Herkunft und Ausbildung
Jutta Gersten wurde 1932 in Hamm in Westfalen geboren und wuchs in Wuppertal auf. Eigentlich wollte sie Kinderärztin werden, doch Krieg und Nachkriegsnot verhinderten Abitur und Studium. Mit zehn Jahren besuchte Gersten das Wuppertaler Konservatorium und lernte Akkordeon. Mit 14 stand sie in der Wuppertaler Stadthalle auf der Bühne, ein Jahr später arbeitete sie als Berufsmusikerin. In Weinlokalen, Kaffeehäusern und auf Weinfesten spielte sie Tanz- und Schlagermusik und half damit, ihre Familie zu ernähren.
Karriere im Kölner Karneval
Am 10. Januar 1951 trat Gersten bei einem Hausfrauennachmittag in den Kölner Flora-Gaststätten auf. Damit begann ihre lange Laufbahn im Kölner Karneval. In den 1950er-Jahren war sie neben Trude Herr eine der wenigen Frauen, die sich in der von Männern beherrschten Sitzungsszene durchsetzen konnten. Karl Berbuer, Jupp Schmitz und Jupp Schlösser nahmen sie in der Künstlergemeinschaft auf; zu ihren Förderern zählten Max Mauel, Toni Steingass und Ludwig Sebus. 1965 gehörte sie zur Premiere der „Lachenden Sporthalle“ mit Willy Millowitsch, den Vier Botze, Horst Muys und Trude Herr.
Künstlerisches Profil
Gersten verband Akkordeonspiel, Gesang, Rede und spontane Komik zu einer eigenen Unterhaltungsform. Sie bezeichnete sich nicht als Karnevalistin, sondern als „Kabarettistin volkstümlicher Art“. Ihr Programm lebte von Schlagfertigkeit, sicherem Timing und dem direkten Kontakt mit dem Saal. Mit Vorliebe nahm sie Männer und deren Eigenarten auf die Schippe. Ihre Pointen konnten pikant sein, blieben jedoch stets oberhalb der Gürtellinie. Das Akkordeon war nicht bloß Begleitinstrument, sondern ihr musikalisches Markenzeichen. Playback lehnte sie ab; ihre Auftritte waren live und ließen Raum für spontane Reaktionen. „Immer jung und immer am Ball“ wurde zu einem ihrer bekanntesten Lieder und zu ihrem Lebensmotto.
Rundfunk und Tourneen
Neben dem Karneval entwickelte Gersten eine bundesweite Karriere. Sie gastierte oft bei Weinfesten, in Sälen und Hallen. Außerdem wirkte sie in zahlreichen Hörfunksendungen mit. Peter Frankenfeld und Hans Rosenthal engagierten sie für Radio- und Fernsehformate; Rosenthal setzte ihr komisches Talent in seinen Quizsendungen ein. Auch Schallplatten dokumentieren ihr Repertoire.
Späte Jahre und Bedeutung
Gersten blieb bis ins hohe Alter aktiv. Zwischen ihrem ersten Flora-Auftritt 1951 und einem erneuten Auftritt dort im Januar 2017 lagen 66 Bühnenjahre. Noch als über Achtzigjährige spielte sie regelmäßig mit ihrem jahrzehntealten Akkordeon und nannte sich humorvoll „Teenager in Spätlese“. 2018 ernannte die Große Kölner Karnevalsgesellschaft sie zur Ehrensenatorin. Ihre Bedeutung liegt in ihrer Pionierrolle: Gersten behauptete sich früh als selbstständige Musikerin und Komikerin in einem männlich dominierten Berufsfeld. Mit instrumentaler Leistung, Gesang und pointierter Rede wurde sie zu einer der langlebigsten Bühnenpersönlichkeiten des Kölner Karnevals.
Art: Künstler
Status: Aktiv