpunkt stehen, keine riesige Inszenierung die Lieder überdecken. Oft reichen eine Gitarre, eine Stimme – und Menschen, die den Rest übernehmen.
Genau darin liegt vielleicht die eigentliche Geschichte dieses Jubiläums.
Willi Ostermann schrieb vor mehr als 100 Jahren Lieder, die die Kölner zu ihren eigenen machten. Generationen später stellt sich Björn Heuser auf eine Bühne und sorgt dafür, dass sie weitergesungen werden – zusammen mit den Liedern des heutigen Köln.
Am 27. September feiert Heuser deshalb nicht nur 30 Jahre auf der Bühne und zehn Jahre „Kölle singt“.
Er feiert etwas, das in Köln viel älter ist als jede Arena:
Einer fängt an. Und irgendwann singen alle!
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