1. Volker Weininger – „Der Sitzungspräsident“
Volker Weininger steht derzeit an der Spitze der Kölner Rednerszene. Seine Figur des Sitzungspräsidenten ist längst zu einer der bekanntesten und erfolgreichsten Figuren des modernen Karnevals geworden. Dabei lebt der Vortrag nicht von einem einfachen Gag-Konzept, sondern von einer bis ins Detail ausgearbeiteten Rolle: Weininger spielt einen zunehmend alkoholisierten Sitzungspräsidenten, der sich in seinen eigenen Geschichten, Vereinsinterna und gedanklichen Umwegen verliert – und gerade dadurch eine außergewöhnlich hohe Pointendichte erreicht.
Entscheidend für Platz eins ist die Kombination aus karnevalistischer Anerkennung, regelmäßiger Präsenz auf den großen Bühnen und Erfolg über den Sitzungskarneval hinaus. Der WDR bezeichnet ihn inzwischen ausdrücklich als einen der erfolgreichsten und beliebtesten Redner im Karneval und zeigte 2026 sogar sein rund 90-minütiges Soloprogramm als „Sitzungspräsident“. Damit hat seine Bühnenfigur eine Reichweite erreicht, die gegenwärtig kaum ein anderer Karnevalsredner besitzt.
Juryurteil: Der derzeit kompletteste Redner des Kölner Karnevals: unverwechselbare Figur, enorme Wiedererkennbarkeit, starke Texte und außergewöhnlich hohe Publikumsakzeptanz.
2. Martin Schopps
Martin Schopps gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zur ersten Reihe. Mit seiner „Rednerschule“ hat er eine moderne Form des Karnevalsvortrags geschaffen, die klassische Bütt, Stand-up und Alltagsbeobachtung miteinander verbindet. Er arbeitet weniger über eine kunstvoll gespielte Figur als Weininger, sondern stärker über Sprache, Timing und eine sehr schnelle Abfolge von Pointen.
Seine große Stärke liegt darin, dass seine Vorträge sowohl in einem traditionellen Sitzungssaal als auch vor einem jüngeren beziehungsweise weniger karnevalistisch geprägten Publikum funktionieren. Der WDR zählt ihn ausdrücklich zu den beliebtesten und erfolgreichsten Rednern und widmete ihm 2026 eine eigene Ausgabe der „Karneval Classics“. Auch bei den großen Fernsehsitzungen gehört er weiterhin zum festen Spitzenpersonal.
3. Marc Metzger – „Dä Blötschkopp“
Marc Metzger ist der Sonderfall dieser Rangliste. Im streng traditionellen Sinn ist er kein klassischer Büttenredner. Seine Auftritte lassen sich kaum als fest geschriebene Rede beschreiben. Metzger improvisiert, reagiert auf Gäste, Elferrat und Sitzungspräsidenten, unterbricht seinen eigenen Vortrag und macht aus Situationen im Saal spontan neues Material.
Gerade deshalb gehört er trotzdem zwingend in diese Kategorie. Die historische Büttenrede lebt nicht nur vom geschriebenen Text, sondern ebenso von Schlagfertigkeit, Figurenzeichnung, Publikumsnähe und der Fähigkeit, einen ganzen Saal mit Sprache zu beherrschen. In diesen Bereichen gehört Metzger zu den stärksten Künstlern des Kölner Karnevals.
Seine außergewöhnliche Stellung zeigte sich 2026 auch medial: Der WDR stellte ihn mit „Marc Metzgers großes Karnevalslexikon“ für 90 Minuten ins Zentrum einer eigenen Primetime-Sendung und bezeichnete ihn dabei als „Blötschkopp“ und Karnevalsexperten. Er gehörte ebenfalls zur großen Kölner Fernsehsitzung.
Juryurteil: Extrem zuverlässig, sehr hohe Pointendichte und vielleicht der vielseitigste moderne Redner. Weniger traditionelle Bütt als Runge, aber gegenwärtig erfolgreicher und medial stärker präsent.
