Jupp Menth als der Kölsche Schutzmann
Jupp Menth zählt zu den prägenden Persönlichkeiten des kölnischen Karnevals der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit seiner Figur des „kölschen Schutzmanns“ hat er Generationen von Jecken zum Lachen gebracht – und ihnen zugleich einen Spiegel der kölschen Seele vorgehalten. In Uniform, mit antiquiertem Polizeihelm, flotten Sprüchen und verschmitztem Grinsen verkörperte er den idealisierten Polizisten von nebenan: gerecht, menschlich, und nie um eine Pointe verlegen.
Ein echter kölscher Jung
Geboren wurde Josef „Jupp“ Menth 1946 in Köln-Nippes – ein Viertel, das wie kaum ein anderes für echte kölsche Charaktere steht. Schon früh entdeckte er seine Liebe zur Bühne, doch seine Karriere begann zunächst ganz bodenständig. Menth arbeitete viele Jahre als Verwaltungsbeamter bei der Polizei – was später die ideale Grundlage für seine Kunstfigur werden sollte.
Sein tiefes Verständnis für den Polizeidienst, gepaart mit einem scharfen Blick für das Leben auf der Straße, machte ihn zu einem glaubwürdigen und authentischen Büttenredner. 1965 feierte er als kölscher Schutzmann sein Debüt – und traf damit exakt den Nerv der Zeit.
Die Figur des kölschen Schutzmanns
Mit Uniform, Kelle und Kölschem im Herzen schlüpfte Menth in die Rolle des gemütlichen, aber durchsetzungsstarken Schutzmanns, der die kleinen und großen Geschichten aus seiner Stadt erzählte. Seine Reden lebten von Alltagsbeobachtungen, Anekdoten und der liebevollen, aber nicht unkritischen Darstellung der kölschen Eigenheiten.
„Ich bin kein Spötter, ich bin ein Spiegel“, sagte Menth einmal über seine Kunstfigur. Genau das machte seinen Humor so wirksam: Er verspottete nicht, er entlarvte – stets mit einem Augenzwinkern und einem echten Herzen für die Menschen.
Er sprach über Falschparker, über Opas mit Rollatoren, über das Ordnungsamt und über die Eigenarten der kölschen Jecken selbst. Dabei blieb er immer nahbar, nie bösartig, und traf doch oft genau ins Schwarze. Seine Kunst bestand darin, mit wenigen Worten ganze Charaktere zu zeichnen – und immer wieder deutlich zu machen: Der kölsche Schutzmann steht auf der Seite des kleinen Mannes.
Der große Durchbruch

In den 1970er- und 80er-Jahren war Menth Stammgast bei den großen Kölner Karnevalssitzungen, vor allem bei der Fernsehsitzung „Kölle Alaaf“. Millionen Zuschauer kannten den Mann mit dem typischen Schnurrbart, dem ausgestellten Bauch und der urkölschen Schlagfertigkeit.
Sein berühmter Satz „Ich bin doch nit der liebe Jott, ich bin nur der Jupp Menth!“ wurde zum geflügelten Wort. Er selbst blieb trotz Ruhm stets bodenständig und sagte einmal: „Ich will kein Star sein, ich will dat Herz vun Kölle sin.“
Zwischen Lachen und Nachdenken
Was Jupp Menth besonders auszeichnete, war die Mischung aus Witz und Tiefgang. In einer Stadt wie Köln, wo Humor oft über Lautstärke kommt, war Menth ein Meister der leisen Zwischentöne. Seine Geschichten waren pointiert, aber auch nachdenklich, oft mit einem Hauch Melancholie.
„Dat Lääve is wie ne Zoch: Manchmol kütt et zu spät, manchmol verpasst de dä“, sagte er in einer seiner Reden – ein Satz, der zugleich zum Lachen und zum Innehalten einlädt. Seine Reden waren nicht nur Unterhaltung, sie waren auch kleine Lehrstücke in Lebenskunst und Menschlichkeit.
Abschied von der Bühne
Jupp Menth, bekannt als „Ne kölsche Schutzmann“, trat 2017 von den großen Karnevalsbühnen ab. Seinen Abschied gab er aufgrund gesundheitlicher Probleme bekannt, nachdem er bereits zuvor unter Herzproblemen gelitten hatte. Eine offizielle Verabschiedung fand auf dem Härekommers der Altstädter Köln statt, bei dem er mit einer Ehrung gewürdigt wurde.
Er hinterließ eine große Lücke in der Rednerlandschaft, denn seine Art der Darstellung – zwischen Volkstheater, Satire und kölscher Philosophie – war einzigartig. Auch nach seinem Rückzug blieb er eine angesehene Figur im kölnischen Brauchtum und tritt gelegentlich noch in kleinerem Rahmen auf.

Der Mensch hinter der Uniform
Privat war Menth ein zurückhaltender, humorvoller und tief religiöser Mensch. Familie und Freunde standen für ihn immer an erster Stelle. Trotz seiner Popularität blieb er bescheiden, bodenständig und seiner Stadt treu.
Bis heute wird er als Vorbild für viele Nachwuchsredner genannt. Nicht wenige versuchen, an seinen Stil anzuknüpfen – doch kaum jemand erreicht die Mischung aus Würde, Witz und Wahrhaftigkeit, die Jupp Menth auf der Bühne lebte.
Ein Vermächtnis für den kölschen Karneval
Jupp Menth hat mit dem kölschen Schutzmann eine Figur geschaffen, die tief im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert ist. Sein Wirken hat den Kölner Karneval nicht nur geprägt, sondern veredelt. Er war ein echter Botschafter kölscher Lebensart – klug, herzlich, und mit einem Lächeln auf den Lippen, das noch heute nachhallt.
„Wat ich zo säje han, dat han ich jesaat. Alles andere verzällt der Zoch“ – mit diesen Worten beendete er oft seine Reden. Und wer genau hinhört, der hört ihn noch immer: auf den Sitzungen, in alten Aufnahmen – und im Herzen der Stadt Köln.