Marita Köllner begeistert beim Kölner Karneval mit ihrer Stimme und ihrer herzlichen Art.
Karneval in Köln – das ist mehr als Musik, mehr als Kostüm, mehr als ein paar Tage Ausnahmezustand. Es ist ein Gefühl. Und kaum jemand verkörpert dieses Gefühl so sehr wie Marita Köllner.
Seit Jahrzehnten steht sie auf den Bühnen der Stadt, hat Generationen begleitet, hat Höhen erlebt – und auch Momente, die alles andere als leicht waren.
Was viele sehen, ist die Energie, das Lächeln, die Präsenz. Was oft dahinter verschwindet, ist der Weg dorthin.
Die Geschichte eines kölschen Mädchens, das nie aufgehört hat, an sich zu glauben.
Marita Köllner, auch bekannt als et fussich Julche, stammt aus dem Severinsviertel (Vringsveedel), einem der urkölschesten Veedel der Stadt. Mit unzähligen Liedern hat sie das Kölner Karnevalsliedgut bereichert und ist aus der kölschen Musikszene nicht mehr wegzudenken. Sie ist Sängerin, Moderatorin und Entertainerin, doch ihre Karriere begann ganz anders: zunächst als Büttenrednerin. Ihr Weg auf die großen Karnevalsbühnen war geprägt von Durchhaltevermögen und einer außergewöhnlichen Nähe zur kölschen Kultur. In der Szene gilt sie als eine der wichtigsten weiblichen Stimmen des Karnevals und wird oft als „Königin der Kölner Straßenfeste“ bezeichnet. Mit enormer Bühnenenergie und ihrer Fähigkeit, Menschen emotional zu erreichen, ist sie ein Phänomen.
Marita Köllner trägt Köln nicht nur im Namen, sondern auch im Herzen. Sie lebt und atmet die kölsche Kultur, schöpft aus dem Kölner Milieu und fängt mit ihren Liedern den Puls der Stadt ein. Ihre Songs sind echte Ohrwürmer, die Generationen von Karnevalisten begeistern.
Ob auf Karnevalssitzungen, Stadtfesten oder Open-Air-Konzerten – wenn Marita Köllner die Bühne betritt, springt der Funke sofort über. Ihr Publikum singt, tanzt und schunkelt, während sie mit ihrer energiegeladenen Art für beste Stimmung sorgt. Ihre Auftritte sind mitreißend, voller Lebensfreude und ein echtes Erlebnis – nicht nur im Karneval, sondern auch im Sommer, etwa beim Open-Air-Festival am Otto-Maigler-See in Hürth.
Erste Schritte auf der Bühne
Schon im Kindesalter zeigte sich, dass Marita Köllner ein ausgeprägtes Talent für Auftritte vor Publikum besaß. Bereits mit etwa zehn Jahren trat sie bei Karnevalsveranstaltungen und Schulsitzungen auf, wo sie erste Büttenreden hielt. In der kölschen Karnevalstradition bedeutet Büttenrede nicht nur Humor, sondern auch eine Mischung aus Dialekt, Schauspiel und satirischer Beobachtung des Alltags. Für ein Kind ist diese Rolle ungewöhnlich anspruchsvoll, doch Köllner entwickelte schnell ein Gespür für Timing und Publikumskontakt.
Eine wichtige Rolle spielte dabei ein örtlicher Pfarrer, der ihr Talent erkannte und sie zu Veranstaltungen der Karnevalsjugend KAJUJA brachte. Diese Organisation fördert junge Karnevalstalente und bietet ihnen erste professionelle Auftrittsmöglichkeiten. Dort sammelte Köllner wichtige Erfahrungen auf der Bühne und lernte die Strukturen des Karnevals kennen. Besonders wichtig war dabei das Zusammenspiel mit Literaten, Vereinen und Sitzungsformaten, die das Rückgrat der Kölner Karnevalskultur bilden.
Schon früh entwickelte sie außerdem eine Bühnenfigur, die später legendär werden sollte. Wegen ihrer roten Haare wählte sie den Künstlernamen „Et fussich Julche“ – kölsch für „das rothaarige Julchen“. Der Name spielte zugleich auf ein berühmtes kölsches Lustspiel an und passte perfekt zu ihrer temperamentvollen Art. Unter diesem Namen trat sie viele Jahre als Büttenrednerin auf und machte sich im Karneval langsam einen Namen.
