Im Kölner Karneval ist das „Bützje“ – ein kleines Küsschen – weit mehr als nur eine Geste. Es ist Symbol des Frohsinns, der Herzlichkeit und der Lebensfreude. Anders als in anderen Kontexten ist das Bützje im Karneval nicht Ausdruck sexuellen Interesses, sondern ein unverbindliches Zeichen von Sympathie. Es verpflichtet zu nichts – und wird deshalb großzügig verteilt.
Bützen am Zugweg

Besonders während der Umzüge kommt das Bützje oft zum Einsatz. Da bützen etwa die Jecken die Polizisten, die am Zugweg für Ordnung sorgen – und natürlich bützen Männer auch die Polizistinnen. Diese Polizeibeamten wurden in den 70er und 80er Jahren im karnevalistischen Sprachgebrauch gerne scherzhaft „Schnäuzerkowski“ genannt – damals, als echte Polizisten noch Schnäuzer trugen (Man denke nur an den Fernsehpolizisten „Schimanski“, gespielt von Götz George), eine Anspielung auf die Zeit, als Köln noch zu Preußen gehörte und viele Beamte mit preußischem Schnurrbart ausgestattet waren.
Auch die Stadtsoldaten, Funken und andere Teilnehmer des Zuges verteilen eifrig Strüßjer (kleine Blumensträuße) an die Zuschauerinnen – mit einem Augenzwinkern und dem Satz:
„Doför krijje ich och en Bützje!“

Das Bützje in der kölschen Musik
Auch im karnevalistischen Liedgut hat das Bützje längst seinen Platz gefunden. So heißt es im bekannten Trizonesien-Lied:
„… wir sind doch keine Menschenfresser, doch wir küssen, um so besser …“.
Ein anderes kölsches Lied schwärmt vom Bützje so:
„… su e Bützje vun enem Nützje, jo dat schmeck wie Appeltaat!“
(„… so ein Küsschen von einem leckeren Mädchen, das schmeckt wie Apfeltorte.“)
Von Butz zu Bützje – ein Wort mit Geschichte
Das Wort „Bützje“ ist die Verniedlichung von „Butz“, einem alten kölschen Begriff, der mehr als nur ein Kuss bedeutet. In ernsterem Zusammenhang verwendet der Kölner das Wort in der Redewendung
„Butz widder Butz“ – in Anlehnung an den biblischen Spruch „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, wenn auf Bosheit mit Bosheit reagiert wird. Auch hier schwingt natürlich kölscher Humor mit – alles wird mit einem Augenzwinkern gesagt.
Kölsche Redensarten rund ums Bützje
Das Bützen hat auch außerhalb der fünften Jahreszeit einen festen Platz im kölschen Sprachgebrauch. So lautet ein beliebter Trinkspruch unter Kegelbrüdern:
„Bütz de Klötz!“ (Küss die Kegel).
Wenn jemand besonders frech oder dreist spricht, heißt es schon mal:
„Dich hät e Pääd jebützt!“ (Dich hat ein Pferd geküsst!).
Und wenn große Freude herrscht, platzt es aus dem Kölner heraus:
„Ich künt dich bütze!“ (Ich könnte dich küssen!).
Ein Stück kölscher Kultur
So ist das Bützje weit mehr als ein Kuss – es ist ein Ausdruck von Lebensfreude, Humor und rheinischer Herzlichkeit. Ob auf der Straße, im Lied oder in der Sprache:
Das Bützje gehört zum Kölner Karneval wie der Dom zur Stadt – charmant, herzlich und einfach typisch kölsch.