Herkunft und beruflicher Weg
Jupp Schlösser wurde am 26. Juli 1902 in Köln geboren. Zunächst absolvierte er eine Bäckerlehre und arbeitete als Straßenbahnfahrer. Seine Begabung lag im volkstümlichen, pointierten Schreiben. Als Sänger und „Possendichter“ wurde er zu einem wichtigen Vertreter des kölschen Krätzchens, das Humor, Alltagserzählung und gesellschaftliche Beobachtung verbindet.
Zusammenarbeit mit Gerhard Jussenhoven
Mitte der 1930er-Jahre lernte Schlösser über den Karnevalssänger Karl Berbuer den Komponisten Gerhard Jussenhoven kennen. Schlösser lieferte die Texte, Jussenhoven die Melodien. 1937 gelang ihnen mit „Die Hüüscher bunt om Aldermaat“ der Durchbruch. In den folgenden Jahrzehnten entstanden mehr als 50 gemeinsame Lieder. Durch den Rundfunk wurden ihre Werke über das Rheinland hinaus bekannt. Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung arbeiteten sie bis etwa 1964 zusammen.
Stil und Bedeutung
Schlösser schrieb in kölscher Mundart und auf Hochdeutsch. Seine Texte zeichnen sich durch einprägsame Refrains, Wortwitz und Nähe zur Alltagssprache aus. Inhaltlich behandelte er das Leben in Köln, Karneval, Beziehungen, Wein und Geselligkeit, aber auch Wiederaufbau, Inflation und politische Erfahrungen. Sein größter überregionaler Erfolg wurde der von Jussenhoven komponierte Schunkelwalzer „Kornblumenblau“, besonders in der Interpretation Willy Schneiders.
Politische Bezüge
Eine besondere Stellung nimmt „Die hinger de Gadinge stonn un spingkse“ ein. Das Lied verspottet Menschen, die ihre Nachbarn hinter Gardinen beobachten. Später wurde es als verdeckte Kritik am Denunziantentum der NS-Zeit gedeutet. Diese Einordnung stützt sich vor allem auf spätere Aussagen Jussenhovens und muss differenziert betrachtet werden, da dieser seit Mai 1937 Mitglied der NSDAP war. Für Schlösser selbst ist weder eine Parteimitgliedschaft noch organisierter Widerstand belegt. Das Lied kann als verschlüsselte Kritik an Überwachung und Mitläufertum verstanden werden, nicht jedoch als Nachweis einer Widerstandstätigkeit.
Nachkriegszeit
Nach 1945 griff Schlösser politische Themen deutlicher auf. In „D’r Molli“ von 1950 erinnerte er an Krieg, Inflation und Hitlers Aufstieg und warnte vor neuen autoritären Führungsfiguren und einer Wiederbewaffnung. Andere Lieder behandelten den Wiederaufbau Kölns, Zugezogene und die Wiedergewinnung städtischer Identität. „Sag ens Blodwoosch“ wurde zum humorvollen Sprachtest für „Imis“, während „Dat Glockespill vum Rodhuusturm“ die Sehnsucht nach einem im Krieg verlorenen Stadtsymbol ausdrückte.
Ehrungen und Nachwirkung
Schlösser erhielt die Willi-Ostermann-Medaille für Verdienste um das Kölner Liedgut. Die Kölner Roten Funken würdigten ihn 1967 als Krätzchensänger und nahmen 20 seiner Werke in ein Liederheft auf. Jupp Schlösser starb am 23. Februar 1983 in Köln. Er wurde auf dem Melatenfriedhof beigesetzt. Seine Lieder werden bis heute interpretiert und gehören zum Kernbestand des traditionellen Kölner Liedguts.
| Jahr | Titel | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1937 | Die Hüüscher bunt om Aldermaat | Durchbruch des Duos Schlösser/Jussenhoven; Liebeserklärung an die Kölner Altstadt |
| 1937 | Kornblumenblau | hochdeutscher Rhein- und Weinwalzer; Schlössers größter überregionaler Erfolg |
| 1938 | Gib acht auf den Jahrgang | früher Stimmungsschlager |
| 1937/38 | Die hinger de Gadinge stonn un spingkse | Lied über Beobachter, Klatsch und Denunziantentum; später politisch interpretiert |
| 1948 | Sag ens Blodwoosch | humorvoller Sprachtest für zugereiste „Imis“ |
| 1948 | Der alte Dattelbaum | frühe Nachkriegsaufnahme |
| 1948 | Immer wieder neue Lieder | programmatisches Stimmungslied |
| 1949 | Denk’ wie Goldschmeedsjung | kölscher Charakter- und Milieutext |
| 1949 | Am Mississippi | exotisch gefärbter Nachkriegsschlager |
| 1950 | D’r Molli | politisch bemerkenswertes Lied über Inflation, Hitler und die Wiederaufrüstungsdebatte |
| 1950 | (Das sind) Die gefährlichen Jahre | Schlager über gesellschaftliche und persönliche Unsicherheit |
| 1951 | Raubritter raubten am Rheine | humoristisches Rheinlied |
| 1951 | Schon uns Ahne, die Germane | karnevalistische Historienpersiflage |
| 1951 | Du bist die Frau, die mir der Arzt verschrieben | populärer Beziehungsschlager |
| 1952 | Schau nicht auf die Uhr | Schunkelwalzer, der laut Kölner Überlieferung beim „Prinzenführer“ wenig beliebt war |
| 1952 | Met zwei Promill em Blot | typisches Trink- und Karnevalslied |
| 1954 | Dat Glockespill vum Rodhuusturm | Erinnerung an das im Krieg zerstörte beziehungsweise vermisste Glockenspiel des Rathauses |
| 1955 | Et Bügelleed | kölsches Alltags- und Stimmungslied |
| 1956 | Wo der Wildbach rauscht | hochdeutscher, überregional verbreiteter Volksschlager; Musik von Jupp Schmitz |
| 1957 | Wieverfastelovend | Lied über den Kölner Donnerstag vor Karneval |
| 1968 | Keiner nimmt was mit | später Titel, unter anderem von Willy Schneider interpretiert |