Screenshot
Köln, 24. Februar 2026 – Kaum sind die letzten Kamelle gefegt und die Kostüme verstaut, zeigt sich in der Domstadt eine andere, weniger fröhliche Folge des Straßenkarnevals: Die Zahl der gemeldeten Grippeinfektionen ist in den Tagen nach Rosenmontag spürbar angestiegen. Arztpraxen berichten von vollen Wartezimmern, Betriebe von steigenden Krankmeldungen.
Nach Angaben aus dem Gesundheitsumfeld der Stadt ist die Zahl der bestätigten Influenza-Fälle binnen einer Woche deutlich gewachsen. Während in anderen Teilen Nordrhein-Westfalens die Grippesaison langsam abzuflauen scheint, verzeichnet Köln einen gegenläufigen Trend. Fachleute halten einen Zusammenhang mit den Karnevalsfeierlichkeiten für naheliegend: Enge Kontakte, dicht gedrängte Menschenmengen bei Umzügen und Sitzungen sowie stundenlanges Feiern in geschlossenen Räumen begünstigen die Verbreitung von Viren.
„Das volle Programm der Influenza“
In der Praxis von Hausarzt Ernst Müller hat sich die Lage seit Aschermittwoch deutlich zugespitzt.
„Wir haben in dieser Woche fast doppelt so viele Patienten mit typischen Grippesymptomen wie noch vor Karneval“, berichtet der Mediziner. „Viele kommen mit hohem Fieber, starkem Husten, massiven Glieder- und Kopfschmerzen – also dem vollen Programm der Influenza.“
Auffällig sei, dass sich zahlreiche Patienten vermutlich während der tollen Tage angesteckt hätten. „Die Inkubationszeit passt genau. Viele erzählen, dass sie noch fit auf dem Zug standen und zwei Tage später plötzlich mit 39 Grad Fieber im Bett lagen“, so Walter.
Ältere Menschen besonders betroffen
Besonders häufig beobachtet der Hausarzt schwere Verläufe bei älteren Menschen. „Patientinnen und Patienten über 60 trifft es derzeit besonders hart. Einige kämpfen zwei Wochen oder länger mit den Folgen“, erklärt er. Auch Menschen mit Vorerkrankungen oder geschwächtem Immunsystem seien stärker gefährdet.
Die erhöhte Zahl an Erkrankungen wirkt sich zunehmend auf den Alltag in der Stadt aus. Schulen melden mehr fehlende Kinder, in Unternehmen häufen sich Krankmeldungen. Apotheken berichten von einer gesteigerten Nachfrage nach fiebersenkenden Mitteln und Hustenpräparaten.
Karneval als Beschleuniger
Dass Großveranstaltungen Infektionswellen verstärken können, gilt unter Epidemiologen als bekanntes Phänomen. Beim Kölner Karneval kommen Hunderttausende Menschen aus der gesamten Region und darüber hinaus zusammen. „Wenn viele Menschen eng beieinanderstehen, singen, lachen und feiern, verbreiten sich Atemwegsviren besonders leicht“, sagt Walter. „Das ist keine Überraschung, sondern leider eine wiederkehrende Erfahrung.“
Gleichzeitig betont er, dass der Karneval nicht allein verantwortlich sei. „Wir hatten schon vor den tollen Tagen eine starke Grippesaison. Der Karneval wirkt dann wie ein Beschleuniger.“
Appell an Vernunft
Der Hausarzt rät Erkrankten, sich konsequent auszukurieren. „Wer mit Fieber zur Arbeit geht, steckt andere an und riskiert Komplikationen“, warnt Walter. Wichtig seien Ruhe, ausreichend Flüssigkeit und bei anhaltend hohem Fieber eine ärztliche Abklärung.
Auch grundlegende Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen und das Meiden enger Kontakte bei Krankheitssymptomen könnten helfen, die Welle einzudämmen. Für Risikogruppen sei eine Grippeschutzimpfung weiterhin sinnvoll, selbst wenn die Saison bereits fortgeschritten ist.
Wie lange die erhöhte Infektionslage in Köln anhalten wird, lässt sich derzeit schwer prognostizieren. In den Praxen der Stadt rechnet man jedoch damit, dass die Nachwirkungen der jecken Tage noch einige Wochen spürbar bleiben dürften – diesmal nicht mit Alaaf, sondern mit Taschentüchern und Fieberthermometern.