Porträt

Mehr als nur der Zweite Mann: Hans Zimmermann vom Colonia Duett

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Hans Zimmermann singt und spielt Gitarre beim Colonia Duett.
Hans Zimmermann singt und spielt Gitarre beim Colonia Duett.

Es sind oft die Lauten, die bleiben. Die Unruhigen, die Funken sprühenden Figuren, deren Sätze in den Sprachgebrauch eingehen und deren Gesten sich ins kollektive Gedächtnis einbrennen. Im Kölner Karneval war eine solche Figur ohne Zweifel Hans Süper – der Mann mit der Flitsch, der kleine, quirlig pointierende Clown. Doch wer sich allein an ihn erinnert, erinnert sich nur zur Hälfte. Denn der eigentliche Resonanzraum dieses Humors, sein Widerlager, seine Form – das war Hans Zimmermann.

Zimmermann war nicht der Mann der Pointe. Er war der Mann, der sie möglich machte.

Herkunft aus der kölschen Bühne

Geboren am 16. Oktober 1920, gehört Hans Zimmermann zu jener Generation, deren Lebensläufe eng mit den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts verwoben sind. Seine eigentliche Heimat jedoch fand er nicht in der großen politischen Geschichte, sondern in der kleinen, eigensinnigen Welt des Kölner Karnevals – einer Bühne, die nach dem Krieg zugleich Zuflucht und Neubeginn war.

Bereits in den 1950er Jahren trat Zimmermann gemeinsam mit seiner Schwester Grete Zimmermann als „Geschwister Zimmermann“ auf. Diese frühe Phase ist für das Verständnis seines späteren Erfolgs entscheidend. Denn hier zeigt sich bereits, was ihn auszeichnete: Verlässlichkeit, Präzision, ein feines Gespür für Timing – Eigenschaften, die im Karneval oft unterschätzt werden, aber die Grundlage jeder funktionierenden Bühnenpartnerschaft bilden.

Hans Zimmermann vom Colonia Duett beim Karneval mit Gitarre und Kostüm.
Geschwister Zimmermann

Grete Zimmermann wurde später als „Marizebell“ im Hänneschen-Theater bekannt, und auch Hans bewegte sich in diesem Milieu aus kölscher Tradition, Puppenspiel, Musik und Wortwitz. Der Karneval war für ihn kein spätes Berufsfeld, sondern ein gewachsenes Zuhause.

Die Entstehung des Colonia Duett

Als sich 1974 der Weg von Hans Zimmermann und Hans Süper kreuzte, begann eine jener Konstellationen, die sich im Rückblick wie selbstverständlich ausnehmen – und doch alles andere als das waren.

Das Colonia Duett entstand zunächst unscheinbar, bei einem Auftritt in einer Ehrenfelder Kneipe. Es war kein kalkulierter Karriereschritt, sondern eher ein Versuch, eine neue Kombination zu erproben. Doch schnell zeigte sich, dass hier etwas funktionierte, das über das Übliche hinausging.

Zimmermann, groß gewachsen, mit ernster Miene und Gitarre in der Hand, traf auf Süper, klein, lebhaft, mit scharfem Witz und Hang zur Improvisation. Aus dieser Gegensätzlichkeit entstand eine Spannung, die das Publikum unmittelbar erfasste.

Zwei Männer in Kostümen beim Karneval in Köln, einer mit Brille und Schnurrbart, der andere mit weiß.
Zusammen mit Hans Süper war Hans Zimmermann da Colonia Duett

Es war eine klassische Komikform: der ruhige und der Unruhige, der Ernsthafte und der Spielerische. Doch im Colonia Duett wurde daraus mehr als bloße Typenkomik. Es entstand ein fein austariertes System von Reaktion und Gegenreaktion, von Angriff und Gelassenheit.

„Du Ei“ – und die Kunst des Gegenhalts

Eines der bekanntesten Elemente des Duos war die Anrede „Du Ei“, mit der Süper seinen Partner ansprach – eine augenzwinkernde Anspielung auf Zimmermanns kahlen Kopf. Das Publikum erwartete diesen Moment, und doch lebte er jedes Mal neu.

Was dabei leicht übersehen wird: Die eigentliche Leistung lag nicht in der Beleidigung, sondern in der Reaktion. Zimmermann spielte den Angegriffenen nicht als Opfer, sondern als ruhenden Pol. Seine scheinbare Unerschütterlichkeit war das Fundament, auf dem sich Süpers Wortkaskaden entfalten konnten.

Zimmermann verstand es, die Pointe nicht zu stehlen, sondern sie zu tragen. Er ließ Pausen zu, setzte minimale Gegenakzente, reagierte mit trockenem Ernst – und genau darin lag seine Kunst.

Wer nur auf den Lacher achtete, sah Süper. Wer auf die Struktur achtete, erkannte Zimmermann.

Aufstieg zur Institution

In den späten 1970er und 1980er Jahren wurde das Colonia Duett zu einer festen Größe des Kölner Sitzungskarnevals. Mit bis zu 250 oder mehr Auftritten jährlich gehörten Zimmermann und Süper zu den gefragtesten Künstlern ihrer Zeit.

