Jupp Schmitz war einer der bedeutendsten Unterhaltungskünstler des Kölner Karnevals. Mit seinem markanten Oberlippenbart, der ihm den Spitznamen „Schnäuzer“ einbrachte, und seinem unverwechselbaren Spiel am Klavier wurde er zu einer kölschen Institution. Lieder wie „Wer soll das bezahlen?“, „Wir kommen alle in den Himmel“ und „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ gehören bis heute zum musikalischen Gedächtnis des Rheinlands.
Vom Severinsviertel ans Klavier
Josef „Jupp“ Schmitz wurde am 15. Februar 1901 im Kölner Severinsviertel geboren. Er stammte aus einer musikalischen Familie: Sein Vater war Trompeter, und seine Mutter wünschte sich, dass der Sohn Pianist werden sollte. Mehr als sieben Jahre lang erhielt Schmitz am städtischen Konservatorium eine klassische Ausbildung zum Konzertpianisten.
Nach dem Ersten Weltkrieg spielte er zunächst als Begleitmusiker in Stummfilmkinos sowie in Cafés und Hotels. Im Jahr 1925 gründete er eine eigene Kapelle, mit der er unter anderem im Kölner Dom-Hotel und im Hotel Monopol auftrat. Außerdem begleitete er den berühmten Willi Ostermann bei dessen letzter Tournee am Klavier.
Seit 1934 arbeitete Schmitz für den Reichssender Köln. Dort lernte er den Liedtexter und Produzenten Kurt Feltz kennen. Gemeinsam entstanden erste erfolgreiche Schlager. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Schmitz zum Kriegsdienst eingezogen und auch in der Truppenunterhaltung eingesetzt.
Musikalischer Neubeginn im zerstörten Köln
Nach Krieg und Gefangenschaft kehrte Jupp Schmitz in seine stark zerstörte Heimatstadt zurück. Unter diesem Eindruck schrieb er „Ming herrlich Kölle“, ein ebenso trauriges wie hoffnungsvolles Lied über die Verwüstung Kölns und den Willen zum Wiederaufbau.
Seinen endgültigen Durchbruch im Karneval feierte Schmitz in der Session 1948/49 mit „Wer soll das bezahlen?“. Die Musik stammte von ihm, den Text schrieb Kurt Feltz. Das Lied traf nach der Währungsreform den Nerv der Zeit: Die Menschen hatten wieder neues Geld, mussten jedoch mit steigenden Preisen und einem knappen Einkommen zurechtkommen. Aus einer karnevalistischen Frage wurde ein geflügeltes Wort, das bis heute in politischen und alltäglichen Diskussionen verwendet wird.
Lieder, die jeder mitsingen konnte
Jupp Schmitz verstand es wie kaum ein anderer, eingängige Melodien mit Humor und kölschem Lebensgefühl zu verbinden. Seine Lieder waren leicht mitzusingen, besaßen aber häufig einen doppelten Boden. Neben ausgelassener Fröhlichkeit fand sich in ihnen auch die für Köln typische Mischung aus Selbstironie, Nachdenklichkeit und leiser Melancholie.
Zu seinen bekanntesten Werken zählen:
- „Wer soll das bezahlen?“
- „Wir kommen alle in den Himmel“
- „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“
- „Ich fahr mit meiner Lisa zum schiefen Turm von Pisa“
- „Es ist noch Suppe da“
- „Der alte Dattelbaum“
Bei „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ komponierte Schmitz die Musik; der Text stammte von Hans Jonen. Das Lied beschreibt den wehmütigen Augenblick, in dem die närrische Zeit endet und der Alltag zurückkehrt. Es gehört bis heute zu den klassischen Abschlussliedern des Karnevals.
Pfiffe bei der Prinzenproklamation
Einen schweren Rückschlag erlebte Jupp Schmitz 1964 bei der erstmals live im Fernsehen übertragenen Kölner Prinzenproklamation. In kurzer Lederhose und mit Filzhut präsentierte er „Der Hirtenknabe von Sankt Kathrein“. Das Publikum reagierte mit Pfiffen und Buhrufen.
Doch Schmitz bewies Humor und Selbstironie. Einige Jahre später kehrte er an denselben Ort zurück und machte den missglückten Auftritt selbst zum Gegenstand einer erfolgreichen Parodie. Damit gewann er die Sympathie des Publikums zurück. Der Vorfall entwickelte sich schließlich zu einer der bekanntesten Geschichten des Kölner Karnevals.
Mit „Es ist noch Suppe da“ gelang ihm 1968 ein weiterer großer Erfolg. Im Jahr 1970 erhielt er für seine Verdienste um das kölsche Liedgut die Goldene Willi-Ostermann-Medaille.
Comeback und bleibende Erinnerung
Erst mit 80 Jahren zog sich Jupp Schmitz vorübergehend von der Bühne zurück. Bereits 1983 feierte er jedoch bei der Prinzenproklamation ein umjubeltes Comeback. Bis ins hohe Alter trat er als Sänger, Pianist und Conférencier auf. Sein letzter großer öffentlicher Auftritt wurde Anfang 1991 vom WDR aufgezeichnet.
Jupp Schmitz starb am 26. März 1991 in Köln. Auf seinem Grabstein auf dem Melatenfriedhof sind die Anfangsnoten und Worte von „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ eingraviert.
Seit 1994 erinnern das Jupp-Schmitz-Plätzchen und ein Denkmal in der Kölner Altstadt an den Künstler. Die Bronzefigur zeigt ihn so, wie ihn sein Publikum kannte: mit Narrenkappe und Schnäuzer am Flügel sitzend.
Jupp Schmitz prägte nicht nur einzelne Karnevalssessionen. Er schuf Lieder, die zu einem festen Bestandteil der kölschen Mitsingkultur geworden sind. Solange in Köln geschunkelt, gelacht und gemeinsam gesungen wird, bleibt auch der „Schnäuzer“ am Klavier unvergessen.