Karriere als Büttenrednerin
Zwischen 1976 und 1987 entwickelte sich Marita Köllner unter ihrem Künstlernamen „Et fussich Julche“ zu einer bekannten Figur in der Büttenrednerszene. In dieser Zeit trat sie bei zahlreichen Karnevalssitzungen, Vereinsveranstaltungen und lokalen Bühnen auf. Büttenrednerinnen waren im Karneval lange Zeit eine Seltenheit, da diese Rolle traditionell eher von Männern dominiert wurde. Dass sich Köllner in diesem Umfeld durchsetzen konnte, zeigt ihr außergewöhnliches Talent für Humor und spontane Interaktion mit dem Publikum.
Ihre Auftritte waren geprägt von typischem kölschem Humor, Selbstironie und einer sehr direkten Publikumsansprache. Sie verstand es, alltägliche Situationen aus dem Kölner Leben humorvoll zu überzeichnen und gleichzeitig eine starke Verbindung zum Publikum aufzubauen. Diese Mischung aus Authentizität und Bühnenpräsenz machte sie schnell zu einem beliebten Programmpunkt vieler Sitzungen. Besonders in den 1980er-Jahren galt sie bereits als feste Größe im regionalen Karneval.
Trotz ihres Erfolgs als Büttenrednerin zeichnete sich schon damals ab, dass ihr Talent über diese Rolle hinausging. Ihre Stimme, ihr Rhythmusgefühl und ihre Fähigkeit, Menschen emotional zu erreichen, führten dazu, dass sie immer häufiger auch musikalische Elemente in ihre Auftritte integrierte. Dieser Übergang vom gesprochenen Vortrag zum Gesang sollte schließlich der entscheidende Schritt in ihrer Karriere werden.
Der zufällige Durchbruch als Sängerin
Der eigentliche Wendepunkt in Köllners Karriere kam 1988, fast zufällig. Anlässlich eines Bühnenjubiläums entstand gemeinsam mit Henning Krautmacher, dem späteren Frontmann der kölschen Band Höhner, das Lied „Denn mir sin kölsche Mädcher“. Ursprünglich war der Song nur für eine einmalige Aufführung gedacht und sollte keine große Veröffentlichung werden. Doch das Lied entwickelte sich überraschend schnell zu einem echten Karnevalshit.
Das Publikum reagierte begeistert auf ihre Mischung aus kölschem Dialekt, eingängiger Melodie und authentischer Bühnenpräsenz. Der Erfolg des Liedes führte dazu, dass Köllner ihre Karriere zunehmend auf den Gesang ausrichtete. Damit vollzog sie den Wechsel von der Büttenrednerin zur Sängerin – ein Schritt, der ihre Karriere langfristig prägen sollte. Seit diesem Zeitpunkt gehört sie zu den festen musikalischen Stimmen des Kölner Karnevals.
In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche weitere Lieder, die besonders in der Karnevalszeit regelmäßig gespielt werden. Songs wie „Es war in Altenahr“, „Medden op dr Schnüss“ oder „Böse Mädchen“ gehören heute zum Repertoire vieler Karnevalsveranstaltungen. Diese Stücke verbinden humorvolle Texte mit typischer kölscher Lebensfreude und tragen dazu bei, dass Köllner zu einer der populärsten Sängerinnen der Szene wurde.
Etablierung als Karnevalsstar
In den 1990er- und 2000er-Jahren entwickelte sich Marita Köllner endgültig zu einer Institution im Kölner Karneval. Sie trat nicht nur auf Bühnen und Straßenfesten auf, sondern wurde auch regelmäßig im Fernsehen eingesetzt.
Heute gehört Marita Köllner zu den ganz großen Namen des Kölner Karnevals. Songs wie „Es war in Altenahr“, „Mer sind kölsche Mädcher“ oder „Medden op dr Schnüss“ sind längst Klassiker. Mit viel Charme und kölschem Humor sowie einer Bühnenenergie, die ihresgleichen sucht, ist sie aus dem aktuellen Karneval einfach nicht mehr wegzudenken.
Marita Köllner – eine echte kölsche Institution, die das Herz der Stadt in ihrer Musik trägt!
Weitere bekannte Karnevalskünstler:“
- Hans Süper
- Hans Zimmermann
- Weltenbummler Gerd Rück
- Kölsche Schutzmann Jupp Menth
- Colonia Duett
- Die 2 Schlawiner