4. Jörg Runge – „Dä Tuppes vum Land“
Wenn ausschließlich die klassische Büttenrede bewertet würde, könnte Jörg Runge noch weiter vorne stehen. „Dä Tuppes vum Land“ ist einer der profiliertesten Vertreter der gereimten Rede und damit näher an der traditionellen Bütt als fast alle anderen Kandidaten dieser Rangliste.
Runge verbindet aktuelle Themen mit Reim, kölschem Humor und klassischem Vortragshandwerk. Gerade in einer Zeit, in der viele erfolgreiche Karnevalsredner zunehmend Elemente des Stand-ups übernehmen, bewahrt er eine Form, die unmittelbar aus der Tradition des Sitzungskarnevals stammt, ohne antiquiert zu wirken.
In der Session 2026/27 feiert Runge bereits sein 20-jähriges Bühnenjubiläum. Gleichzeitig erweitert er seine Arbeit inzwischen um ein eigenes Soloprogramm außerhalb der Session. Das zeigt, dass seine Stellung nicht allein auf Tradition beruht, sondern weiterhin wächst.
Juryurteil: Unter den Topkandidaten wahrscheinlich der klassischste Büttenredner. Weniger bundesweite Medienpräsenz als Weininger, Schopps oder Cantz, dafür karnevalistisch besonders authentisch und handwerklich sehr stark.
5. Guido Cantz
Guido Cantz ist ebenfalls kein Büttenredner alter Schule. Sein heutiger Vortrag ist deutlich vom Stand-up geprägt. Kurze Pointen, aktuelle Beobachtungen und direkte Ansprache des Publikums bestimmen seine Auftritte stärker als eine klassische Rollenrede oder eine gereimte Bütt.
Trotzdem wäre es sachlich falsch, ihn deshalb aus der Kategorie herauszunehmen. Der Stammtisch Kölner Karnevalisten führt ihn offiziell als Redner. Sein erster großer Auftritt dort fand bereits 1991 statt; damit blickt Cantz inzwischen auf mehr als drei Jahrzehnte im Kölner Sitzungskarneval zurück. Er gehörte auch 2026 wieder zur prominenten Rednerriege der großen Kölner Fernsehsitzung. Zusätzlich besitzt er durch Fernsehen, Moderationen und die Übertragung des Rosenmontagszuges eine enorme Bekanntheit.
Juryurteil: Weniger klassische Bütt, dafür über Jahrzehnte außergewöhnlich erfolgreich. Seine mediale Bekanntheit und seine enorme Erfahrung bringen ihn noch in die Top 5. Betrachtete man ausschließlich traditionelle Redekunst, würde Runge deutlich vor ihm liegen und Cantz möglicherweise noch etwas weiter abrutschen.
Knapp außerhalb der Top 5
Ingrid Kühne – wäre eine Kandidatin für die Top 5 gewesen
Ingrid Kühne muss ausdrücklich erwähnt werden. Würde diese Rangliste die Session 2026 selbst bewerten und nicht nur diejenigen berücksichtigen, die danach noch aktiv sind, wäre sie eine ernsthafte Kandidatin für die ersten fünf Plätze.
Allein zwischen Anfang Januar und ihrem letzten Auftritt am 13. Februar 2026 absolvierte sie rund 100 Karnevalsauftritte. Eine solche Zahl dokumentiert eine außerordentliche Buchungsstärke. Nach 16 Jahren im Kölner Karneval verabschiedete sie sich jedoch bewusst von den Karnevalsbühnen und konzentriert sich weiterhin auf ihre Solokarriere. Deshalb kann sie in einer Rangliste der aktuell aktiven Redner nicht mehr geführt werden.
Ihre Karriere ist zugleich wichtig für die Entwicklung der Bütt: Kühne gehörte über Jahre zu den wenigen Frauen, die sich dauerhaft in der absoluten Spitzengruppe eines noch immer stark von Männern geprägten Rednerkarnevals etablieren konnten. Der WDR nahm sie 2026 entsprechend in seine Rückschau auf bedeutende Rednerinnen des Karnevals auf.
