Heri Blum – diesen Namen kennen viele im Kölner Karneval bis heute. Der Mann hinter der legendären Figur „Ne arme Deuvel“ gehörte über Jahrzehnte zu den großen Stimmen des Sitzungskarnevals. Mit seiner schlaksigen Erscheinung, seinem trockenen Humor und einer tiefen Liebe zur kölschen Sprache begeisterte er Generationen von Jecken.
Mehr als 3.000 Mal stand Heri Blum auf der Bühne – immer im schwarzen Teufelskostüm, mit rotem Schal und Hörnern. Er war kein lauter, schriller Narr. Er war leise, ironisch, hintersinnig – einer, der nachdachte, bevor er sprach. Und gerade das machte ihn so besonders.
Der „arme Deuvel“ als Spiegel der Gesellschaft
Die Figur, die Heri Blum erschuf, war mehr als nur ein karnevalistisches Kostüm. „Ne arme Deuvel“ war ein Spiegelbild des kleinen Mannes, der sich in der großen Welt nicht immer zurechtfindet. Er kommentierte das Zeitgeschehen mit einem Augenzwinkern, sprach über Alltagsprobleme, über Politik, Kirche, Nachbarschaft und Familie – immer aus der Perspektive eines scheinbar Unterlegenen, der mit Geist und Witz doch triumphierte.
Mit Sprüchen wie „Applaus ist das Brot des Künstlers“ spielte er auf seinen eigenen Stellenwert in der Szene an – bescheiden, aber stolz. Sein Humor war nie verletzend, nie laut – er wirkte, weil er echt war.
Ein Mentor für den Nachwuchs
Heri Blum war nicht nur Künstler, sondern auch Förderer. Besonders lag ihm der karnevalistische Nachwuchs am Herzen. In seinem Engagement bei der KAJUJA (Karnevalistische Jugend) unterstützte er junge Rednerinnen und Redner dabei, ihren Weg auf die Bühne zu finden – nicht selten mit einem aufmunternden Wort, manchmal mit ehrlicher, aber hilfreicher Kritik.
Viele, die heute im Kölner Karneval einen Namen haben, erinnern sich noch mit großer Dankbarkeit an seine Ermutigungen und seinen Rat. Für ihn war Karneval kein Showgeschäft, sondern eine Herzensangelegenheit – ein Kulturgut, das gepflegt und weitergegeben werden muss.

Ein stiller Abschied – und ein bleibendes Vermächtnis
Als Heri Blum 1997 im Alter von nur 57 Jahren verstarb, war die Betroffenheit in Köln groß. Auf seiner Beerdigung wurde er von Weggefährten, Karnevalisten und Fans verabschiedet. Der Satz „Der Heri, dat wor ene Jode“ war nicht nur ein schöner Spruch – es war eine zutiefst empfundene Wahrheit. Genau dieser Satz ziert heute auch seinen Grabstein auf dem Melaten-Friedhof.
Er hinterließ nicht nur Erinnerungen an viele unvergessliche Auftritte, sondern auch eine Lücke in einer Karnevalswelt, die sich zunehmend verändert. In einer Zeit, in der der klassische Redner im Sitzungskarneval mehr und mehr verschwindet, wirkt das Andenken an Figuren wie Heri Blum umso bedeutungsvoller.
Warum Heri Blum nicht vergessen werden darf
Heri Blum steht für eine Form des Karnevals, die heute manchmal leiser geworden ist: nachdenklich, sprachlich raffiniert, kritisch, aber herzlich. Seine Figur des „armen Deuvel“ erinnerte daran, dass der Karneval nicht nur aus Konfetti und Trubel besteht, sondern auch aus der Kunst, mit wenigen Worten viel zu sagen.
In ihm verbanden sich kölscher Witz, Bescheidenheit und Haltung. Wer heute junge Rednerinnen und Redner fördert oder sich selbst auf die Bühne wagt, findet in ihm ein Vorbild – vielleicht sogar ein Stück Heimat.