Hans Zimmermann vom Colonia Duett singt und spielt Gitarre bei Karnevalsauftritt.
Als Colonia Duett waren Hans Süper und Hans Zimmermann über Jahrzehnte die Stars im Kölner Karneval

Ihre Programme verbanden Musik und Dialog, traditionelle Elemente und moderne Brüche. Sie waren im Fernsehen präsent, insbesondere im Umfeld des WDR, und prägten über Jahre hinweg das Bild des Karnevals im Rheinland.

Dabei war ihr Erfolg keineswegs selbstverständlich. Der Sitzungskarneval galt in jener Zeit vielerorts als ritualisiert, gelegentlich auch als erstarrt. Das Colonia Duett brachte eine neue Form von Dynamik auf die Bühne – weniger durch spektakuläre Innovation als durch die Wiederentdeckung des Spiels zwischen zwei Figuren.

Zimmermanns Rolle war dabei zentral. Er war nicht nur der Gegenpart, sondern oft auch der organisatorische Kopf, der strukturierende Teil des Duos. Während Süper die Bühne dominierte, sorgte Zimmermann im Hintergrund für Ordnung, Rhythmus und Verlässlichkeit.

Die unterschätzte Hälfte

Es gehört zu den Eigenheiten der öffentlichen Wahrnehmung, dass sie das Sichtbare bevorzugt. Im Falle des Colonia Duett führte das dazu, dass Hans Süper häufig als die prägende Figur erinnert wird, während Hans Zimmermann in den Hintergrund tritt.

Doch diese Sicht greift zu kurz. Ohne Zimmermann hätte es das Duo in seiner bekannten Form nicht gegeben. Seine Rolle war nicht austauschbar.

Er war kein Stichwortgeber im banalen Sinne, sondern ein präziser Partner, der wusste, wann er Raum geben und wann er ihn begrenzen musste. Seine Gelassenheit war keine Passivität, sondern eine aktive Leistung – eine Form der Kontrolle, die den Humor erst zur Entfaltung brachte.

In gewisser Weise verkörperte Zimmermann eine Haltung, die tief im kölschen Selbstverständnis verankert ist: das Gleichgewicht zwischen Ernst und Leichtigkeit, zwischen Bodenständigkeit und Spiel.

Das Ende des Duos und die späten Jahre

1990 endete die gemeinsame Zeit des Colonia Duett. Die Gründe dafür sind nur teilweise dokumentiert; gesichert ist, dass Hans Süper kurz darauf mit einem neuen Partner weitermachte. Für Zimmermann bedeutete dies zugleich den Rückzug aus der großen Öffentlichkeit.

Zeitungsausschnitt-Collage mit Schlagzeilen zur Trennung des Colonia-Duetts
Es war ein Schock als das Colonia Duett sich trennte

Diese Phase seines Lebens ist vergleichsweise wenig beleuchtet. Es fehlen ausführliche Interviews, persönliche Einblicke, autobiografische Zeugnisse. Gerade darin zeigt sich noch einmal der Unterschied zwischen den beiden Partnern: Während Süper als Figur präsent blieb, verschwand Zimmermann weitgehend aus dem Rampenlicht.

Am 10. Dezember 1994 starb Hans Zimmermann an den Folgen einer Krebserkrankung. Er wurde auf dem Friedhof Köln-Pesch beigesetzt – fern von der Bühne, auf der er über Jahrzehnte gestanden hatte.

Ein Vermächtnis der leisen Art

Heute, im Rückblick, lässt sich das Colonia Duett als eines der prägenden Ensembles des modernen Kölner Karnevals begreifen. Viele ihrer Szenen, Lieder und Dialoge sind Teil des kulturellen Gedächtnisses geworden.

Doch gerade deshalb lohnt es sich, den Blick zu weiten. Nicht nur auf den, der sprach, sondern auch auf den, der schwieg. Nicht nur auf die Pointe, sondern auf ihre Voraussetzung.

Hans Zimmermann war kein Künstler des Vordergrunds. Er suchte nicht die große Geste, nicht die unmittelbare Aufmerksamkeit. Seine Stärke lag in der Form, im Timing, im Maß.

Er war – um ein Bild zu bemühen – nicht das Feuerwerk, sondern das Gerüst, an dem es sich entzündete.

Und vielleicht ist es gerade diese Art von Kunst, die am schwersten zu fassen ist: die Kunst, nicht im Mittelpunkt zu stehen und doch unverzichtbar zu sein.

Das Colonia Duett war mehr als die Summe zweier Figuren. Es war ein Zusammenspiel, ein Gleichgewicht. Und dieses Gleichgewicht hatte einen Namen: Hans Zimmermann.


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  1. Ralf

    Sehr gut geschrieben, kann ich nur bestätigen.

  2. Robert Mohnhoff

    Das ist zu 100% richtig Ohne Hans Zimmermann wäre Hans Süper nicht so gewesen: „Nur Beide“ waren so erfolgreich als das „Colonia Duett“!
    Die späteren Auftritte (ohne Zimmermann) als Süper Duett waren längst nicht so erfolgreich!

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