Juryurteil: Ohne ihren Rückzug wäre sie mindestens eine Kandidatin für Platz fünf und aufgrund ihrer enormen Buchungszahlen wahrscheinlich sogar noch weiter vorne.
Achnes Kasulke – die stärkste Herausforderin
Achnes Kasulke gehört unmittelbar hinter die Top 5 und hat durchaus Argumente, in eine solche Rangliste aufgenommen zu werden. Ihre Bühnenfigur ist seit vielen Jahren etabliert; sie verbindet Rollenrede, Alltagsbeobachtung und eine sehr unmittelbare Art des Vortrags.
Ihre Bedeutung lässt sich auch an den großen Programmen erkennen. Das Festkomitee Kölner Karneval nannte sie für die eigenen Veranstaltungen der Session 2026 ausdrücklich gemeinsam mit Volker Weininger, Marc Metzger und Martin Schopps unter den beliebten Künstlerinnen und Künstlern. Sie war zudem über Jahre auf den großen Kölner Bühnen sowie bei verschiedenen Fernsehformaten vertreten.
Juryurteil: Sehr etablierte und erfolgreiche Rednerfigur. Im Augenblick reicht die mediale Wahrnehmung nicht ganz an die ersten fünf heran, ihre langjährige Buchungsstärke macht sie aber zur wahrscheinlich stärksten Kandidatin direkt dahinter.
Bernd Stelter – große Karriere, derzeit knapp außerhalb der Spitze
Bernd Stelter darf man keinesfalls so behandeln, als sei er 2026 nicht mehr aktiv gewesen. Das Gegenteil ist belegt: Er stand weiterhin auf Kölner Karnevalsbühnen und gehörte zur großen Fernsehsitzung. Der WDR bezeichnete ihn Anfang 2026 sogar weiterhin als einen der besten und beliebtesten buchbaren Redner im Karneval.
Trotzdem ist er aktuell nicht mehr in den Top 5. Das ist keine Abwertung. Über Jahrzehnte gehörte Stelter zur absoluten Spitzengruppe des Kölner Rednerkarnevals. Er hat politische und gesellschaftliche Rede mit Musik und Comedy verbunden und war durch seine Fernsehkarriere einem Publikum bekannt, das weit über den Karneval hinausging.
In der gegenwärtigen Wahrnehmung des Kölner Sitzungskarnevals wirken Weininger, Schopps, Metzger, Runge und Cantz jedoch stärker im Zentrum der aktuellen Rednerszene. Stelter ist noch erfolgreich und gefragt, aber nicht mehr in derselben dominanten Position wie in früheren Jahren.
Juryurteil: Eine der großen Figuren der vergangenen Jahrzehnte und weiterhin ein erfolgreicher aktiver Redner. Für eine Rangliste der gegenwärtigen Spitze reicht es nach meiner Gewichtung aber nur noch knapp hinter die Top 5.
Gesamturteil der Jury
Die Rangliste bildet bewusst verschiedene Formen der heutigen Büttenrede ab. Volker Weininger verbindet Figur, Text und Erfolg am vollständigsten und erhält deshalb Platz eins. Martin Schopps steht für die moderne, pointenstarke Rede. Marc Metzger erweitert die Kategorie in Richtung Improvisation und spontane Saalkomik. Jörg Runge ist der stärkste Vertreter der klassischen gereimten Bütt. Guido Cantz wiederum verkörpert die Entwicklung vom traditionellen Karnevalsredner hin zum modernen Stand-up-orientierten Vortrag.
Damit lautet die Top 5:
1. Volker Weininger
2. Martin Schopps
3. Marc Metzger
4. Jörg Runge
5. Guido Cantz
Knapp dahinter folgen insbesondere Achnes Kasulke und Bernd Stelter. Ingrid Kühne hätte aufgrund ihrer außergewöhnlichen Buchungsstärke und ihrer langjährigen Stellung sehr gute Chancen auf die Top 5 gehabt, ist nach ihrem Abschied im Februar 2026 aber nicht mehr als aktive Karnevalsrednerin zu werten.