Ein Mann mit Bier vor einem bunten Karnevalsplakat in Köln, das die große Kostümsitzung "Die 2 Chlawiner" bewirbt.
Vom „höheren Blödsinn“ zur echten Legende des Fastelovends
Köln – Wer den Sitzungskarneval der letzten Jahrzehnte erlebt hat, kam an ihnen kaum vorbei: Die „2 Schlawiner“ waren keine leisen Humoristen, keine feinsinnigen Erzähler – sie waren ein Ereignis. Wenn Walter Schweder und „Mini“ Werner Beyer die Bühne betraten, war schnell klar: Jetzt wird es laut, schnell, schräg – und vor allem richtig kölsch.
Vom Zufallstreffer zur Kultnummer
Die Erfolgsgeschichte des Duos ist fast schon karnevalistisch im besten Sinne: ein bisschen Zufall, ein bisschen Improvisation – und dann volle Fahrt voraus. Zwar reichen die Ursprünge der „Schlawiner“ bis in die frühen 1980er zurück, doch die entscheidende Wendung kam 1991. Kurzfristig brauchte Schweder einen neuen Partner – und fand ihn in Mini Werner.
Was dann folgte, ist Stoff für Karnevalslegenden: Innerhalb kürzester Zeit wurde ein neues Programm auf die Beine gestellt, beim Vorstellabend auf der Sartory-Bühne präsentiert – und direkt gefeiert. Die Presse fand sofort die passende Überschrift: „höherer Blödsinn im Quadrat“. Ein Satz, der hängen blieb. Und ein Konzept, das aufging.
Klamauk? Ja. Aber mit System!
Was die „2 Schlawiner“ machten, wirkte auf den ersten Blick wie reiner Klamauk. Grimassen, schnelle Wortwechsel, musikalische Einlagen, absurde Dialoge – manchmal bewusst jenseits jeder Logik.
Doch wer genauer hinsah, erkannte schnell: Das war kein Zufallsprodukt. Ihr Humor war präzise gebaut. Timing, Rhythmus, Wiederholung – alles saß. Sie verstanden es, einen Saal nicht nur zum Lachen zu bringen, sondern regelrecht zu steuern. Zwischen Pointe, Gesang und spontaner Interaktion entstand ein Tempo, dem sich kaum jemand entziehen konnte.
Gerade im klassischen Sitzungskarneval hatten sie damit eine besondere Rolle. Während andere redeten oder sangen, verbanden die „Schlawiner“ beides – und füllten genau die Lücke dazwischen. Sie waren Übergang, Höhepunkt und Stimmungsgarant zugleich.
Sartory, Fernsehen, Mallorca – und überall kölsch
Ihre Heimat waren die großen Säle Kölns, allen voran der Sartory. Doch ihr Wirkungskreis ging weit darüber hinaus. Regelmäßige Auftritte im Fernsehen machten sie einem breiten Publikum bekannt, und auch außerhalb Deutschlands waren sie gefragt – ob auf Mallorca, Gran Canaria oder bei Truppenbetreuungen im Ausland.
Trotzdem blieben sie im Kern immer das, was sie waren: ein klassisches Karnevalsduo. Keine glattgebügelte Show, kein aufgesetztes Konzept – sondern zwei Typen, die genau wussten, wie der Saal tickt.
Tief verwurzelt im Karneval
Beide waren keine „Zugereisten“ im Geschäft, sondern fest im karnevalistischen Leben verankert. Besonders Mini Werner engagierte sich über Jahrzehnte im Stammtisch Kölner Karnevalisten, auch im Vorstand.
Diese Nähe zum organisierten Karneval war kein Nebenaspekt – sie war Teil ihres Erfolgs. Die „2 Schlawiner“ kannten die Regeln, die Abläufe, das Publikum. Und sie wussten genau, wann man sie bricht.
Der Mann hinter dem Schlawiner: Walter Schweder
Mit dem Tod von Walter Schweder im Mai 2022 verlor der Kölner Karneval eine seiner markantesten Figuren. 77 Jahre alt wurde er – und bis zuletzt verbunden mit „seinem“ Karneval.
Viele nannten ihn ein Urgestein. Nicht aus Höflichkeit, sondern weil es passte. Schweder stand für eine Generation, die den Sitzungskarneval geprägt hat: direkt, publikumsnah, ohne Allüren. Einer, der wusste, dass es im Karneval nicht um Perfektion geht – sondern um Wirkung.
Sein langjähriger Bühnenpartner Mini Werner verlor nicht nur einen Kollegen, sondern einen Weggefährten aus über 25 Jahren gemeinsamer Auftritte.
Was wurde aus Werner „Mini“ Beyer?
Werner Beyer hat den Kontakt zum Karneval bis heute nicht verloren. Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der STKK von 2002 bis 2013 übernahm er nach dem Rückzug von Köbes Schumacher auch die Geschäftsführung des Wohltätigkeitsvereins „Alles für Andere“ (ehemals „3 Kölsche Jonge“). Auch hier zeigt sich sein Anspruch, Bestehendes weiterzuführen und nachhaltig zu prägen. Dem Verein ist er bis heute aktiv verbunden.
Als „Mini Marille“ steht „Mini“ Beyer weiterhin auf der Bühne, moderiert und singt unter anderem bei der Kölschen Woche in Hintertux. Dabei bleibt die gemeinsame Vergangenheit stets ein Teil seines künstlerischen Schaffens. So war ein Highlight der gemeinsamen Jahre zuletzt die kölsche Interpretation der Weihnachtsgeschichte „Bethälehäm“. Damit tritt er noch auf.
Mehr als nur Blödsinn
Heute, mit etwas Abstand, wird klar: Die „2 Schlawiner“ waren mehr als ein Klamauk-Duo. Sie standen für eine Form des Humors, die im modernen Karneval seltener geworden ist – roh, unmittelbar, manchmal völlig drüber, aber immer ehrlich.
Sie bewiesen, dass „Blödsinn“ im Karneval kein Mangel an Niveau ist, sondern eine eigene Kunstform. Eine, die Mut braucht. Und Können.
Ihr Vermächtnis
Die „2 Schlawiner“ haben den Sitzungskarneval über drei Jahrzehnte hinweg mitgeprägt. Sie gehörten zu jener festen Größe im Programm, bei der man wusste: Das funktioniert. Immer.
Und genau das ist vielleicht ihr größtes Kompliment:
Sie waren nicht die lauteste Band, nicht die bekannteste Marke – aber sie waren verlässlich da. Jahr für Jahr. Sitzung für Sitzung. Lacher für Lacher.
Oder, wie man in Köln sagen würde:
Dat wor nit nur jeck – dat wor echt.
„Die zwei Schlawiner“ genauso waren sie lieber Peter. Liebenswerte Kollegen, zu jeden Blösinn bereit und gute Freunde von Blom un Blömcher. Ich könnte noch einige Episoden (Rühmcher) dazu beitragen. Die beiden Gruppen waren durch unseren Manager Heinz Krein eng miteinander verbunden (der auch eine Zeit lang die zwei Schlawiner managte) und man tauschte so manchen Gag miteinander aus. Walter war auch Ideengeber für manche Parodie bei BB. Da ich der Betreiber vom Gasthaus „Zum Jan“ war (Hausbesitzer Reiterkorps Jan von Werth), wo auch der Stammtisch Kölner Karnevalisten gastierte, traf man sich da oft zum Ideenaustausch.